Innsbruck-Wahl: Wahlbeleidigung bei 55,47 Prozent

Nein, in Innsbruck liegen derzeit nicht 53.730 Menschen mit dem Pass in der Hand bandscheibenbevorfallt hilflos wimmernd auf dem Wohnzimmerboden. Auch das eventuelle strenge Lüfterl kommt nicht von 53.730 seit Tagen dahin wesenden Leichen sondern vom Klärwerk beim Baggersee. 53.730 in Innsbruck mit Hauptwohnsitz gemeldete Personen haben es schlicht vorgezogen, ihr Kreuz allerallerhöchstens beim Beten zu machen – und nicht in der Wahlkabine.

 

Was denken sie, wer sind sie, was treibt sie an, keinen Antrieb zu haben, zu einer Wahl zu gehen? Ist Innsbruck die heimliche Hochburg der Anarchie? Hat die Mehrheit der in Innsbruck lebenden Menschen die Schnauze voll vom Demokratie Spielen und kommt es morgen Früh zum „Putsch der Punschdrinker“ und der viel gefürchtete „Ander vom Dotterbichl“ wird zum Kaiser von Innsbruck ausgerufen? Und Oberpirat Alexander Ofer wird zum Liegewiesen- und Grasbeauftragten?

 

Vielleicht sind die meisten der NichtwählerInnen einfach beleidigt. Beleidigt, weil sie innerhalb der letzten sechs Jahre nie zu ihrer Meinung zu diesem oder jenem Projekt befragt wurden. Vielleicht halten viele angesichts der pest-practice-Beispiele wie Grasser, Hochegger und Co gar nichts mehr von ominöser „Politik“. Vielleicht sind jene 53.730 einfach im Sternzeichen Fische und sind es müde, gegen den Strom zu schwimmen, wo doch „eh alles den Bach runter geht“ (und auf der Rückenflosse haben sie ein megacooles Tattoo stehen: „wenn Wahlen je etwas verändert hätten, wären sie längst abgeschafft“)

 

Die eigentliche Wahrheit aber liegt klar auf der Hand: Nicht alle InnsbruckerInnen wollten zur Wahl im Rahmen des inoffiziellen Stadtparteitags der Volkspartei gehen. Schade eigentlich. Immerhin war es einer der wenigen Wahlen der Volkspartei, bei der es um eine wichtige Funktion ging und tatsächlich mehr als eine Person zur Wahl stand.

Sind denn nun alle, die an der Wahl teilgenommen haben, automatisch Mitglied der Volkspartei? Jep und bingo! Genau so isses. Lasst uns deshalb aber nicht beleidigt sein – sondern freuen wir uns auf den kommenden inoffiziellen VP-Landesparteitag, die Landtagswahl 2013…

 

PS an die NichtwählerInnen: Um beim nächsten inoffiziellen VP-Landesparteitag teilnahme- und gewinnberechtigt zu sein, muss man nicht zwingend am Sonntag gewählt haben. Man kann auch einfach so mitmachen. Virtuelle Beitrittsformulare gibt es, solange der Vorrat reicht. Der Rechts-Weg ist allerdings ausgeschlossen.

 

6 Antworten : “Innsbruck-Wahl: Wahlbeleidigung bei 55,47 Prozent”

  1. Andreas Wiesinger sagt:

    Diese Zahl möchte ich einfach wissen, auch wenn ich sie nie rausbekommen werden. Das Wahlkampfbudget aller Fraktionen geht wohl in die Millionen – dividiert man die gesamten WählerInnenstimmen durch diese Zahl würde sicher ein Hunderter oder mehr rauskommen …

     

    vielleicht sollten wir uns die Kohle auszahlen lassen? Dafür dürfen sich die Parteien das nächste Mal das ganze Werbrklumpert sparen …

    • Markus Kozuh sagt:

      mir sind (transparent) verschleuderte steuergelder im wahlkampf allemal lieber als intransparente private wahlkampfgelder. die parteien verhalten sich im wahlkampf wie eine oma, die ihr enkelkind nur alle jahre mal sieht und sich dann mit vergnügungspark, zuckerwatte und einem neuen fahrrad die liebe erkaufen will. öfter besuchen, liebe oma, wäre halt besser. umgekehrt sollte sich das enkelkind aber auch mehr für seine oma interessieren.

  2. 68erin sagt:

    23.00 0 fürOppitz, 18.800 für Platzgummer .. oder wie hieß er ?  ..  naja … der Großteil der Innsbrucker hat NEIN gesagt zu dieser Wahl, und morgen ist 1. Mai .. und da wäre mal angesagt, für UNSERE Interessen auf die Straße zu gehen !!!!!!! … oder sind wir INNSBRUCKER nur Dreck in eueren Augen ?????

  3. Liebe idealisten von gestern,

    das eingebürgerte – und früher vielleicht auch gültige – argument, dass gewählt werden müsse – wenn auch ungültig -  wird durch die (jetzige) art der wahlberichterstattung außer kraft gesetzt:

    Hat jemand über ‘s TV erfahren, wieviele menschen ungültig gewählt hatten?

    Die wahlbeteiligung hingegen wird bei jeder statistik angeführt!!

    Bitte keine veralterten argumente spucken – augen auf!

    lg

     

     

  4. Peter Kahr sagt:

    Es gibt Länder auf dieser Welt wo Menschen mit ihrem Leben dafür bezahlen um demokratische Wahlen zu bekommen. Und wir haben dieses Recht, aber die Hälfte der Leute gehen nicht hin.

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