Innsbruck, dein Plätze … Platz vor dem Landestheater

Heute habe ich in einer Radiosendung gehört, dass man die (imaginierte) Wand auf der Bühne zum Publikum die vierte Wand nennt. Eine Wand, die keine ist, die da für den Schauspieler / die Schauspielerin doch irgendwie als imaginäre oder auch nur gedachte Grenze vorhanden ist. Wenn sie fehlt, ist es nicht gut, und wenn sie da ist, zu stark vielleicht, ist es auch nicht gut. Also ein wenig für den Laien unverständliches Theaterlatein, trotzdem aber vielleicht ein guter Aufhänger für meine Platzwanderung durch Innsbruck, wenn ich mich heute dem Platz vor dem Landestheater widme.
Ein Platz, der auf keinen Stadtplan als solcher eingetragen ist, und daher auch keinen Namen trägt. Und doch – zumindest von den FußgängerInnen – als ein Platz wahrgenommen wird. Und vor allem vom Baugeschichtlichen her doch einiges zu bieten hat. Als da wären mal das TIROLER LANDESTHEATER, der einzige große öffentliche Bau aus der Zeit des Klassizismus in Innsbruck, erbaut 1846 an Stelle eines von Christoph Gump errichteten Komödienhauses von Giuseppe Segusini, der mit seiner Säulenhalle schon recht beeindruckend ist und so mit dem ihm gegenüber gelegenen CONGRESS INNSBRUCK, 1973 von Hubert Prachensky und Partnern errichtet, sowie mit der Hofburg mit ihrer Rokokofassade ein städtebaulich interessantes Ensemble abgibt.
Seit einigen Jahren hat sich das kleine aber feinen von Rainer Köberl geplante Restaurant Café PAVILLON  dazugesellt, das sich sehr gut in das Ensemble des Platzes einfügt und vor allem mit seiner Glasfassade, in der sich die nahegelegene Hofkirche spiegelt, beeindruckt.
Da hat es das direkt neben dem Landestheater platzierte STADTCAFÉ,  in seiner jetzigen Form aus den fünfziger Jahren stammend, schon ein bisschen schwerer – rd ist es ja zur Zeit in Gefahr, dem neu geplanten Haus der Musik weichen zu müssen. Was ich schade finden würde, wobei es mir weniger um das durch unzählige Renovierungen und Veränderungen schon ein wenig entstellte Innere als die hübsche sich harmonisch in den Platz einfügende Glasfassade leid wäre, die dem Bau etwas Luftiges verleiht.
Ebenso verhält es sich mit dem 1954 vom bekannten Innsbrucker Architekten Franz Baumann erbauten INNSBRUCKER STADTSÄLEN; die dem erwähnten Bauvorhaben wahrscheinlich ebenfalls weichen müssten. Auch wenn der sprichwörtliche Zahn der Zeit auch an diesem Gebäude genagt hat, vor allem was sein Inneres anbelangt, das auch ein Fresko von Max Weiler beherbergt, so ließe sich wahrscheinlich durch  behutsame Renovierung noch einiges verbessern.
Aber man soll sich ja nicht immer gegen das Neue stellen. Und die Dringlichkeit für das bereits erwähnte HAUS DER MUSIK ist sicher als gegeben anzusehen. Und durch einen guten Architektenwettbewerb lässt da durchaus einiges für die Zukunft dieses innerstädtischen Bauensembles hoffen.
Nicht unerwähnt bleiben darf bei dieser Platzbetrachtung natürlich der diesen sozusagen „bekrönende“ LEOPOLDSBRUNNEN. Der in Auftrag Erzherzog Leopolds V. von dem schon erwähnten Innsbrucker Baumeister Christoph Gump entworfene Brunnen trägt Figuren von Caspar Gras, einem deutschen Bildhauer des Manierismus, deren Originale heute allerdings im Tiroler Landesmuseum zu sehen sind und durch Kopien ersetzt wurden.
Olfaktorisch leidet der Platz vor allem im Sommer am Geruch des Pferdeurins, weil er eben auch als Fiakerstandort verwendet wird, was aber auch eine Geschmacksfrage ist, womit wir wieder beim Anfangsthema wären: Nehmen wir jetzt die sogenannte „Vierte Wand“ im Theater bei einer Aufführung wahr, so wie wir den Geruch des Pferdeurins wahrnehmen – und vor allem, wie nehmen wir ihn wahr? Vor allem wenn wir uns in eine der schönen Nymphen von Caspar Gras am Leopoldsbrunnen verlieben.

Hier noch der aktuelle Spielplan des TIROLER LANDESTHEATERS www.landestheater.at/info/spielplan

 

Panoramafoto von Wikipedia

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