40 Jahre Metal in Innsbruck

Teil 1: Geschichte & Bands

Schwarze Kleidung, lange Haare, Metall im Gesicht, Farbe unter der Haut: Anhänger harter Musik – auf Tirolerisch kurz „Mettler“ genannt – sind unschwer zu erkennen. Vor 20 Jahren wurden die dunklen Gestalten oft komisch oder gar furchtsam angeschaut und als Satanisten oder Gesindel beschimpft. Inzwischen ist Metal längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen – einen Kapuzenpulli mit dem Logo von Iron Maiden, Metallica oder Cannibal Corpse sieht man auf dem Bau genauso wie im Büro, auf der Uni wie in der Fabrik und beim AMS genauso wie in Management-Meetings.
Nächstes Jahr wird der Innsbrucker Metal mit dem Jubiläum von No Bros 40 Jahre alt – Grund genug, die Szene einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Da es im ersten Teil dieser Serie um die einzelnen Stile und Bands der Metalgeschichte in Innsbruck gehen wird, was etwas verwirrend sein kann, habe ich eine Grafik erstellt, die einen Überblick über die zeitliche Entwicklung darstellt (die Highres-Version liegt hier). Die Grafik ist wahrscheinlich nicht vollständig, die verwendeten Band-Daten stammen hauptsächlich aus der Encyclopaedia Metallum.
Was ich außerdem voraus schicken möchte: Die Beschreibung der Geschichte der Bands (1. Teil), der Lokale und Konzerte (2. Teil) und der Szene und Legenden (3. Teil) ist natürlich rein subjektiv verfasst und stellt die Innsbrucker Metal-Community verkürzt so dar, wie sie sich mir erschließt.

Die Metal-Szene definiert sich im allgemeinen sehr stark über die verschiedenen Musikstile, die sich inzwischen ausgeprägt haben. Gitarren und Schlagzeug gehören fast (aber nicht unbedingt) immer zur Grundausstattung der verschiedenen Bands, dennoch variieren die Genres sehr stark: Die Bandbreite reicht von extrem langsamen bis zu aberwitzig schnellen Geschwindigkeiten, von übersteuerten Gitarren bis zu mittelalterlichen oder Ethno-Instrumenten, von der lieblichen Opernstimme bis zu Grunzen und Schreien, und von einfachen Mitsing-Riffs bis zu Jazz-ähnlichen Instrumentalpassagen. Das alles und noch viel mehr ist die Welt des Metal, der sich in den letzten Jahrzehnten zu einer der vielfältigsten Musikrichtungen entwickelt hat.

Die Anfänge des Innsbrucker Metal reichen zurück in das Jahr 1974, in dem die Hardrock-Band No Bros (damals noch unter dem Namen Target) von der Gitarren-Legende Klaus Schubert gegründet wurde. In den frühen 80ern wurden No Bros über die Grenzen des Landes hinaus bekannt, waren unter anderem mit Uriah Heep, Deep Purple, Motörhead und Saxon auf Europa-Tour und haben insgesamt über 15 Alben, Compilations und Singles veröffentlicht. Nach der Auflösung 1986 (Reunion 2008) war ein Teil der Band unter dem Namen Schubert von 1987 bis 1997 aktiv.

Nachdem der Hardrock gegen Ende der 70er zum Heavy Metal mutierte, der sich durch härtere Verzerrung der Gitarren und schnellere Riffs auszeichnet, entwickelte sich daraus in den 80ern die übergeordnete Musikrichtung des Metal, welche sich heute aus unzähligen Subgenres zusammensetzt: Die erste Stilexplosion, die zur Entstehung von Power, Speed, Thrash, Doom, Death, Black und Progressive Metal führte, fand natürlich auch in der Innsbrucker Szene anklang und so gründeten sich ab 1990 Bands wie Sarcasm Syndrome, Controversy, Deathwarrant, Dreams of Sanity, Grade a Fancy, Hyphen, Subcultura und Korova (später Korovakill, heute Chryst). Vor allem letztgenannte zeichnen sich durch einen experimentellen Musikstil aus und können als Wegbereiter des Avantgarde Black Metal angesehen werden.
Ab 1992 breiteten sich noch härtere Spielarten aus: Mit Otus Scops und Zuflucht (1996) begann das Zeitalter des Death Metal in Innsbruck, während der Black Metal mit The Call of the Four Gates, Hyperion und Aeon startete. 1996 gründeten sich die bis heute erfolgreichen Dornenreich, deren Wortschöpfungen wie „Trauerbrandung“, „Eigenwach“ oder „Flammentriebe“ für sich selbst sprechen (mein Lieblingsspruch ist übrigens „Gänsehaut statt Gänsemarsch“).

