Sehr geehrter Herr Penz, sehr geehrter Herr Heis, sehr geehrte FPÖ-Tirol,

es gibt Momente, in denen man erstaunt auf Dinge reagiert, die einen bei genauerer Betrachtung vielleicht gar nicht mehr überraschen dürften. Dennoch hat mich Ihr Wahlslogan „Heimatliebe statt Marokkaner-Diebe“ persönlich mehr als nur angewidert. Noch mehr beschäftigt mich allerdings, dass solche Pauschalurteile im Zusammenhang mit anderen Nationalitäten Ihrerseits scheinbar systematisch über einen längeren Zeitraum verfolgt werden. Ich gebe mich daher auch nicht damit zufrieden, dies als einfache Wahlmasche abzutun und darüber zu schweigen – auch wenn ich dahinter billigsten Populismus vermute. Kürzlich bin ich auf der Homepage von August Penz gewesen, um mir über Ihr politisches Agieren ein genaueres Bild machen zu können und bin dabei auf Ihre Zeitung Zukunft Innsbruck gestoßen. In der Ausgabe 2/2011 verwenden Sie auf Seite 3 folgende Überschrift:

Marokkaner – Zwangsarbeit statt Drogenverkauf

Ich fühle mich als Innsbrucker Bürger verpflichtet, Ihnen bezüglich des Begriffs der Zwangsarbeit politischen Nachhilfeunterricht zu geben, auch wenn ich befürchte, dass Sie diesen vielleicht gar nicht benötigen und Ihre Terminologie möglicherweise bewusst so gewählt haben. Um nicht zu weit auszuholen, zitiere ich für Sie nur kurz aus dem leicht zugänglichen Wikipedia-Beitrag zum Thema Zwangsarbeit:

Als Zwangsarbeit wird eine Arbeit bezeichnet, zu der ein Mensch unter Androhung einer Strafe oder eines sonstigen empfindlichen Übels gegen seinen Willen gezwungen wird. Sie ist – mit verschwimmenden Übergängen – die schärfste Form der Arbeitspflicht. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) definierte 1930 in Art. 2 Abs. 1 des Übereinkommens über Zwangs- und Pflichtarbeit die Zwangsarbeit als unfreiwillige Arbeit oder Dienstleistung, die unter Androhung einer Strafe ausgeübt wird. Nicht dazu gehören laut Abs. 2 des Übereinkommen: Militärdienst, übliche Bürgerpflichten, Arbeit im Strafvollzug, notwendige Arbeit in Fällen höherer Gewalt und Arbeit, die dem unmittelbaren Wohl der Gemeinschaft dient.

Von ernst zu nehmenden österreischischen PolitikerInnen erwarte ich mir eine besondere Sensibilität im Umgang mit einem Begriff wie Zwangsarbeit – zumal seine historischen Kontexte (zum Beispiel die Zeit des Zweiten Weltkriegs) ausreichend bekannt sein dürften.
Dass Sie  in der zitierten Ausgabe Ihrer Zeitung Zukunft Innsbruck auf derselben Seite „Für mehr Sicherheit – und bei Marokkaner-Szene aufräumen“ titeln und darunter auch das Burka-Verbot verhandeln, legt zumindest mir Kontextverknüpfungen nahe, die so in der Realität nicht anzutreffen sind. Oder haben Sie schon einmal – nur so als Beispiel – einen echten Drogendealer oder eine echte Drogendealerin mit einer echten Burka angetroffen? Ich auf jeden Fall nicht.
Fakt ist, dass Sie von einem „Marokkaner-Problem“ in Innsbruck sprechen,  Fakt ist auch, dass Sie folgende Formulierung in Ihrer Zeitung verwenden:

Die Kriminalität in Innsbruck nimmt immer mehr zu. Wir stehen für mehr Sicherheit und fordern mehr Polizei auf den Straßen. Kriminelle Asylwerber, insbesondere Drogendealer aus Nordafrika, müssen rasch ausgewiesen werden. Wir beharren auf der Bekämpfung der organisierten Bettlerei und der Einbruchsbanden.

Ich möchte Sie daher weiters fragen: Glauben Sie, dass nordafrikanische Menschen, die kriminelle Handlungen begehen, eher abgeschoben werden müssen als andere? Anders kann ich das Wort „insbesondere“ selbst nicht deuten.
Zum Abschluss möchte ich nur noch feststellen, dass ich mich in keiner Weise für Ihre Art des Wahlkampfes zu schämen gedenke, da ich nichts damit zu tun habe. Allerdings – eine merkwürdige Übelkeit beschleicht mich dennoch plötzlich … Können Sie bitte etwas dagegen unternehmen?

Mit freundlichen Grüßen,

Martin Varano

 

PS: Als Bürger, der mit offenen Augen durch die Stadt geht, glaube ich nicht nur mich selbst zu vertreten, wenn ich zukünftig von einem „FPÖ-Problem“ zu sprechen geneigt bin.

