REJECTED 2012 – Impressionen und Meinungen

Jetzt, eine Woche nach dem feierlichen Abschluss des diesjährigen Filmfest rejected, ist es uns wert, einigen Aussagen und Meinungen von BesucherInnen, Filmschaffenden und MusikerInnen einen Platz zu geben.
Die Eröffnungsband In Mir alias Theresa & Maria über ihren Musikstil und ihre Pläne:
 
Wie nennt ihr euch?
Wir sind Theresa an der Geige und Maria an der steirischen Ziehorgel. Wir haben heute Abend erst einen neuen Namen gefunden – wir spielen allerdings schon sehr lange zusammen – der lautet In Mir. Mirals Charaktere oder als mir zwoa.
Was macht euren Stil aus?
Wir spielen Verschiedenes, viel Volksmusik, aber auch einige Lieder von Herbert Pixner, die von der Volksmusik abweichen und neue Elemente beinhalten. Wir spielen aber auch ruhigere Sachen, manchmal in der Kirche. Wir studieren übrigens beide Theologie – so haben wir uns kennen gelernt. Wir spielen die Lieder so ein, wie es uns passt, meistens ohne Noten.
Habt ihr große Pläne?
Große Pläne nicht, wir spielen einfach, weil es uns Spaß macht. Wenn man uns fragt, spielen wir immer gerne.
 
 
Oliver Werani über seinen Film Plakatieren verboten
Auf die Frage nach der Wahl des Themas sagt Werani:
Auf das Thema bin ich durch Pascal gekommen, der Diashows macht und im Film vorkommt. So etwas wie Diashows müssen beworben werden: Das Plakat ist das dafür beste Werbemittel. So bin ich reingerutscht in das Thema. Ich habe mit mehreren Wildplakatierern geredet, Fotodokus gemacht und das Thema weiter vertieft. Dieses Projekt ist über Jahre gelaufen und mein erster Film. Ich war das erste Mal hinter der Kamera – das Wissen über die Tätigkeit ist da gewesen, da ich selbst plakatiert habe. Ich habe Historiker interviewt, war viel auf Reisen und habe viel fotografiert – daher war es für mich nicht neu, hinter der Kamera zu stehen. Anders war es aufgrund der Umstellung auf bewegte Bilder und Ton. Die Kameraeinstellungen habe ich von unten gewählt, dies schließt ein, sich bedrängt zu fühlen. Zum Teil habe ich dies bewusst so gemacht, zum Teil ist es mir passiert. Ich habe damit auch die Perspektive der PlakatiererInnen gewählt – dies zu zeigen, ist von vorne nicht möglich.
Ich weiß nicht, ob das für mich ein Stilmittel ist, das ich weiterhin verwenden will.
Wie sieht die Zukunft des Plakatierens aus?
Die Bedeutung der Plakate ist auch in Zeiten von Internet und Facebook groß. Es gibt nämlich immer neue freie Plakatflächen und es ist damit nach wie vor sehr wichtig. In Innsbruck ist mir aufgefallen, dass an Stellen plakatiert wird, an denen es in Wien nicht möglich wäre. Die österreichische Verfassung erlaubt das Plakatieren eigentlich, aber durch die Behörden wird es unterwandert. Ich kenne die sonstige rechtliche Lage in Europa aber nicht.
 
Du hast interessante GesprächspartnerInnen gewählt.
Alf Poier und Andreas Vitasek haben sich zum Glück sofort bereit erklärt, sich für den Film interviewen zu lassen. Sie haben erzählt, wie es in ihrer Anfangszeit mit der Bedeutung der Plakate war, um auf die eigene Kabarettkunst aufmerksam zu machen, weiters dass es für sie jetzt nicht mehr so zentral ist, weil sie bereits einen Namen haben. Dass es aber für junge KünstlerInnen weiterhin von großer Wichtigkeit ist, mit Plakaten zu werben.
 
