Protestkundgebung gegen Abschiebung

Es ist relativ einfach, die österreichische Staatsbürgerschaft zu bekommen. Vorausgesetzt, man beherrscht eine wichtige Sportart auf Weltklassenivau oder kann eine millionenschwere Investition vermitteln.

Für alle anderen heißt es meistens: Draußen bleiben. Egal, ob im Heimatland Verfolgung droht – egal, wie sehr sich Betroffene bemühen, jede nur erdenkliche „Integrationsleistung" zu erbringen.

 

Der 20-jährige Gambier Lamin Jaithe ist so ein Fall". Er hat in seiner Heimat schwere Repressionen zu befürchten, auch wenn er sich selbst nichts zuschulden kommen ließ. Seit vier Jahren ist Lamin in Tirol – er hat mehrere Sprachkurse erfolgreich absolviert und eine Arbeitsstelle in Aussicht; regulär arbeiten darf er als Asylwerber ja nicht. Außerdem hat er viele FreundInnen: Als er Anfang Mai abgeschoben werden sollte, unterschrieben mehr als 2.000 Menschen eine Online-Petition für seinen Verbleib in Österreich. Am 9. Mai haben etwa 200 AktivistInnen seine Abschiebung durch eine Sitzblockade in Hall gerade noch verhindert.

 

Kein Mensch ist illegal!

Lamin hat bis heute jede Auflage erfüllt und sich jeden Tag bei der Polizei gemeldet. Heute Morgen wurde er festgenommen und nach Wien „verbracht". Das Innenministerium hat seinen Antrag auf humanitäres Bleiberecht abgelehnt. Diese Entscheidung erging schon am 16. Mai – vermutlich wurde auch deshalb so lange zugewartet, um Gegenmaßnahmen zu unterbinden.

 

Zu den UnterstützerInnen Lamins zählen (um nur die Prominentesten zu nennen): Caritas-Direktor Georg Schärmer, Herwig Van Staa, die evangelische Superintendentin Luise Müller und der ÖVP-Politiker Franz Fischler. Der Caritas-Direktor meint dazu: „Die Behörden hätten darüber hinaus menschliche Größe zeigen können. Schade, dass auch die Menschlichkeit auf der Strecke geblieben ist“.

 

Für alle, die nicht schweigend zulassen wollen, dass unsere Gesellschaft immer unmenschlicher und kälter wird, gibt es morgen die Möglichkeit zu protestieren. 

 

Protestkundgebung gegen die Abschiebung von Lamin Jaithe

 

am Samstag, den 28. Mai, von 10 bis 12 Uhr

Gilmstraße 2, 6020 Innsbruck

– vor der Bezirkshauptmannschaft

 

 

Fotos von Christian Niederwolfsgruber

 

Links 

www.tt.com/csp/cms/sites/tt/Überblick/Chronik/ChronikInnsbruck/2812446-6/lamin-jaiteh-wurde-am-freitagvormittag-festgenommen—abschiebung-steht-bevor.csp

 

 tirol.orf.at/stories/517952/

 

derstandard.at/1304553007654/Tirol-20-jaehriger-Gambier-vor-Abschiebung—Franz-Fischler-protestiert

 

 

 


2 Antworten : “Protestkundgebung gegen Abschiebung”

  1. Gast99 sagt:

    Wenn es stimmt, das Lamin der Bescheid ca. 10 Tage nicht zugestellt wurde, obwohl man ihn täglich 2x zur Polizei befohlen hatte, ist das ein skandalöses Vorgehen der Behörde, das nicht akzeptabel ist! Wer ist da verantwortlich. Der Herr Lampelmayer, der laut tirol.orf.at "ausrichten" lässt:

    "Dem Asylwerber und seinen Helfern ist zu raten, die rechtsstaatliche Entscheidung zu akzeptieren."

    Droht da ein einschlägig berüchtigter, beleidigter Beamter der Zivilgesellschaft?
    Will die Polizei wieder lächerliche Anzeigen nach dem Versammlungsgesetz schreiben?

  2. ruffrider51 sagt:

    sehr geehrte redaktion,

     

    die abschiebung von lamin ist – wie auch der fall arigona – ein skandal. jedoch nicht wegen der abschiebung an sich, sondern aufgrund der faktischen durchführung.

    die abschiebung von lamin wird mit seinem üppig gefüllten strafregister, seinem hang zum wiederholungstäter sowie einer nicht vorhandenen politischen verfolgung argumentiert. er verprügelte mehrfach seine freundin, wurde wegen suchtmitteldelikten und geewalttaten vor gericht gestellt und rechtskräftig verurteilt. das ist die eine seite…

    es kann aber nicht sein, dass ein asylverfahren über jahre andauert, sodass sich der betroffene mit seinem unsicheren aufenthaltsstatus eine existenz aufbaut, aus dieser er dann von der polizei plötzlich herausgerissen  und abgeschoben wird. das ist menschenunwürdig!!!

    österreich soll seine pforten öffnen, muss asyl gewähren und ist auch verpflichtet, leute auszuweisen, die die rechtsstaatlichkeit missachten.

    zeitgleich muss österreich aber auch ein menschliches und rasches asylverfahren sicherstellen, menschliche abwesiungen und ausweisungen durchführen und den rechtsstaat sowie die verfassung achten.

     

     

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.