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Innsbruck, du bist nicht zu fassen

"Innsbruck ist eine Stadt zwischen Europa" – dieser Satz stammt von einem alten Freund, der schon lange weggezogen ist. Ich finde diese Charakterisierung sehr zutreffend: Innsbruck liegt nicht nur im geografischen Zentrum Europas (ohne näher auf die verworrenen Begrenzungen dieses politischen Begriffs eingehen zu wollen), sondern wirklich da-zwischen.

Dieser Stadt, deren Funktion schon früh die eines Übergangs und einer Brücke zwischen Nord und Süd war, eine Identität zuzuschreiben, ist ein schwieriges, vielleicht sogar auswegloses Unterfangen. So stolz manche hierzulande auf ihre Herkunft sein mögen, so schwer ist diese nämlich zu fassen. Zwischen Deutschland und Italien, Ort des Transits und eine Stadt in der Flugschneise, immer im Übergang und sich selbst nie ganz sicher – so oder so ähnlich würde ich einer Fremden meine Heimatstadt wohl schildern.

Ich lebe schon mein ganzes bisheriges Leben hier und werde wohl keinen anderen Ort mehr finden, dem ich mich so sehr verbunden fühle und den ich eher widerstrebend als stolz meine Heimat nenne. Andere Städte mögen mich beeindrucken und faszinieren – zuhause bin ich nur hier im Schatten der Schanze. Ich kenne keine Liebe, die so verzweifelt ist, verworren und zugleich doch so zärtlich. Innsbruck ist meine fatalste Leidenschaft.

Andreas Wiesinger

4 Comments

  1. Diesen Innsbrucker Sisyphos habe ich am Sonntag vergeblich gesucht … jahrzehntelang stand er Wache am westlichen Ende des O-Dorfs, hoffentlich geht es ihm gut!

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