Und ab in die Kiste

Seit uns der „Corti“ im Standard auf der Titel-Seite wegen unserer Einladung zum „Probeliegen“ auf die Schaufel genommen hat, reißt die Nachfrage nicht mehr ab und das, obwohl der Tag der offenen Tür längst vorbei ist. Seit nunmehr 10 Jahren bieten wir die Probeliegerei an, aber nun scheint die Zeit reif dafür zu sein: Die Leute wollen’s wissen!

Das Gruseln dauert übrigens nur kurz: Alle haben Angst, wenn sich der Deckel langsam senkt und kaum ist er drauf, kommt dumpf vom Sarginneren ein erstauntes und erleichtertes „Ist eigentlich ganz fein!“ Und mitunter haben wir sogar BesucherInnen, die gar nicht mehr gern raussteigen, vor allem, wenn sie momentan eine stressreiche Zeit durchleben – da kommt ihnen das Gedämpfte und Dunkle grade recht. Nach dieser Erfahrung kommt beim Gedanken an die Ewige Ruh‘ vielleicht nicht unbedingt Vorfreude auf, aber weniger Angst hat man vor dem Totsein in jedem Fall. Und genau darum geht’s uns bei der Übung.

Übrigens hat Tirol heute uns am Tag der offenen Tür besucht und Eindrücke eingefangen. Zu sehen ist der Beitrag am 1. November.

4 Antworten : “Und ab in die Kiste”

  1. GscheitLoch sagt:

    Tod und Sterben sind regelrecht tabuisiert und viele Menschen reagieren regelrecht panisch, wenn die Sprache darauf kommt. Vielleicht hat es damit zu tun, dass unsere Epoche wie keine vorher EGO und Individualität verherrlicht, aber gläubige Menschen inzwischen schon regelrecht unter "Idiotenverdacht" gestellt werden. 

    Der Tod ist das Ende allen Leidens, er bringt ewigen Frieden und Leid bringt er nur jenen, die zurückbleiben. Fürchtet nicht den Tod, sondern das falsche Leben!

    • Christine Pernlochner sagt:

      Die meisten "Gläubigen" Menschen haben nicht weniger Panik als die "Ungläubigen" – so meine Erfahrung. Und Tabuisieren tun die Gläubigen das Thema oft noch mehr, weil es eine Tradition gibt, die "Heiliges" grundsätzlich für "unberührbar" und "tabu" erklärt. Wenn dann etwas ein Tabu wird, wird es umgekehrt schnell zu etwas "Heiligem", an dem man nicht rühren darf, das man nicht sachlich und locker angehen darf, über das man auch nicht lachen darf …

      Das Todes-Tabu hat in unserer Kultur meines Erachtens aber vor allem 2 Gründe: 

      1. Die beiden Weltkriege: Die Kriegsgenerationen hatten soviele Tote gesehen und in den Familien gehabt, dass die einzige Form der Bewältigung die Verdrängung war. Hatte auch damit zu tun, dassalle Energie in den Wiederaufbau gesteckt werden musste. Wer stark trauert, dem fehlt die Energie zum Wiederaufbauen. Also: Verdrängen.
      Als es den Leuten allmählich wieder besser ging, wollten sie nicht mehr daran erinnert werden, da wäre zu vieles aufgebrochen, man hätte das Neue nicht genießen können.

      2. In den 50er Jahren wurde das Sterben institutionalisiert – sprich: in Krankenhäuser und Altersheime ausgelagert. Der Umgang mit Sterben und Tod wurde ungewohnter und schließlich fremd. Das Fremde macht natürlich Angst und löst Vermeidung aus ….

      In den letzten Jahren gibt aber Gottseidank ein Umdenken! 🙂

      • Otto Riedling sagt:

        Der Poet  Paul Fülöp inszeniert seit 10 Jahren auf den Innsbrucker Friedhöfen Wanderlesungen (Mühlau) bzw. Klanginszenierunngen und Poesie (Einsegungshalle am Westfriedhof)

        Tel.: 0699 / 11069770

        E-Mail. paul.fueloep@aon.at

  2. GscheitLoch sagt:

    Mördersong, finde ich: Death is not the end …
    [video:http://youtu.be/Am1kJM823Vk%5D

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