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Blickwechsel

Im Tiroler Landesmuseum findet zur Zeit eine sehr interessante Sommerausstellung statt. BLICKWECHSEL heißt sie und beschäftigt sich mit dem Thema Landschaft zwischen Berührung und Idylle. Und umfasst den Zeitraum von teilweise knapp nach der vorigen Jahrhundertwende bis in die Gegenwart.

 

Thema dabei ist die Landschaft und vor allem die Stadt, und wie sich die Auffassung darüber in der Kunstgeschichte im Zeitraum etwa ab Ende des Ersten Weltkrieges und der Zwischenkriegszeit bis in die Gegenwart herauf, durchgesetzt hat, und die unter der Bezeichnung NEUEN SACHLICHKEIT oder MAGISCHER REALISMUS bekannt ist.

 

Nach dem ersten Weltkrieg entwickelte sich bei den Malern – Malerinnen sind in der Ausstellung leider kaum vertreten, ein Umstand, der aber wahrscheinlich weniger den Ausstellungsmachern als vielmehr dem Fehlen von Künstlerinnen in diesem Zeitraum geschuldet sein dürfte – ein Hang zu einem sachlichen Blick, weg von allem Mystifizierenden und künstlich Überspannten oder Idealisierten über und zugleich auch eine Faszination für die neue Technik, die allerdings von manchen Malern auch sehr zwiespältig gesehen wurde.

 

Es war nicht nur Faszination, die sie bei manchen auslöste, sondern eben auch Furcht vor ihren Folgen, besonders unter dem Eindruck des gerade erst überstandenen Ersten Weltkrieges. Hauptsächlich österreichischer Maler aus dieser Zeit sind in der Ausstellung vertreten: So etwa Rudolf Wacker, Franz Radziwill, Franz Sedlacek, Anton Lehmden, Max Peintner, um nur die bekanntesten Namen zu nennen. Aber auch Tiroler Vertreter dieser Epoche sind mit interessanten Werken präsent, so etwa Ernst Nepo, Rudolf Lehnert, Alphons Schnegg und noch viele andere,. deren Namen heute einem größeren Kreis kaum mehr .bekannt sein dürfte, deren Werk aber durchaus einer Betrachtung lohnt.

 

Anhand eine historischen Rückblickes auf die Vorläufer zeigt die Ausstellung, mittels Texttafeln, die nicht zu viel aber auch nicht zu wenig informieren – sowie anhand ausgewählter Beispiele der niederländischen Malerei aus den Beständen des Hauses (sozusagen die Wurzeln dieser Kunstepoche) und schlägt eine Brücke über Anton Lehmden, als Vertreter des Phantastischen Realismus, über den wohl keiner Stilrichtung wirklich zuzuzählenden Max Peintner bis zum gegenwärtigen Malerstar Neo Rauch. Kurz eine gut gemachte und wohl auch sehr wichtige Ausstellung über eine interessante Kunstepoche, deren Wirkung bis in die Gegenwart reicht, wie nicht zuletzt die erwähnten Beispiele zeigen. Blickwechsel ein schöner Name für eine schöne Ausstellung. Ein Blickwechsel, der sich lohnt!

 

Noch bis 28. Oktober 2012. 

Näheres unter www.tiroler-landesmuseum.at/html.php/de/ferdinandeum/ausstellungen/radziwill-peitner

 Bilder: Franz Sedlacek: Gebirgslandschaft mit Automobil und Rudolf Wacker: Winterlandschaft


Helmut Schiestl

One Comment

  1. solche Bilder erweitern den Blick und eröffnen neue Perspektiven – die Ausstellung werde ich mir sicher anschauen!

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