Music and the city (Vol. XVIII)

In einer Stadt, in der eine Band wie Chikinki Clubs füllt, kann nicht mehr von der besten aller möglichen Städte gesprochen werden…

 

Eine Provokation

 

In einer solchen Stadt, wäre man geneigt zu sagen, gilt es nur noch den absoluten Niedergang einer ästhetisch und intellektuell degenerierten HörerInnenschicht festzustellen. Die Konzerte verkämen in einer solchen Stadt zu Kindergeburtstagen, in der die Bands weniger in der Rolle von KünstlerInnen stehen, sondern vielmehr die Aufgabe der Kinderanimation übernommen haben, die eine ebenso schnell gelangweilte wie überforderte Hörernnenschaft zu befriedigen und ihnen dabei das Gefühl zu geben hat, anders zu sein und zugleich dazu zu gehören. Wenn die Band dann auch noch gut aussieht bzw. die Modegewohnheiten der ZuschauerInnen spiegelt, umso besser.

 

In einer solchen Stadt, in denen eine Band wie Chikinki tatsächlich zweimal einen Club füllt, kann man nur noch von einer Stadt sprechen, deren HörerInnenschaft in ihrer Einfältigkeit nicht mehr zu überbieten ist. Geht diese auf Konzerte, so erwartet diese naturgemäß nicht die Herausforderung, sondern die Bestätigung, welche die Bands, die ja nur mehr Clowns sind, anbieten, mit ihren ewiggleichen Gitarrenriffs, die man doch schon irgendwoher kennt? Achja, in England war diese Musik ja vor vielen Jahren mal groß, heute ist sie in Innsbruck angekommen und wird hier immer noch als "heißer Scheiß"  gefeiert und der Masse vorgegaukelt, dass die jetzt mal wieder Qualitätsmusik angeboten kriegt, während doch deutlich ist, dass die Bands allesamt so klingen, als hätte man sie zwecks Animation der völlig degenierten HörerInnenschicht engagiert, die das immergleich immer wieder hören will,  sich sogar Chikinki zwei Mal ansehen geht, obwohl diese Band doch nachweislich keinen Funken Talent aufweist.

 

Naturgemäß ist so ein Publikum ja überhaupt nicht  ernst zu nehmen, "denn sie wissen nicht was sie tun", doch sie tun es immer wieder. Sie strömen in die Clubs, die ihnen ihren Geschmack bestätigen, die sich in der Rolle als Kindergeburtstagsorganisatoren zu gefallen scheinen.  Man wünscht den Veranstaltern meist nur noch, dass sie sich diese Musik nicht auch noch selbst anhören müssen. Dass Indie-Rock tot ist und seltsam riecht begann man ja schon zu ahnen, doch in Innsbruck verwest diese Leiche auf besonders widerliche Weise. Immer wieder scheint sie wieder vom Ttoten aufzuerstehen, sich dennoch noch mal auf die hiesigen Bühnen zu stellen und kann dabei nur unter größten körperlichen und geistigen Schmerzen ertragen werden .  Den Geruch penetrant zu nennen wäre eine Untertreibung, die Musik als langeweilig zu beschreiben ein Euphemismus. Diese Musik ist nicht langweilig, sie hat über die Jahre jegliche Existenzberechtigung verloren, außer eben Beschallung für das nächste Konzert zu sein, desssen Alterschnitt wohl nur knapp über der Volljährigkeitsgrenze liegt.

 

In einer solchen Stadt bleibt man lieber zuhause und ingoriert, was einem alles als Musik mit Qualität angeboten wird, oder geht dennoch hin und verliert den Glauben an das Urteilsvermögen dieser völlig degenerierten HörerInnenschaft.

 

9 Antworten : “Music and the city (Vol. XVIII)”

  1. I sagt:

    Okay, eine Provokation … wen kratzt sowas denn wirklich: Wenn der Hasselhoff mit Playbackschrott das Olympiastadium füllt, regt das doch auch niemanden auf. oder?

    • hans sagt:

      aber als kolumnist und als experte in sachen musik ist es ja seine aufgabe darueber zu schreiben; und ich bin froh dass er es so schonungslos -ohne ausfallend zu werden- auf den punkt bringt…

  2. Markus St. sagt:

    Ich kann natürlich davon ausgehen, dass Musik "egal" ist und alle hören sollen, was sie wollen. Was natürlich stimmt.

    Aber systemimmanent ist es doch wohl ein Unterschied, ob jemand jetzt die neue Platte von Vijay Iyer hört oder ob er sich zwei mal in einem Club Chikinki ansehen geht.

    Will sagen: es gibt, zumindest systemimmanent, Unterschiede in der Qualität von Musik.