 
Eindrücke von BesucherInnen des rejected
 
(Wolfi N. – junger Nachwuchsautor)
Was ist dein bisheriger Eindruck vom Filmfest Rejected?
Also ich habe den ersten Film gesehen, der war super: Plakatieren verboten. Ich hasse die Gewista, also ich hasse sie wie die Pest. Ein ganz gemeiner Verein. Also dass das Schwarz-Plakatieren so verboten ist, finde ich schrecklich. Ich kann gut verstehen, dass man nicht verstehen kann, dass das so nicht funktionieren kann. Dass man einen Film darüber macht. Den einen oder anderen Schnitt hätte ich vielleicht anders gesetzt, denn die Flüssigkeit hat gefehlt. Das ist ein rein ästhetischer Punkt, aber ich bin kein Regisseur, mir ist das aber zweimal aufgefallen.
Wie hast du die Perspektiven gesehen, die Frosch-Perspektive z.B.?
Ja, die Perspektiven waren okay, also einwandfrei. Ich habe mich jetzt nicht als Frosch gefühlt, also soweit ist es nicht gegangen.
Mehr als Katze?
Oh ja. Ich habe selber zwei Katzen. Deswegen weiß ich, die Katzenperspektive ist… so halb hoch eben, etwas über dem Frosch.
Du bist ein vielversprechender junger Südtiroler Autor (Information für die LeserInnen).
Zuviel der Ehre.
Du kannst uns sicher etwas zum Vortrag von Benedikt Sauer sagen?
(Der bekannte Südtiroler Journalist hat zur Eröffnung des rejected einen Vortrag über Kurzformen in Film und Literatur gehalten. Das Verdrängte solle seinen Platz erhalten, deshalb sei ein Festival wie dieses von großer Bedeutung)
Ja, besonders zum Text „Zu Flure“ von Norbert C. Kaser. Das sagt man tatsächlich so, damit bin ich groß geworden. Ich bin ja selber dort in der Nähe aufgewachsen, deshalb ist das für mich – ich will ja kein Kunstwort erfinden – identifikativ. Oder identifikativ-gründig.
Was sagst du zu den anderen Filmen, die heute (Donnerstag) gezeigt wurden?
Zu den anderen Filmen kann ich leider nichts sagen, weil… ich musste so aufs Klo.
Schade, dass du den Animationsfilm verpasst hast.
Der Animationsfilm hätte mir sicher gut gefallen. Der war zu kurz, als dass es sich ausgegangen wäre. Für die anderen Filme… danach war es sowieso schon zu spät.
 
Kannst du deine Enttäuschung darüber spontan in einem Gedicht ausdrücken? Du bist ja großer Könner des Konjunktivs. (Anspielung auf seine Lesung bei der Präsentation des Literaturmagazins Cognac&Biskotten im Dez. 2011)
Der Konjunktiv ist ein guter Freund von mir, aber wenn ich ihn brauche, ist er nicht da. Wenn ich ihn bräuchte und er denn kommen wollte…
Mehr von dir werden wir hoffentlich beim nächsten Poetry Slam hier in der Bäckerei hören…
Ja, tatsächlich, da habe ich mir gedacht, mal wieder mitzumachen. Mehr kann ich euch nicht sagen, denn ich bin anonym hier, am liebsten hätte ich einen auditiven Balken über den Mund.
Du willst also nicht namentlich genannt werden J Wie sollen wir dich denn erwähnen?
Nennt mich Francesco… Oder Wolfi N.
Freust du dich auf das Konzert von Ossy & the sexual Chocolates?
Ja, endlich die Band. Die kenn ich zwar nicht, aber Musik ist immer geil. Kann ich nur empfehlen: Musik, yeah!
Hast du uns noch was zu sagen?
Ja: Kein Kommentar.
(Studentinnen der Uni Innsbruck, großteils aus einem Medienkurs der Anglistik)
Wie gefällt dir das diesjährige rejected?
Ganz gut, ich kann es aber mit nichts vergleichen, weil ich letztes Jahr nicht hier war. Wir haben jetzt die letzten drei Filme gesehen. Der drittletzte war ein spanischer mit englischen Untertiteln und die haben wir nicht lesen können, weil wir ganz hinten gesessen sind. Den zweitletzten haben wir nicht verstanden, den mit den Blinden. Den letzten (Salt & Vinegarvon Cameron Fraser), den fand ich super.
Wieso?
Lustig, einfallsreich. Einfach lustig.
Also insgesamt geht es vielfältig zu beim rejected.
Ja.
 
