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Elefantenrunde: Rüssel in die Höh

Einige hundert Interessierte fanden sich gestern am Dienstag den 27. März in den Innsbrucker Stadtsälen zur „Elefantenrunde“ ein. Die Tiroler Tageszeitung lud die SpitzenkandidatInnen der Gemeinderatswahl zur Podiumsdiskussion; ein Protokoll dazu findet ihr hier.

 

Mein Eindruck: Die Diskussion war teilweise unterirdisch und zum Teil sehr untergriffig. Die Damen waren um einiges zivilisierter, aber auch sie gingen unisono auf Platzgummer los: Es ist zwar berechtigt, ihn darauf hinzuweisen, dass er vor zwei Jahren eine Kandidatur „definitiv“ ausgeschlossen hat – aber einem Politiker Wortbruch nachzuweisen, ist in etwa so spektakulär wie die Existenz der Schwerkraft nachzuweisen.

 

Worin die Unterschiede zwischen Schwarz-Gelb (Für Innsbruck) und ÖVP-Schwarz bestehen, dafür braucht man mindestens einen Master in Politologie – eigentlich eh wurscht, nach der Wahl wird man sich zum „Wohle der Macht“ sicher wieder zusammenraufen.

 

Da Fragen aus dem Publikum erwünscht waren, habe auch ich mich zu Wort gemeldet. Meine Frage an alle KandidatInnen, die z.T. überlebensgroß von jeder Straßenecke grinsen, war, ob sie sich eine Obergrenze ihres Werbebudgets vorstellen könnten. Diese Frage erntete Applaus, das wird auch im TT-Protokoll (siehe 20.50) vermerkt.

 

Darauf antwortete die Bürgermeisterin, sie habe widerrechtlich aufgestellte Plakate entfernen lassen. Eine Obergrenze wolle sie nicht, Wahlkampf sei nur alle sechs Jahre und es sei ihr wichtig, die BürgerInnen zu informieren. Auch Sonja Pitscheider wies mein Ansinnen zurück. Der Einzige, der mir zustimmte, war der rechte Rudi Federspiel. Er nutzte die Frage auch gleich, um voller Selbstmitleid darauf hinzuweisen, dass er kaum Geld habe, weil keine große Partei hinter ihm stehe.

 

Obwohl die Frage nochmals von einem Mann gestellt wurde, weil sie nicht von allen beantwortet wurde, kam keinerlei Reaktion von Pokorny-Reitter (SPÖ), Platzgummer (ÖVP) und Penz (FPÖ). Auch die beiden Moderatoren hakten nicht nach – vielleicht, weil auch die TT von den Inseraten profitiert? Für mich zeigte sich einmal mehr, wie abgehoben und selbstbezogen viele PolitikerInnen inzwischen sind: Vermutlich glauben sie wirklich, so schön zu sein, dass sie von jeder Straßenecke grinsen müssen – woanders kann man ja gerne sparen.

 

Danke an Martin Hof für das Foto!

 

Andreas Wiesinger

9 Comments

  1. ich finde es auch jenseitig, wieviel geld in diesen stadtwahlkampf fließt. bei 96.000 wahlberechtigten werden hier millionen verpulvert. wenn man’s zusammenrechnet werden pro potentieller stimme schätze ich mindesten 50,- eingesetzt… ich glaub die hätten die meisten lieber in bar.

  2. Dazu sollte man erwähnen das die Piraten mit einem Werbeaufwand von unter 3000,- € auskommen und diese nicht bei der TT eingeladen wurden. Aber wir werden es auch so in den Gemeinderat schaffen, denn wir haben eine alternative zu unserem Politiksystem und das heißt "direkte online Demokratie" ! Und das muss man erst lernen um es auch zu begreifen welche Auswirkungen das auf unser alten Politiksystem haben wird ist revolutionär ! Und nur geübte Gedanken Experimentler werden alle Auswirkungen erfassen können und sich ruhig zurück lehnen und einfach laufen lassen. Und natürlich Liste : Pirat wählen bei der Gemeinderatswahl am 15. April .

  3. haha, witziger Link, liebe/r anoyme/r Oberlehrer/in: Eine Fehler hab ich schon gefunden und verbessert: PiTscheider – ein "t" genügt für die Sonja … ansonsten bin ich dankbar, wenn ihr mir Fehler einfach mitteilt – manchmal muss es schnell gehen und da vreshreip ich mich eben auch mal 😉 P.S.: Bussi in die grüne Zentrale!

  4. also fesch sind sie schon, unser künftigen ver-treter-innen, wenn sie uns so freundlich von plakatwänden grüßen und täglich von zeitungsseiten lachen. wir, das wahlvolk, zahlen ihnen diesen spaß gerne, schließlich dürfen wir ja mitbe-stimmen: also gemma´s an für innsbruck mehr mut und gegen penzens diebe der richtige ist christoph und der seniorenbu … schön ist es regiert zu werden! wie wärs: wir sparen euch?

  5.  … aufgefallen ist mir nur, dass die hiesigen "Piraten" nicht etwa auf Themen wie Bürgerbeteiligung, Freiheit der Individuen oder Transparenz setzen, sondern auf Mitleid.

    Der Auftritt von Ofer war zwar nicht so peinlich, wie der seines Schwermatrosen bei der ÖH-Diskussion, aber Segel setzen wird diese Crew wohl weder in Innsbruck noch sonstwo.

     

  6. Wäre es nicht sinnvoller gewesen – oder vielleicht geschieht das noch – zu verschiedenen Themen die die Stadt betreffen, wie etwa Wohnen, Soziales, Öffentlicher Verkehr, Sicherheit, Kultur etc. Diskussionen mit den Spitzenkandidat/inn/en der wahlvwerbenden Parteien zu veranstalten. Das wäre sicher interessanter gewesen, als eine große Diskussion im Stadtsaal, die halt ein bisschen Dampfablassen für das Volk ist, aber mehr auch nicht, schon als Zeitgründen nicht.

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