ProvInnsbruck-Blogwerkstatt: Mein Lieblingsort (Teil 1)

blogwerkstatt2In unserer Blogwerkstatt, die anlässlich des dritten Geburtstages von provInnsbruck.at in der Bäckerei abgehalten wurde, haben interessierte LeserInnen und Schreiberlinge begeistert über ihre Lieblingsorte und -plätze in Innsbruck geschrieben. Es ist schön zu sehen, wie viele verschiedene Texte zu einem Thema zustande kommen können. Wir freuen uns, einige der Texte nun vorstellen zu dürfen.

Chris Steeg hat die Aufgabe, den Lieblingsort in Innsbruck zu beschreiben, mit dem Text Nah am Wasser – am Inn gelöst:

Die Befindlichkeit des Gewässers zeigt sich mir bereits beim täglichen Einerlei des Zähneputzens. Ich wohne nämlich daneben. Er ist wie ein alter Bekannter, ich kenne ihn und kaum einmal im Jahr, dass er mich aufregt. Er schmatzt und schwatzt nicht, ganz selten schlagen seine Wellen bis an die Ufermauer hoch, dann geht es jedoch richtig hoch her. Mit Glück schrammt er dann dunkelbraun eingefärbt durch Innsbrucks Brücken hindurch bis zur 
nächsten Stadt Hall zu. Er ist meist ein bedächtiger Geselle. Umso heftiger geht es neben und über ihm zu. Täglich mehrmals quirlen Hubschrauber durch die Luft und ihrem Landeplatz beim Pulverturm zu. Rechtsseitig tost der Verkehrsstrom der Autobahn – West-Ostachse A12. Die Menschen gleiten, ohne das Grünjuwel zu beachten, vorbei.

Der Lieblingsort unserer Teilnehmerin ist das Innufer. Sie reflektiert weiter:

Die Ersten joggen in ihrer bunten Funktionskleidung bereits im Morgengrauen von einer der Innbrücken in Richtung Westen, Richtung Kranebitten. Die Letzten laufen mit Stirnlampen ausgerüstet, alleine, zu zweit oder in kleinen Grüppchen, schwatzend, schnaufend, transpirierend, rotzend oder auch nicht, über die Uferpromenade für ihre Fitness. GassigeherInnen hängen demonstrativ die grauen Plastiksäcke für die Hinterlassenschaft ihres Lieblings aus der Jackentasche, bleiben stehen, wenn Flocki es will, rufen ihn zur Ordnung oder werfen Stöckchen und Hundespielzeug zum Apportieren. Ein Zweifachhundebesitzer trainiert seine Hundeschaft mit Ball, zu beobachten nahezu täglich am linken Innufer nahe der Unibrücke. Man spürt selbst im Vorübereilen, dass sich im Hundegarten beim Merkurmarkt ein anderer Hundekreis als weiter draußen auf der eingezäunten Hundewiese einfindet. Zu jeder Jahreszeit bietet das Innufer Richtung Kranebitten Auslauf für Bewegungshungrige.
Ruhebänke ab der Fußgängerbrücke finden sich eher weniger. Es empfiehlt sich, bei Ruhebedarf selbst eine Unterlage mitzunehmen. Gut, dass wir „WestlerInnen“ nicht neidvoll auf den gestylten Innsbrucker Sillabschnitt und das gemütliche Innufer sind. Wir haben auch unsere Vorteile: budgetgünstig, meist bessere Luft und weniger Wind.

innsbruck

(Bbb at wikivoyage shared)

Unter den Texten aus der Blogwerkstatt findet sich ein weiterer Beitrag, der sich nicht nur, aber auch um einen Hund dreht. Die Spaziergänge mit Daisy sind im Text von Claudia Sporer-Heis der Auslöser für Erinnerungen an die Kindheit:

Ich sitze auf einer Parkbank. Rund um mich: schön gleichmäßig geschnittene Hecken. Es ist ruhig. Die große Sandkiste, in der ich noch als Kind gespielt habe, ist zwar noch mit Sand gefüllt, aber das alte Klettergerät, eine gebogene Leiter, existiert schon lange nicht mehr. Auch spielende Kinder habe ich hier schon lange nicht mehr gesehen. Schade. Aber immerhin gibt’s ihn noch, meinen Kindergarten.
Dort gibt’s zum Glück immer noch viele Kinder. Das ist der schönste Kindergarten von Innsbruck. Die Friedhofsmauer war früher nicht besprüht. Manches ist ja ganz interessant anzusehen, vieles stört mich.