Mitte der 90er Jahre kam es zu einer weiteren Stilvermehrung, die sich diesmal nicht durch eine Entwicklung in die Tiefe, sondern in die Breite auszeichnete: Durch die Kombination mit anderen Musikarten entstanden so Genres wie der Gothic, Industrial, Groove und Ethno Metal und der Mittelalter Rock. Eine besondere gegenseitige Beeinflussung liegt zwischen Hardcore(punk) und Metal vor, aus deren Kombination sich mehrere Genres entwickelten – wie etwa der Crossover, Groove Metal, Grindcore, und schließlich der Metalcore, der kurz nach dem Millennium entstand.
Einige dieser Spielarten fanden auch in der Innsbrucker Bandlandschaft Einzug: Im Thrash Metal-Sektor waren es Turn Out, Yarvis und Demonize, die (wie schon Controversy und Subcultura zuvor) Elemente des Crossover und Groove Metal integrierten. 1999 gründeten sich Angry Angels (Heavy Metal), Divine Temptation (Progressive), sowie die Gothic Metal Bands Darkwell und Zerberus (in denen ich selbst spiele, bzw. spielte).
Dornenreich und Darkwell waren in den Jahren 2000-2005 wahrscheinlich die erfolgreichsten Bands aus Innsbruck, und u.a. 2001 gemeinsam auf Europa-Tour mit den Südtirolern Graveworm, wobei der Drummer – Moritz „Mo“ Neuner (auch Korova, Abygor, Atrocity) – jeden Abend mit zwei Bands spielen musste, was angesichts der Geschwindigkeiten im Metal eine wirklich gute Kondition voraussetzt.

Ab 2002 entstanden in Innsbruck einige weitere Death Metal bzw. Metalcore Bands wie Ictus Mortis, Indyus und Inzest. Letztere waren maßgeblich an der Verbreitung des Deathcore in Österreich beteiligt und konnten international auf sich aufmerksam machen.
2005 begann schließlich eine Entwicklung, die ich als „New Wave of Innsbruck Black Metal“ bezeichnen würde. Innerhalb von ein paar Jahren gründeten sich mindestens 9 (Avantgarde) Black Metal Bands, und zwar (der Reihe nach) Hesternum, Holofernes, Manic Disease, Portae Obscuritas, Sevends, Wolfsthurn, Erl, Dämmerlicht und Kchuttnbruntza. Es ist aber nicht so, dass sich diese Bands durch eine einheitliche Auslegung des Black Metal auszeichnen würden – im Gegenteil ist schon Hesternum für sich allein eine Stilkombination, die sich zwischen Black und Death Metal und gleichzeitig Elektro und Ambient bewegt. Die Bandbreite des Innsbrucker Black Metal ist heute wie auch in seinen Anfangstagen (Korova, Dornenreich) sehr groß und reicht von okkultistisch-ritualisierten Shows (Erl) bis zu experimentellen Soundcollagen (Sevends, Hesternum), welche die Grenzen des Genres bei weitem sprengen.
Parallel dazu entstanden in den letzten Jahren auch viele Bands anderer metallischer Genres wie Liquid Steel und Into the Tempest (Heavy Metal), Demolisha, Insanity Alert und Reapers Call (Trash), Embers of Hate, Kataplexie, TrustNo1 und Raze the Aeon (Death), We put the Fun in Funeral und Systematic Soul Deadening (Metalcore) und Isengrin (Pagan).

Metal ist in Innsbruck heute eine der reichhaltigsten Musikszenen und eine der größten in Westösterreich. An dieser Entwicklung haben aber nicht nur die vielen Bands einen Anteil – die Fans, Freunde, Bars & Kneipen und Konzertveranstalter sind mindestens genauso wichtig und werden im zweiten Teil der Serie näher beleuchtet.

4 Antworten : “40 Jahre Metal in Innsbruck”

  1. Es geht alles vorüber sagt:

    Alles Gute zum NationalFeiertag.
    Happy Birthday, Metals.

  2. Ein Herz aus Erz sagt:

    METAL – wenn du deinen Kopf ausschüttelst und die Luft brennt …

    [video:http://youtu.be/dWoqeNBlDOY%5D

  3. pieceofmefullofshit sagt:

    du hast beyond rage wohl absichtlich ausgelassen, eine frechheit, die man dir niemals verzeihen wird! -.- 

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.