Wegwerfwäsche – PRIMARK-Eröffnung im Sillpark

Angeblich über 10.000 KundInnen und Schaulustige drängten sich schon am gestrigen Eröffnungstag durch den neu eröffneten Primark-Megastore, den ersten seiner Art in Österreich.

 

Der Textildiscounter mit Hauptsitz in Irland setzt auf das Credo unserer Zeit „Konsumiere, so viel du kannst“. Die Kleidung wird sehr billig angeboten und ist so gefertigt, dass sie nicht lange hält. Warum auch nicht? Nach zweimaligen Tragen werden die Fetzen einfach im Müll entsorgt und das nächste „Teil“ gekauft.

 

Soziale und ökologische Bedenken sollten Primark-KundInnen möglichst nicht geltend machen. Der Anteil von Kleidung, die in den Müll wandert, steigt ständig – Ressourcen werden verbraucht, als gäbe es kein Morgen. Wer ein schlechtes Gewissen hat, soll eben ein bisschen grünen Lifestyle pflegen, das kompensiert die „Geiz-ist-geil“-Mentalität wieder.

 

Es liegt auf der Hand, dass diese Fetzenfashion zu Dumpingpreisen nicht nur verkauft, sondern auch produziert wird. Natürlich gibt es einen eigenen Ethik-Codex von Primark, weil Kinderarbeit nicht gerade werbewirksam ist. Wer sich darüber informieren möchte, wie der in der Realität aussieht, kann sich diesen BBC-Kurzbericht anschauen.

 

Foto: Heidi Blum

14 Antworten : “Wegwerfwäsche – PRIMARK-Eröffnung im Sillpark”

  1. Anton sagt:

    So sehr ich deine Meinung zu Primark teile, die BBC als Quelle hat sich leider selbst ins Aus geschossen…

    http://www.guardian.co.uk/media/2011/jun/16/bbc-apologise-to-primark-over-panorama

  2. Andreas Wiesinger sagt:

    Danke Anton für diese wichtige Zusatzinformation: Auch wenn man im BBC-Bericht einige handwerkliche Mängel festgestellt hat, ändert das nichts an der grundsätzlichen Tatsache, dass die Kleidung von Primark und ähnlicher Discounter unter unmenschlichen Bedingungen produziert wird. 

     

    Hubertus Thiermeyer, Landesfachbereichsleiter Handel der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di in Bayern, richtet sich an die Käufer mit den Worten: "Wer ein T-Shirt für zwei Euro kauft, muss wissen, dass jemand anderes den Preis dafür bezahlen muss." Björn Weber (Leiter der Deutschland-Niederlassung des Handelsforschungsunternehmens Planet Retail) meint: "Die Arbeitsbedingungen sind katastrophal." Die Näherinnen in Bangladesch müssten sieben Tage die Woche jeweils zwölf Stunden arbeiten. (Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Primark)

     

    Einen ganz aktuellen Artikel zu den Praktiken des Konzerns findet ihr hier: uk.oneworld.net/article/view/164142/1/

  3. joseph sagt:

    Hab Fotos von der Eröffnung des Ladens gesehen – schaut aus, als ob grad was ganz Wichtiges und Unentbehrliches eröffnet worden wäre! Während unser Sozialsystem sukzessive abgebaut wird, die Schere zwischen arm und reich immer größer wird, die Menschenrechte immer mehr beschnitten werden, laufen wir in diesen Fetzenshop und kaufen unser Glück!

  4. kassiopeia sagt:

    Hört`s doch auf mit eurer Heuchelei und dem "Ich will ein gutes Gewissen beim Einkaufen" Getue. Schaut`s euch einmal an worauf ihr diese Texte schreibt, eure SMS versendet oder womit ihr telefoniert ! In diesen Geräten stecken Blut und Schweiß unzähliger ausgebeuteter Menschen. Eine gerechtere Aufteilung des Wohlstandes dieser Welt wird solange ein frommer Wunsch bleiben, solange wir Güter von anderen billiger produzieren lassen, als wir selbst dafür bereit sind, für diesen Lohn zu arbeiten.

    • joseph sagt:

      Ach bitte, wer ist denn schon zu 100 % moralisch integer, dass er noch Kritik üben könnte! Natürlich, ich hab einen PC, bei dem ich nicht mal weiß, wo und von wem er hergestellt wurde, und ja, ich kauf den Kaffee auch nicht immer im Welt-Laden, aber deshalb muss ich mein Leben lang ruhig sein und darf nicht kritisieren??? Das kann auch keine Lösung sein …

  5. chalou sagt:

     …Shopping macht Glücklich !!

    …Kranke Gesselschaft !!!!