Meinem Hund Daisy wird es langsam zu langweilig. Wir gehen weiter. Als Kindergartenkind war ich hier ganz alleine unterwegs, heute unvorstellbar. Damals wurde gerade die Chirurgie gebaut und ich konnte auf meinem Weg beobachten, wie das riesige Haus immer höher wurde.
Der Kindergarten wird gerade umgebaut, vergrößert und schaut erst jetzt anders aus als vor 45 Jahren. Ein niedriges, langgezogenes Gebäude mit einer großen Wiese rundherum. Mit vielen Turngeräten für die Kinder. Auf der Steinmauer beim Eingangsgatterl sind noch immer dieselben Metalllettern angebracht. Wie gerne bin ich hier jeden Tag hermarschiert zur Tante Rosi und wie froh bin ich, dass ich durch Daisy immer wieder hierherkomme.

kleiner_hund

Unsere jüngste Teilnehmerin Wanda Heis, die einen wunderbaren ProvInnsbruck-Föhn für uns gehäkelt hat, erklärt die Stadtbücherei als ihren Lieblingsort. Dort kann sie in die Welt der Bücher entfliehen, kann neue Welten durch neue Lektüren entdecken und dem Alltagsstress entweichen:

Ich stehe vor einem Bücherregal in der Stadtbücherei. Alles ist ruhig und hier schaut niemand auf das, was ich falsch mache. Ich kann einfach allem Stress für eine Zeit entweichen. Ruhig und entspannt lese ich mich durch alle Inhaltsangaben. Will ich etwas Spannendes oder etwas Trauriges? Es muss das perfekte Buch sein, das momentan zu mir passt. Nach und nach weiß ich schon, in welche Richtung es gehen soll. Dann finde ich ein Buch, das mir zusagt und gleich darauf nehme ich es mit nach Hause. Nun kann ich mich schon freuen, in die Welt des Buches einzutauchen.

stadtbücherei

(http://www.innsbruck.gv.at/page.cfm?vpath=bildung–kultur/stadtbuecherei)

Keinen konkreten Lieblingsort beschreibt hingegen der Text Innsbruck – Herz der Alpen oder Oasch der Welt? Weltort oder nur ein Ort in der Welt? Martin Kapferer lernt  durch neue Entdeckungstouren durch seine Stadt immer wieder Seiten an ihr kennen, die ihm noch unbekannt sind, die aber immerhin Google längst kennt:

Auch nach 39 Jahren bieten sich mir immer wieder Orte, die ich nicht kenne, nicht liebe und nicht hasse. Leidenschaftslos und auch ohne meine Liebe sind sie einfach vorhanden. Google weiß, sie sind hier – ich wusste es nicht. Doch wie soll ich etwas lieben, von dem ich nichts weiß?
Schuhe angeschnallt und raus – der Stadtentdecker ist ein Reisender, kein Liebender.
Ein Denker meinte mal sinngemäß: „Wo deine Liebe, ist deine Heimat.“
Also offenbare ich – ich liebe dieses Innsbruck, auch wenn unsere Beziehung auf Krise gebaut ist.

Der Schluss dieses Textes könnte nun auch als Schlusswort dieses Beitrags stehen bleiben, doch möchten wir demnächst weitere kurze Texte über Lieblingsorte in Innsbruck veröffentlichen, die durch ihre persönliche Färbung dazu beitragen, unsere Stadt in ihrer Vielfalt und Einmaligkeit zu erleben und immer wieder neu wahrzunehmen.

1 Antwort : “ProvInnsbruck-Blogwerkstatt: Mein Lieblingsort (Teil 1)”

  1. Bücherwurm sagt:

    Verfasst am Fr., 24.01.2014 – 18:37.

    Die Stadtbücherei zählt auch zu meinen Lieblingsorten – und generell liebe ich Orte zum Schmöckern und Blättern … UniBIBliothek und liber widerin, um nur zwei zu nennen: Bücher sind Lesewesen und helfen gegen Langeweile und Verdruss – liebe Grüße an Wanda und alle provInnsbruckerinnen und provInnsbrucker 😉

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