Kann ich es mir leisten, Innsbrucker zu werden?

Pünktlich um 8 Uhr morgens wird mein Notebook hochgefahren und ich stelle mich ein weiters Mal der mir von meiner Freundin auferlegten Herausforderung. Der Herausforderung in Innsbruck eine Mietwohnung zu finden, die mich beim Berechnen der Mietkosten keine Stresshormone ausschütten lässt. Mir stellt sich die Frage, ob man überhaupt noch Chancen hat, ohne Vitamin B eine leistbare Wohnung zu ergattern?

 

Schlagwort „Ergattern“: Tatsächlich findet sich am Wohnungsmarktportal der ÖH die eine oder andere Immobilie, die den Vorstellungen entsprechen würde. Nimmt man fünf Minuten nach Schalten der Announce zum Vermieter Kontakt auf, bekommt man in der Regel die ernüchernde Antwort, dass die Wohnung bereits vergeben sei. Wie soll das bitte möglich sein? Ach ja, ich hab wohl vergessen, dass au?er mir noch eine ganze Armada an Studierenden, Selbstständigkeits-Suchenden und Familien dem selben Traum hinterher laufen.

 

Es gibt diese Tage, an denen man meint, das Glück sei einem hold. Ich habe es geschafft, einen Besichtigungstermin zu vereinbaren. Voller Optimismus treffe ich mich also mit den Eigentümern und werde in das Mietobjekt geführt. Was nun folgt, stellt einem wirklich die Haare auf: Verschlissene und schimmlige Wände, Fenster Baujahr 1967, das Klo wahrscheinlich im selben Alter, natürlich am Gang und mit fünf weiteren Personen zu teilen. So schauts aus! Und das Ganze schön garniert mit einer Heizkostenexplosion, weil Sanieren für Eigentümer ja nicht gewinnbringend ist. Irgendeiner wird die Bude schon nehmen.

Und dabei heißt es immer, die Landesregierung setzt sich für leistbares Wohnen ein. Wie sieht dieses Engagement aus?  Die ehemalige Wohnungsstadträtin Pokorny-Reitter lässt verlauten, dass Innsbrucks Immobilienmarkt am obersten Preislimit in Österreich angesiedelt ist. Nur noble Anwesen in Kitzbühel und dem ersten Wiener Bezirk seien teurer. In Zahlen bedeutet dies einen Preis von ca. 15€/m² inkl. Umsatzsteuer und Betriebskosten. Dazu kommen dann noch Heizkosten, Strom, Haushaltsversicherung, Parkplatz, GIS, etc.

Die Folgen der Mietenwucherei sind zunehmende Ansuchen um Mietzinsbeihilfe und eine starker Andrang auf städtische Wohnungen. Tendenz steigend.

Naja, wer braucht denn die Kleinen, wenn man die Elite in der Stadt haben möchte? Wohnungen im Luxusbereich werden jedenfalls überall gebbaut – nur das sich die "Normalsterbliche" einfach nicht leisten können.

Übrigens: nach der Bürgerbeteiligung der Stadt Innsbruck 2012 sehen die InnsbruckerInnen Handlungsbedarf vorwiegend in den hohen Miet- und Wohnkosten bzw. im geringen Angebot an leistbaren Wohnungen. Lediglich 15% sind mit dem Wohnungsmarkt zufrieden. Wer wird das wohl sein?

 

So bleibt mir nichts weiter über, als die Herausforderung, die Odysee der Wohnungssuche auf mich zu nehmen und doch noch darauf zu hoffen, auch einmal die Privilegien zu genießen, mir in der Stadt zu wohnen leisten zu können.

 

 

Text: STEFAN FRISCHAUF    Foto: MANNI SCHNEIDERBAUER
 

8 Antworten : “Kann ich es mir leisten, Innsbrucker zu werden?”

  1. Lorenz Jahn sagt:

    Die Wohnungssuche in Innsbruck kann man kaum besser beschreiben. Bei einem solchen Mangel und leider viel Spekulation, wird das auch so schnell nicht besser, zumindest solange nicht mehr Wohnungen geschaffen werden. Das heißt umwiedmen, bauen und aufstocken. Ich hoffe da passiert was in den nächsten Jahren, weil in denen muss was passieren.