  3. Markus St. sagt:

    @Christina: Was genau ist daran "uncool"?

    Und ja, natürlich ist das elitär, aber so ganz Ernst nehmen muss man das dennoch nicht. Und trotzdem möchte ich mich über die Qualität der Musik im obigen Text ein wenig beklagen.

  4. Stefan Wienerroither sagt:

    @Markus Um ehrlich zu sein, ich verstehe nicht warum du das machst! Die reine Lust an der Provokation?
    MMn spiegelt der Artikel genau das wieder, gegen das du bist! Und damit meine ich nicht die Band/den Club.

    Sorry, aber ich gehe mit Christina Burger konform. Uncool und unsympathisch elitär!

    Übrigens, ich bin kein Chikinki-Fan, lieber "Musikexperte".

    Lg Stef

  5. Markus St. sagt:

    @Stefan: Wenn du hier mal was schreibst, dann ist ja schon mal etwas erreicht 😉

    Ich weiß, dass der Artikel "uncool" und "elitär" anmutet, aber ich hab das einfach aus dem dringenden Bedürfnis heraus getan, dass ich die nächste "beste Band der Welt" einfach nicht mehr hören kann/will, die nur die ewiggleichen Gitarrenriffs spielt.

    Natürlich ist das jedem selbst überlassen, wenn er/sie das anhören will. Mich überkommt und überkam immer mal wieder das nackte Grauen.

     

  6. Markus St. sagt:

    Darüber hinaus: nicht alles ganz ernst nehmen.

    Es ist und bleibt eine Provokation, mit allen notwendigen Übertreibungen usw.

  7. The_Uppercroost sagt:

     Also irgendwie verspüre ich jetzt den Drang mich darüber zu äußern…

    1. Wer hat denn bitte jemals davon gesprochen, dass Innsbruck die beste aller Städte sei? Die gleiche Band spielt auch in Wien unter ähnlichen Umständen, also im Rahmen eines größeren Line-Ups, vor annähernd gleich vielen, mehr oder weniger interessierten, oder wie du es nennst ‚überforderten‘, Zuhörern.
    2. Meiner bescheidenen Meinung nach hat eine Band selbstverständlich die Aufgabe die Gäste in irgendeinerweise zu animieren. Natürlich finde ich es auch schöner, wenn dies nicht über-offensichtlich, mit dem Standard-Mitklatsch-Gestus versucht wird, sondern etwas subtiler passiert – beispielsweise durch Weglassen der Verstärkungseinrichtungen. Gabs nämlich auch schon in diesem besagten Club. Konzerte sind nunmal Unterhaltung und müssen nicht immer zwangsläufig einen Weiterbildungs- bzw. Anspruchscharakter erfüllen. Willst du wirklich immer von jeder Band herausgefordert werden, die du dich entschließt zu beehren? Es gibt doch wahrlich nichts schöneres als auch mal abzuschalten, oder?
    3. Anders zu sein und trotzdem Teil von Etwas empfinde ich als notwendig um zu überleben. Ansonsten ist man ja wirklich komplett alleine.
    4. Dass Chikinki hübsch sind bzw. sich modisch kleiden muss wohl reiner Sarkasmus sein.
    5. Indie-Rock ist keineswegs tot. Viel mehr ist bzw. war die Chikinki-Interpretation noch nie zeitgemäß. Ich war gerade dieses Wochenende auf einem Konzert, in Wien, The Antlers. Auch Indie-Rock im weitesten Sinne, als selbst-betitelter Music-Nerd weißt du das bestimmt. Dort hatte es nicht den Anschein, dass diese Spielart irgendein verwesender Kadaver wäre. Aber gut. Innsbruck ist nunmal nicht Wien. 
    6. Du scheinst ein Problem mit Jüngeren zu haben, oder? Anscheinend erwartest du dir bereits von knapp 18+ Jährigen eine enorme Distiktionsfähigkeit. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Eher schwierig. Wobei ja nicht gesagt ist, dass sich diese nicht Aufgrund genau so eines Konzertes entwickelt, es praktisch den zündenden Funken darstellt. 

    Du scheinst mit der vorherschenden Konzert- bzw. Clublandschaft in Innsbruck äußerst unzufrieden zu sein. Mein Tipp: Unternimm etwas dagegen!

    Als Nachtrag würde ich gerne noch hinzufügen, dass ich weder Fan von Chikinki bin, noch jemals war. Im Weiteren arbeite ich nicht in diesem Club. Mein letztes Konzert dort war übrigens sehr toll: Ein von mir sehr verehrter Australier. Ich hoffe für dich, dass du dort warst – hätte dir, glaube ich, zur Abwechslung mal gefallen 😉

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