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Plakat und Plakater

Auch wenn’s schon Thema hier im Blog war, eine persönliche Analyse der Wahlplakate 2013. Bei der Flut von Affichiertem, die da auf uns losgeklebt wird, durchaus angebracht, wie ich meine.

 
Der Regierbär von oben will uns auf großen Partezetteln weismachen, dass wenn man nicht ihn wählt, die Italiener einmarschieren. Viele schöne Leute wollen ihn wählen: Der Feuerwehrmann denkt sich wohl, wo viel gebaut wird, kann viel brennen. Das Mädchen mit Horn in der Hand will sicher, dass bei allen Kulturveranstaltungen die Pflichttracht eingeführt wird. Und wenn der Landesvater auf den Berg steigt, nimmt er immer ein Pärchen mit, damit er einen Mann hat, der ihn anhimmelt, und eine Frau, die brav hinten nachläuft. Den wählen wir richtig. Auf schon vorausgefüllten Stimmzetteln!
 
Die Helden der Arbeit nehmen offensichtlich Tipps für Slogans direkt von Putin, der ja vor kurzem diesen ausrangierten Titel wieder reaktiviert hat. Eine Anbiederung an kaufkräftige Oligarchen? Ansonsten Gesichter von Leuten, die ich nicht kenne. Und alle wollen irgendwas gemeinsam machen. Aber was bloß? Der einzige, der auffällt heißt Pupp, und der zeigt vor, wie man ein Kreuz macht. Ob die vielen pantomimischen Kreuze, bei der Wahl dann auch zählen? In Russland vielleicht.
 
Die BleiberInnen bieten mir wenig Überzeugendes. Sie werben aber auch hauptsächlich für ein Transportunternehmen. Außerdem sollten da eher die NOx-, Ozon- und Feinstaubgründe angeführt werden. Alle drei beeinträchtigen die Lebensqualität in Tirol. Und vor allem: Wo ist da die politische Forderung? „Leute, fahrt’s mit’m Zug“? Wie wär’s mal mit dem Slogan „Billigere Öffis“? Ansonsten sagen sie, Tirol soll grün bleiben. Bleiben? Weder politisch, noch umwelttechnisch sehe ich da einen status quo. Wenn man im Rapoldi Park steht, sieht man mehr Baukräne als Bäume. Diese Bei-uns-ist-es-eh-schön-Strategie wirkt leider etwas seltsam für eine Partei, die etwas verändern will.
 
Die Fritzen sind für mich nicht nur wegen der Vornamen, sondern vor allem wegen des ähnlich schlechten Designs der Plakate voneinander praktisch nicht zu unterscheiden. Sie waren ja bis 2009 auch irgendwie ident. Jetzt haben die einen allerdings gar keinen Fritz mehr. Deshalb haben sie wohl eine Blondine engagiert und einen Spot ins Netz gestellt. Damit endlich klar ist, wo der wahre Unterschied liegt und wer mehr Geld für schlechte Werbung ausgibt. Schade, dass die Versuche des anderen, die Umweltkatastrophe bei uns zu verhindern, mit plakatierten Grafikkatastrophen transportiert werden.
 
Für Vorwärts, Hauptsache Tirol steht im Namen, sind die zweiten Verwechslungskomödiantinnen, und nicht die letzten! Für Innsbruck heißen jetzt vor-wärts, wollen aber alle Vor-silben fair-ändern. Die Präfixblödelei hätten’s schon durchziehen müssen und sich konsequenterweise Fairwärts nennen müssen. Und die für Tirol schreiben, sie könnten auch schreiben, was die andern schreiben, aber sie schreiben lieber, dass sie schreiben, dass sie schreiben könnten, was die andern schreiben. Ein Spiegelkabinett voller Inhaltslosigkeit.
 
Die fränkischen Piraten haben gemein, dass sie sich auch, wie es sich für Tirol gehört, schon irgendwo abgespalten haben. Auch so richtig mit Klagen und ganzseitig gekauften Medien. Aber wo sind die Plakate? Wenn der Onkel aus Kanada nicht mehr zahlt, geht wohl schnell die Kohle aus. Hoffentlich endet das nicht so wie in Kärnten, wo die Nichtplakatierer gewonnen haben.
 
 
Die, über die zu schreiben, mir jedes Wort zu schade ist.
 
 
Nimmt man nun alle Botschaften zusammen, ergibt sich ungefähr folgendes Bild der politischen Landschaft: Bei uns ist alles gut. Oder grün. Wie man will. Wir steigen gemeinsam vorwärts auf den Berg des Leides, damit wir nicht ansehen müssen, wie uns unten im Tal vor lauter Arbeit alles zubetoniert wird. Außerdem sind ja die Russen schon oben. Und die zahlen schließlich.
 
 
Aber wenn jetzt jemand glaubt, ich will mich nur über alles lustig machen: Wir wählen Leute, die unsere Interessen vertreten sollen. Das ist wichtig. Auch wenn sie schlechte Werbung machen. Wenn man nicht wählt, wählt man das Endergebnis. Also alle Parteien zu den jeweiligen Prozentsätzen. Und wer bitte will das? Ich würd‘ mein Kreuz ja lieber bei einer Abstimmung über das Ende des Föderalismus machen. Ich bin zwar nicht da, hol mir aber eine Wahlkarte. Und wähle. Auch einen Landtag. Geht wählen!
 
Um euch eine Meinung zu bilden, hier eine Übersicht der Wahlkampfbotschaften zwischen den Zeilen: Wahltrash 2013

 

 

 

Kamil Szlachta

3 Comments

  1. Wählen gehe ich sicher, nur ist die Auswahl zwischen Kasperln, Kellernazis und weichgekochten Wohlmeinenden eine deprimierende. Mein Kreuzchen werde ich wohl wieder beim kleinsten anzunehmenden Übel machen, das da unter "Sonstige" aufscheint.

     

    Mein Kreuzchen könnt ihr haben, in einer Demokratur ist das ohnehin vielmehr symbolisch. Aber meine Stimme brauche ich, um gegen Unrecht und Ignoran anzuschreien.

     

    Danke für diesen sehr treffenden Beitrag: Kamil hörte öfter schon voller Staunen, ihn zu lesen ist auch nicht zu verachten – ein Lautgewaltiger. 

    [video:http://youtu.be/veRheoPC-c0%5D

  2. TIROL ENTSCHEIDET MUTIG GEMEINSAM FÜR DICH. VORWÄRTS TIROL IST OBEN UND GRÜN BLEIBT SAUBERKEIT. STABILITÄT BLEIBT ENDLICH UND ALLES WIRD ANDERS.

     

    PLAKATE, PHRASEN UND PAROLEN. POLITIK WIRD DAS GENANNT.

    KASPERL UND KROKODIL WOLLEN GEWÄHLT WERDEN, DIE FÄNDEN ZIEHEN GANZ ANDERE: WIE LANGE SPIELEN WIR MIT?

  3. Von wegen "fränkischen Piraten"… Franks Leute sind doch keine Piraten, die das Wagnis

    Politik auf sich nehmen.  Die segeln doch durch den Wahlkampf mit einem gewaltigen Budget, werden ferngesteuert  und es gibt hierzulande auch noch Leute, die glauben was plakatiert und gesagt wird und Frank lacht sich ins Fäustchen wenn er seine Puppen in Österreich  tanzen läßt.

    Zum Vergleich sollte man doch einmal nachschauen auf der Homepage der Piratenpartei-Tirol und dadurch sofort den Unterschied zum kanadischen Modell  feststellen.

     

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