  2. mei Home is a Kastl sagt:

    mei, muss denn jeder arme Schlucker gleich wohnen?? … Luxusimmobilien sind der Renner (Herr Benko baut zB gerade hinterm Sillpark) außerdem gibt es  genügend Wohnung, die ganzjährig leerstehen. Die Leute stellen einfach viel zu hohe Ansprüche – früher war man mit Höhlen oder Jurten auch zufrieden, jetzt will jeder eine Wohnung mit fließenden Warmwasser!

    • Kritiklisl sagt:

       Lebensstandart bedeutet Lebensqualtät – ja, wir brauchen warmes Wasser um nicht mit 30 an Gicht zu leiden und Strom um kochen zu können, um unseren Kindern gutes Essen geben zu können. Der Wohnungsmarkt ist derart erschreckend, dass es einem gruseln könnte. Diese unfair inszinierte Innsbrucker-Situation hat mich meinen Job als Immobilienmakler an den Nagel hängen lassen, da mein Moralgefühl mit meinen Aufgaben nicht mehr zu vereinen waren.  Es ist mir ein Rätsel, warum die Politik dahingehend nichts unternimmt und jungen Menschen "Löcher" zumutet. Aber wahrscheilich ist genau das ihr Druckmittel, um uns vor Wesentlichem abzulenken und Argumente für die nächste Wahl zu finden. 

    • Kritiklisl sagt:

       Lebensstandart bedeutet Lebensqualtät – ja, wir brauchen warmes Wasser um nicht mit 30 an Gicht zu leiden und Strom um kochen zu können, um unseren Kindern gutes Essen geben zu können. Der Wohnungsmarkt ist derart erschreckend, dass es einem gruseln könnte. Diese unfair inszinierte Innsbrucker-Situation hat mich meinen Job als Immobilienmakler an den Nagel hängen lassen, da mein Moralgefühl mit meinen Aufgaben nicht mehr zu vereinen waren.  Es ist mir ein Rätsel, warum die Politik dahingehend nichts unternimmt und jungen Menschen "Löcher" zumutet. Aber wahrscheilich ist genau das ihr Druckmittel, um uns vor Wesentlichem abzulenken und Argumente für die nächste Wahl zu finden. 

    • green_tea sagt:

      ja, also wasser wär schon ganz nett.

  3. Haidiho sagt:

    Eine mögliche Lösung wäre die Verlegung des Flughafens in Richtung Unterinntal oder gar bei Kufstein oder sogar eine Abschaffung. Der gewonnene große Platz könnte zum Aufbau von Wohnungs- und Freizeitanlagen benutzt werden und würde Innsbruck als Ganzes aufwerten und die horenden Mietpreise senken. Denn der Preis wird immer noch (ein wenig) von Nachfrage und Angebot bestimmt.

  4. Gast20131 sagt:

    Die Situation ist wirklich erschreckend und die Politik macht nichts.

     

    Man schaue sich nur in den Innenstadtnahen Stadteilen (Wilten v.a.) an, was am Klingelschild steht. In Wohnhäusern bis in den 2./3.Stock hinein Firmennamen, Kanzleien, Ordinationen etc wo normal Wohnungen (was der Name ja sagt) zur Verfügung stehen sollten. Gleichezeitig stehen in den Außenbezirken Büroflächen mehr als leer. Klar macht ein Büro in einem hübschen Altbau mit 4 Meter hohen Stuckwänden mehr her als ein büro in der Rossau mit Blick auf ein Autohaus.
     

    Die Neubauprojekte sind meist für den Normalsterblichen nicht zahlbar oder einfach nur schiach (siehe neue Wohnanlage in zB Kematen vis a vis dem Ruetz-Bäcker.. Betonklötzchen ohne Spitzdach mit dem äußeren Charme eines baucontainers, in direkter Nachbarschaft zum historischen Ortskern.)
     

     

  5. Gast1 sagt:

    Würde mich freuen, wenn ich wenigstens so eine Wohnung kriegen würde!! Als arbeitssuchende scheide ich immer gleich aus. Der innsbrucker Wohnungsmarkt ist echt der Wahnsinn!

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.