Töchterle macht Universität im schlechtesten Sinne!

Erinnert ihr euch? 2009 lobte der damalige Rektor Karlheinz Töchterle die Hörsaalbesetzungen als „Universität im besten Sinne“  – und schaffte es damit in „Die Zeit“. Damals war er bekannt für demokratische Entscheidungsfindungen und Gesprächsbereitschaft. 2011 wurde er Wissenschaftsminister und vieles hat sich verändert.

Karlheinz Töchterle ist Spitzenkandidat der ÖVP in Tirol und er ist Wissenschaftsminister. Aber Universitäts- und Bildungspolitik haben in den letzten Wochen des Wahlkampfes keine Rolle bei ihm gespielt. Er sprach in Interviews und Diskussionen über allgemeine ÖVP-Positionen, nie jedoch wurde sein Kernthema, die Universität, aufgegriffen. Warum? Vielleicht, vielleicht liegt es ja daran, dass Töchterle selbst weiß, dass seine „Bilanz“ als Wissenschaftsminister verheerend ist und die Universitäten nicht geschlossen hinter ihm stehen.

Dabei wären in Tirol die Themen Wissenschaft, Forschung, Lehre, Hochschulen und Universitäten wichtig und aktuell. Allein die LFU bildet den Lebensmittelpunkt für über 4.500 Angestellte und 27.500 Studierende, integriert die Landesbibliothek und fördert die ständige Innovation im Forschungsbereich. Sie bietet beispielsweise auch den Rahmen, dass Betriebe wie Med-EL sich in Innsbruck niederlassen, und dass junge wie alte Menschen die Möglichkeit haben, höhere Bildung zu erlangen.

Der Zustand der Universitäten und Hochschulen ist für eine Region wichtig. Dass sich Fehler nachhaltig negativ auswirken können, zeigt allein das Beispiel der beschränkten Medizin-Studienplätze: Heute wird beklagt, dass wir in Tirol zu wenig Landärzte und -ärztinnen haben. Töchterle fördert als Wissenschaftsminister eine teure Medizinische Universität, deren Sinnhaftigkeit in Frage steht, denkt aber als Tiroler ÖVP Spitzenkandidat nicht über die kausalen Zusammenhänge und die Notwendigkeit von mehr MedizinerInnen in Tirol nach. Es wäre sein Pflicht gewesen, dieses Thema im Wahlkampf aufzugreifen oder sogar politische Schritte zu setzen.

Aber wie gesagt. Karlheinz Töchterle weiß, dass er als Wissenschaftsminister Universität im schlechtesten Sinne gemacht hat. Er hat verfassungswidrige autonome Studiengebühren eingeführt und die Universitäten erpresst, diese auch einzuheben. Er hat österreichweite Höchst-Studierendenzahlen für Studien wie beispielsweise Biologie, Biochemie oder Informatik eingeführt.

In seiner 2,5-jährigen Amtsperiode wurde das Universitätsgesetz 9 Mal novelliert – Hahn und Karl kamen in insgesamt 5 Jahren auf 7 Novellierungen. Unter dieser Novellierungswut stöhnen die Universitäten: zu viele in zu kurzer Zeit, zu kurze Umsetzungsphasen vor Ort, verfassungswidrige oder juristisch sehr schlampige Novellierungen; und dann ist da natürlich das Problem, dass unser ach-so-humanistische und weltoffene Karlheinz Töchterle demokratische Prozesse und Entscheidungsfindungen sowie Feedback und ExpertInnen-Wissen ignoriert.

Ja, es gibt sogar Stimmen, die sagen, dass Töchterle eine schlechtere und schlimmere Universitätspolitik macht als damals Elisabeth Gehrer. Und diese Stimmen kommen aus verschiedenen politischen Lagern.

Uns persönlich ärgert es, dass man Karlheinz Töchterle so billig weg kommen ließ. Er muss sich für viele Fehler der letzten 2,5 Jahre verantworten. Aber ein Politiker, der seine Fehler kaschiert und nicht an einer (Ver-)Besserung arbeitet, hat für uns keine Legitimation. Auch ein ÖVP-Wähler sollte sich dringend überlegen, ob er seine Stimme einem Menschen geben kann, der unsystematisch ein politisches Feld mit falschen Entscheidungen bombardiert, diese Fehler allerdings niemals zu gibt, sondern den erwiesen falschen Kurs weiter fährt.

Michael Bauer (studentisches Senatsmitglied 2005 bis 2008, Mitglied im Landesvorstand der Grünen Tirol)
Sophia Reisecker (studentisches Senatsmitglied seit 2010 und SPÖ-Gemeinderätin in Innsbruck)

4 Antworten : “Töchterle macht Universität im schlechtesten Sinne!”

  1. andreas sagt:

    traurig was aus ihm geworden ist
    selten hat ein minister in ihn gesetzte hoffnungen so gründlich enttäuscht

  2. Gästin sagt:

    Ich muss gestehen, ich bin ein visueller Mensch und schau mir gern die Körpersprache etc. an um mir ein Bild zu machen. Bei diesem Rektor fällt mein Eindruck doch sehr verhalten aus. Früher hatte er eine gute Ausstrahlung, aber jetzt? Plötzlich dirigiert er Platzkonzerte und wirkt fehl am Platz. Macht zeigt sich auch in der Mimik und plötzlich wirkt er sehr von sich eingenommen, was natürlich äusserst unsymphatisch wirkt. Meine Stimme bekommt diese Partei soundso nicht, aber wehe er kommt dann als Landeshauptmann nach Tirol, in irgendeinem Blätterrauschen hab ich das vernommen. Zu seinen Qualifikationen kann ich leider nichts anmerken, da verstehen die Menschen an der Uni mehr, aber als gewöhnlicher Mitbürger darf man ja seine Meinung haben.

  3. Histrio sagt:

    KH Töchterle ist ein von Ehrgeiz zerfressener Mensch- er hat sich auf ein gewagtes Spiel mit der ÖVP eingelassen und hauptsächlich dem Koalitionspartner SPÖ Ärger bereiten sollen. Hinter den Kulissen baut ihn die ÖVP als Personalreserve für die Nachfolge des BP Fischer auf. Auch dieser war unbedeutender BM f.Wisssenschaft und aalglatter Pateikarrierist, Naturfreund……Wenn man sein Land aber weiter bringen will, genügt es nicht mehr, seinen Aufstieg durch möglichst geringen Reibungsverlust zu erwirken. Töchterle hat in Wien viel von den Erwartungen an ihn verloren-hat sich inzwischen den Fängen der ÖVP voll ergeben und spielt nun seine ihm zugedachte Rolle am besten: pseudointellektueller Volkstäuscher, cartellbrüderlicher Gutmensch, ciceronischer Freiredner …….. Die Wirklichkeit sieht aber anders aus. Aus einem polyvalenten Talent wurde eine introvertierte, beinahe kataton immobile tragische Figur, die immer mehr zum narzisstischen Kokon mutiert.

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