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Innsbruck, deine Plätze … Platz vor dem Kaufhaus Sillpark

Obwohl dieser Platz kein wirklicher ist, keinen Namen hat, ein „Platz ohne Namen“ sozusagen, solche gibt es ja auch in Innsbruck, von einigen von ihnen wird in dieser Reihe vielleicht noch die Rede sein. Hier also der Platz vor dem. Kaufhaus Sillpark. Nachdem auf ihm nur Zuliefer und wohl auch Abholverkehr zugelassen ist, ist er auch eine Art Fußgängerzone.
Und das Radfahren dürfte hier auch nicht wirklich ein Problem sein. Es gibt auch eine Gastwirtschaft, im Sommer kann man sogar Strandleben genießen, mit ein bisschen aufgetragenen Sand und mit Strohmatten abgegrenzt. Ein Paradies für Ärmere, die sich keinen Urlaub am Meer leisten können, könnte man jetzt vielleicht böse sagen. Oder einfach für Menschen, die nicht lange nachdenken über das Wie und Wo und sich einfach hinsetzen, vielleicht auch nur, weil sie auf jemanden warten oder sich eben mit jemand treffen wollen.
Es ist ein Platz, der sozusagen von selbst funktioniert, auf dem nicht erst ein großes Kulturprogramm angeleiert werden muss, obwohl hier auch immer wieder mal Veranstaltungen stattfinden. Man kann hier vor allem auch auf Akteure diverser NGO’s, treffen, und manchmal  hält auch einer eine Rede, so kommt sogar noch ein bisschen Hydeparkcorner-Flayr auf den Platz. Was will man mehr?
Der Platz funktioniert natürlich nur durch das dort stehende und ihn beherrschende Kaufhaus Sillpark. Und das schwächt dann vielleicht in manchen Augen die Qualität oder auch den Wohlfühlwert des Platzes. Er funktioniert eben nur als Folg unserer Konsumbedürfnisse. Viele gehen hin, weil sie im Kaufhaus etwas kaufen, dieses bietet schließlich vom wieder angenähten Knopf bis zur Fernreise wirklich alles an. Und für die Jugend ist er so etwas wie ein Treffpunkt. Zeigt sich, redet und diskutiert, oder will einfach nur „coolsein“ demonstrieren.
Apropos demonstrieren. Parteien und politische Gruppierungen nutzen den Platz natürlich auch, wie gerade jetzt wieder zur bevorstehenden Landtagswahl kann man dort die Infostände der wahlwerbenden Parteien sehen. Es spielt Livemusik und man bekommt Zettel in die Hand gedrückt. Einfach, weil die Politiker/innen wissen, dass sie hier die Leute erreichen können.
 
Was nun das Kaufhaus selbst betrifft, es wurde nach Plänen des Architekturbüros Achammer, 1990 errichtet worden, und war der Versuch, Kaufhäuser, die auch oder vor allem Artikel für den täglichen Bedarf anbieten, wieder in Innenstadtnähe anzusiedeln, um die Grüngürtel der Städte nicht total zu zersiedeln und den Individualverkehr noch mehr anzuziehen. Und dieser Versuch ist so ja auch fürs erste Mal gelungen und hat mit dem 2010 neu errichteten Kaufhaus Tyrol eine Fortsetzung gefunden.
So war dieses damals sicher ein neuer Treffpunkt, ein Kaufhaus am Rande der Innenstadt, das damals auch noch für Veranstaltungen wie etwa Faschingsbälle genutzt wurde, und ist ein typisches Beispiel der Postmoderne. Nicht mehr glatte Flächen und Kanten sind deren wichtigste Merkmale, sondern Runde Fenster und Giebelchen, Säulen und Architrave prägen ihre Bauten. Über ihren ästhetischen und baukünstlerischen Wert wird man sich noch lange streiten. Klar war und ist, dass sie neu war, Diskussionen und Debatten auslöste und manchen über den doch nicht so schlechten Historismus wieder neu nachdenken ließ.
Immerhin ist das Kaufhaus lichtdurchflutet, die Idee, viele Geschäfte unterschiedlicher Größe in einem hat sich mittlerweile ja auch im neuen Kaufhaus Tyrol und im West fortgesetzt mit unterschiedlicher wirtschaftlicher Folgewirksamkeit vielleicht. Die große französische Wasseruhr, die die große Halle des Kaufhauses lange Zeit beherrschte, findet man dort nicht mehr. Wahrscheinlich musste sie dem erst vor wenigen Jahren  erfolgten Umbau oder Renovierung weichen.
Ein Hype waren natürlich in den neunziger Jahren die Bälle, die im Sillpark stattfanden, das deshalb, weil die ballgekleideten Besucher/innen über die Rolltreppen vom einen Stock in den anderen fuhren. Ein wenig seltsam war das zwar schon, aber hatte eben doch etwas, zumindest in der Erinnerung. Außer dem Kaufhaus Sillpark hat der Platz städtebaulich nicht viel zu bieten. Das dem Kaufhaus gegenüberliegende Europahaus, ebenfalls vom Architekturbüro Achammer galt zur Zeit seine Errichtung zwar auch mal als architektonisches Highlight, wirkt aber durch den eben erst fertig gestellten Pema-Turm von Henke/Schreieck ein wenig in den Schatten gestellt, der sicher als städtebaulicher Blickfang gesehen werden kann.
 
Die nördlich des Kaufhauses der Sill entlangliegende Grünfläche wird zurzeit durch neue Wohnbauten verbaut, womit wieder ein Stück Grünland in der Innenstadt verloren geht. Man darf gespannt sein, wie sich da durch den Prozess der Gentrifizierung das eher von den nicht gerade einkommensstarken sozialen Schichten belebtes Areal verändern wird.

Helmut Schiestl

One Comment

  1. Super,jetzt steht schon im Kommentar zu den Radfahrern, dass man Grün wählen soll. Bitte mit welcher Berechtigung.Ihr könnt mich doch alle mal, jetzt werd ich endgültig sauer, was hat man denn bis jetzt Produktives von den Grünen gehört?. In dieser Mißwirtschaft der poliltischen Parteien kann man doch niemand wählen, aber nach langem überlegen finde ich, nur die Liste Fritz wäre noch eine Alternative, die geben wenigstens nicht dauernd ihren Senf dazu. Ausserdem ist eine Frau an der -Spitze, und das ist Spitze. Einmal bin ich zwar schon auf eine Frau hereingefallen, aber ich probiers noch einmal, wie gesagt, die Hoffnung stirbt zuletzt.

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