  6. Helmut Schiestl sagt:

    Da schon lieber Kleider aus essbarem Material. Fürs abendliche Partnerspiel: "Komm, her meine Liebe, dann es ich gleich Dein T-Shirt auf!" – "Komm her, mein LIeber. Ich knabbere Deine neuen Leggings an!"

     

  7. Gast1 sagt:

     Ich habe einige Primarkteile schon über 4Jahre;) Also nix mit billigartikel=wegwerfartikel

    • joseph sagt:

      Na ja, es geht ja nicht nur darum, ob das Zeug jahrelang hält oder nicht, sondern auch darum, unter welchen Umständen die Sachen hergestellt werden – vom sozialen und ökologischen Aspekt her …

  8. Gast5 sagt:

    die ganze Kinderarbeit/Billigware Diskussion wurde bei H&M ja auch schon zu genüge ausdiskutiert.. jeder der dort, oder bei Primark einkauft ist sich der Problematik bewusst..

    aber mal ehrlich, welcher 0815 Bürger kann sich schon hochpreisige/ethisch korrekt produzierte Ware leisten.. gerade in Innsbruck.. die Lebenserhaltungskosten hier lassen einen wohl kaum zu Ware greifen, die man gerne hätte, oder dessen Ideologie man gerne unterstützen würde (Fair Trade) .. 

    was bleibt einem da über, der Wintermantel kostet hier nun mal nur 40 anstatt 250 Euro.. 

    der Wegwerfware kann ich hier auch nicht zustimmen .. habe mir letzten Winter in London um umgerechnet 18 € Stiefel gekauft, die im Gegensatz zu anderen/teureren Schuhen nicht einlassen

  9. Andreas Wiesinger sagt:

    Ich bin mir nicht sicher, ob alle, die möglichst billig kaufen wollen, sich dieser Thematik wirklich bewusst sind. Viele verdrängen einfach, wie es in Sweatshops wirklich aussieht, welche sozialen und ökologischen Schweinereien in Kauf genommen werden, um ein paar Euro zu sparen.

     

    Außerdem glaube ich nicht, dass solche Billigläden nur von solchen Menschen frequentiert werden, die ein niedriges Einkommen haben – im Gegenteil: die Geiz-ist-geil-Mentalität zieht sich durch die gesamte Gesellschaft und gerade solche, die ordentlich verdienen und genug Kohle haben, jagen oft jedem Schnäppchen hinterher.

     

    Mir ist bewusst, dass es schwer – wenn nicht überhaupt fast unmöglich – ist, nur Produkte zu kaufen, die alle sozialen, ökologischen und ethischen Standards erfüllen. Ich gebe offen zu, dass auch ich bei vielen Kaufentscheidungen diese Bedenken vernachlässige – sei es aus Faulheit, Egoismus oder weil ich es mir nicht leisten kann oder will. Aber es geht eben darum, nicht jede Schweinerei mitzumachen, Bewusstsein zu schaffen und bewusst zu handeln – dafür ist Primark nur ein Beispiel unter vielen, aber eben auch eines mit Signalwirkung.

     

    Es gibt zwar nach Adorno "kein richtiges Leben im falschen", aber es gibt ein noch falscheres und auch ein ganz falsches Leben im falschen – in dem einfach alles kritiklos hingenommen wird und alles, also auch zwischenmenschliche Beziehungen einfach gedankenlos und egoistisch konsumiert (wörtlich "verbraucht") werden. Oder kurz und plakativ: Jede/r macht einen Unterschied und wir alle sind verantwortlich – nicht nur für unser Handeln auch für unsere Ignoranz.

  10. Sebi sagt:

     und auch der Standard schreibt über die Billigkette: derstandard.at/1348284812656/DAS-IST-NEU-Irischer-Billig-Style-in-Innsbruck

  11. Gast6 sagt:

    In Innsbruck isch sicher ein Sakrileg:

    Bei Burton- oder Skaterleibln ist nur die Spanne gewaltig größer. Abgwetzt und abgetragen schaut’s  wieder kool und authentischer aus, nur bei den Firmen gibt’s so gar keine Auskünfte wo lassen fertigen. Zu Recht sind die Textildiskontern unter Beobachtung, die Indie- Labels lieber Trittbrettfahrer. Bei uns gibt es der Markt ( Eltern unserer Homies ) halt her 20 bis 40 € für ein Baumwoll T- Shirt ( gut, QualitätsUnterschiede im Material gibt es tatsächlich , die so saftige Preisunterschiede rechtfertigten ), hier ist es halt Marketing pur. Da ist der Neue im Sillpark fast ehrlich..

  12. Lalala sagt:

    interessante (relativ) neue Reportage zum Thema:
    youtu.be/YVwSbAQUQyE

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