 

19 Antworten : “Sehr geehrter Herr Penz, sehr geehrter Herr Heis, sehr geehrte FPÖ-Tirol,”

  1. Innsbrucker Bürger sagt:

    Danke, Martin, für deinen Beitrag!

    Ich habe Herrn LA Heis (FPÖ) und seinen mir unbekannten Begleiter heute auf Maria-Theresien-Strasse angesprochen, ob sie sich denn nicht schämen würden, für ihre Plakate. In ihrer Reaktion wirkten die beiden von der ersten Sekunde weg total angegriffen, wollten unbedingt meinen Namen wissen ("Wer sind denn Sie?") und waren insgesamt sehr schnell erregt und empört. Ich meinte dann nur, dass ich ein Innsbrucker Bürger bin und ganz wenig Erfolg mit ihrer Kampagne wünsche.

    Bei aller Tolerant: Ich bin tatsächlich erschüttert, dass ein solche Hetze seit Jahren einfach so in Österreich möglich zu sein scheint. Der Aufschrei quer durch die Politik und die Medien müsste viel massiver sein. Das ärgert und beschämt mich.

  2. sams sagt:

    sehr geehrte sind die adressaten für mich sicher nicht, sondern blaumiesen. schon fast lächerlich wie sie sich in ihrem hass verrenken – penz hotel ads google com/racism. provi open mind greets one world: equality, freedom and justice to all beings: imagine

     

     

  3. Gabriele Czerny sagt:

    Gefunden auf der angesprochenen Homepage:

    "Ihr Kontakt zu mir" august.penz@fpoe-tirol.at

    Da kann man sich auch direkt hinwenden, wenn man möchte.

  4. unwählbar sagt:

    traurig finde ich auch, dass die restlichen parteien (ok, ausser der kpö) das einfach nur hinnehmen. ich weiß nicht genau, warum das so ist, ob es ignoranz oder vielleicht zu viel eigener wahlkampfstress ist. glauben tu ich, dass fi-vp-sp-grüne einfach nur nicht genug mut haben, dieses thema wirklich in den wahlkampf aufzunehmen.

    Väterkarenz statt August Penz!

  5. Josef Ellmeier sagt:

    Eine alte, leidige Diskussion: aber ich bin der Meinung, dass die ganze Erregung nur einer Partei hilft, der "Jetzt erst recht(s)". Naürlich ist der Marokkaner-Spruch bescheuert, aber die BoBo-Empörung genauso überzogen. Sie erinnert mich nur daran, dass die "linke" Reichshälfte Probleme mit Ausländern, insbesondere in den Städten, aus ihrem Weltbild ausklammert. Sie ignoriert. Trotzdem gibt es sie. Was mich damit am meisten stört: Blau-Braune ebenso wie Rot-Grüne machen den Begriff "Heimat" zu etwas Unanständigem.

  6. provi sagt:

    unsere Heimat ist die Erde – auf dass sie es gemeinsam werde! Das Problem sind nicht die Einwanderer_innen, sondern eine Struktu,r die "Aus_länder" ausgrenzt und politische Diskussionen auf Reichs-hälften verkürzt. unanständig finde ich SPÖ-Asylverschärfung ebenso wie blaune Hetze. Gegenmittel: Aufklärung, Diskussion und Miteinander – es ist Zeit, sich zu rühren, den Kampf der Liebe führen: http://www.youtube.com/watch

  7. Martin sagt:

    @Josef Ellmeier

    Wie kommen Sie eigentlich auf die Idee, dass die Empörung von BoBos ausgeht? Ist Ihr Weltdeutungsschema so eng gefasst? Es gibt auch Menschen, die sich erlauben, empört zu sein, ohne sich einem Lager zuzurechnen. Und bezüglich Heimat – welche Deutung hättens denn gern?

  8. GastGast sagt:

     

     

    Innsbrucker FPÖ entfernt umstrittene Wahlplakate

     

     

     

    Spitzenkandidat Penz distanziert sich von Kampagne: "Bin in ein Eck gestellt worden, in dem ich nicht sein will" 

    Der kann einem ja fast leid tun…Natürlich hat er "niemals die Absicht gehabt jemanden zu beleidigen" sondern wollte ja nur auf Versäumnisse in der Politik aufmerksam machen wollen. Wieder mal begibt sich ein FPÖler in die Opferrolle, diese Rollenvertauschung kennen wir ja bereits vom berühmt-berüchtigten WKR Ball.

    Wahrscheinlich sind ihnen die Wahlplakate ausgegangen, weil sie jeden Tag die mindestens 50 angesprühte Wahlplakate austauschen mussten. 

    Artikel: derStandard.at, veröffentlicht am 1.April 09:01

     

     

  9. Peace sagt:

    beim medicent innsbruck steht noch immer so ein dummes plakat.. von wegen alle wurden abgehängt oder überklebt..

  10. 68erin sagt:

    Marokaner als Handlanger der Türken – keine einzige Partei erwähnt die Türken. Haben wir keine ????? Wozu wählen gehen? Haben wir kein Drogenproblem? Stimmt, bereits jede tiroler Familie hat schon ein Familienmitglied begraben, oder schweren Schaden durch diese kunstvolle neue Drogenpolitik verloren …

  11. 78 sagt:

    unsinn, 68erin: sicher nicht jede familie, so traurig jeder fall ist. und immer dieses zusammenwerfen von "ausländern" – drogen – kriminalität: das ist schlimmste fpö-hetze. wahr ist, dass manche einwanderer drogen verkaufen, weil sie keine chance haben und manche (vor allem auch einheimische) nehmen sie, weil sie keine perspektive sehen: derstandard.at/1333528399174/FPOe-Plakate-Experten-Marokkaner-in-Tirol-haben-keine-Chance-auf-Integration

    • 68erin sagt:

      … zähl mal die Wettbüros in Innsbruck … 78er …  und dann erkundige dich, wie die Türkei dasteht und die EU – und überleg mal, wieso Österreich das Triple-AAA verloren hat – keine einzige Partei redet über das Türken(Marokkaner)-Problem und über die Möglichkeit, wie man Innsbrucks Ressourcen für echte Devisen-Beschaffung organisieren kann (Universität, Sport, Katastrophen-Bewirtschaftung statt Immigranten-Arbeits-Plätzchen der Drittklassigkeit)

  12. 68erin sagt:

    20-er-Verkäufer, Nazi-Hetzer, 16jährige Wähler …  Die gute Bilanz für Innsbruck geht noch auf das Heimfallsrecht zurück … nicht auf die guten Ideen der Pokorny-Reitter auf Gratis-Kinderbetreuung, Papamonat und Zugeständnisse an die Internationalen Banker, damit weitere Budget-Kredite aufgenommen werden können (Einwanderer = Einwohnerpotential, 9 Millionen Österreicher statt 7 Millionen Österreicher = mehr Geld, mehr Kredit, mehr Bawag, mehr verschwundene Gewerkschaftsgelder, weniger Pensionen, weniger Sicherheit für junge Arbeitsnehmer .. usw.

  13. 68erin sagt:

    Anzeige gegen Volksverhetzung … Verteidigung: Verdacht auf Hochverrat an der Demokratie – an der EU- Verharmlosung des Islam …

  14. 78 sagt:

    solltest dich vielleicht in 38erin umbenennen: die ausländer sind an allem schuld, die juden sind unser unglück – schade, wenn man außer hass, vorurteilen und verschwörung nix zu bieten hat. geh einfach zu penz, der spricht deine probleme ja an und der st. rache, der blaue ritter.

     

     

  15. 68erin sagt:

    78-er spielt den Oberlehrer und verteilt Schulnoten – leider hat er die Argumente vergessen – und ob ich zu St.Rache gehe oder überhaupt nicht zur Wahl gehe, ist wohl meine Sache ….  mir gehn nur diese nichtssagenden Wahlwerbe-Aussagen auf die Nerven …

  16. Katanka sagt:

    Das wirkliche Problem ist das Geldsystem, Angst und Neid.
    Dass man die Menschen an den Grundbedürfnissen kappt – Verbundenheit und Selbstentwicklung, und diese dann Gewinnbringend Ersatzbefriedigt.

    Um das auszuführen, müsst ich eine 20 seitige Arbeit schreiben, 3 davon sind bereits auf meinem Rechner, wenn sie fertig ist (stressen tu ich mich nicht) werd ich sie auch veröffentlichen.

     

    Falls es Fremdenängstliche Bürger interessiert können sie sich ja mit mir treffen und das ausdiskutieren.

     

    Die auf die mit den Fingern gezeigt werden, sind selten die Schuldigen. Die wirklichen Übeltäter verbergen sich Geschickt im Hintergrund, und reiben sich die Hände ob eurer Streitigkeiten.

    • 68erin sagt:

      Der Geldgott der 3 Abrahamsreligionen ist nicht der Pate der Demokratie! Weder Zwangsarbeit, noch Zeitarbeiter sind der richtige Weg DNA oder Universiade, oder die 2 Olympiaden – oder demnäscht Sochi oder London … ) … wenn diese internationalen, friedlichen Events nicht für die Internationale Krisen-Bewirtschaftung, sondern nur zur persönlichen Bereicherung von ein paar hierarchisch strukturierten Organisationen benützt werden, … kann sich die Weltwirtschaftskrise nicht friedlich lösen .. da wird der Geldgott der 3 Abrahamsreligionen weiterhin die Demokratie zerstören .. und hierarchische Privilegien schaffen. Darum ist diese Wahl eine Farce …. wenn wir Bürger von Innsbruck etwas beeinflussen könnten, dann wäre Wahl schon längst verboten …  wenn die Universität wirklich Wissenschaft und Katastrophen-Bewirtschaftung organisieren würde (Japan, Haiti .. usw. Diverse Umweltkatastrophen oder Bürger-Revolutionen in Erdöl-Islam-Staaten) … dann wäre die Universität auch schon längst geschlossen … nicht umsonst gibt es einen "Batliner-Saal" in der GeiWi-Rechtswissenschaft

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