Warum glaubst du, dass die Filme ursprünglich abgelehnt worden sind?
Bei dem zweitletzten versteh ich’s, weil ich ihn auch nicht verstanden hab. Wahrscheinlich geht’s den meisten so, wir haben ihn alle nicht verstanden. Den spanischen haben wir sprachlich nicht verstanden, aber der sah eigentlich lustig aus. Beim letzten versteh ich’s gar nicht, weil uns der so gut gefallen hat.
Wie habt ihr vom rejected erfahren, warum seid ihr hier?
Wir besuchen einen Kurs an der Uni Innsbruck über Medien. Wir machen dafür Fragebögen, wie ihr wisst. Deshalb sind wir hier.
Bist du auch deswegen hier? (eine Freundin, die etwas abseits steht)
Ich bin freiwillig hier. Auch das erste Mal. Ich verfolge alles mit, was in der Bäckerei passiert. Das Filmfest hat mich interessiert, gerade weil die Filme, die gezeigt werden, abgelehnt wurden.
Was sind deiner Meinung nach die Gründe für die Ablehnung?
Vielleicht, dass die anderen Bewerberfilme sehr gut waren. Ich kann nicht abschätzen, welche Kriterien ausschlaggebend waren. Aber es ist interessant zu sehen und ich finde es sehr cool, dass den Filmen ein Platz gewidmet wird.
Wirst du die weiteren Festival-Tage auch verfolgen?
Ja, ich denke schon. Überhaupt jetzt in der Prüfungszeit. Ich finde die Bäckerei generell cool, ich bin immer gerne hier.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sven Sauer über seinen Dokumentarfilm Neun Monate Winter

 

 

 

 

 

 

 

Sven Sauer im Gespräch mit Daniel Dlouhy und dem Publikum nach der Vorführung seines Films über das Theater:
Ursprünglich war der Film nie als Dokumentation gedacht. Eigentlich kam ich wegen einer Hintergrundprojektion, die ich für Die Schneekönigin gemacht habe, an dieses Theater. Anfangs war ich selber ein Fremdkörper dort. Ich habe den Menschen, die mitgearbeitet haben, dann über die Schulter geschaut, einfach immer mitgefilmt. Deshalb hat der Film auch nicht die typische Struktur einer Dokumentation. Erst als ich das Potenzial der Filmaufnahmen bemerkt habe, entschloss ich mich dazu, daraus mehr zu machen. Die SchauspielerInnen waren am Anfang sehr unsicher und versuchten, der Kamera aus dem Weg zu gehen. Dann war sie aber irgendwann einfach „weg“ und wurde nicht mehr bemerkt.
Wo siehst du den Unterschied zwischen Film und Theater?
Das war schon eine krasse Erfahrung, einen Film zu machen. Ich arbeite sonst nur mit Theater. Meiner Meinung nach gibt es beim Film eine striktere Hierarchie, die Einhaltung von Timings und Budgets ist da sehr wichtig. Beim Theater ist das alles etwas anders. Durch die vielen Probenprozesse gibt es außerdem so etwas wie eine Prävisualisierung.
Was hast du zukünftig vor?
Ich habe jetzt zwei Jahre lang an diesem Ding gefeilt und das Projekt am Schluss erst mal verflucht. Erst nach einem halben Jahr wird es dann wieder besser. Jetzt reicht es mir erst mal mit Dokus, ich würde jetzt gern mal was anderes machen.
Warum wurde der Film gerade am rejected gezeigt?
Ich hatte den Film eigentlich an ein anderes Filmfestival in Innsbruck geschickt. Erst hier habe ich dann erfahren, dass er abgelehnt wurde und deshalb hier gezeigt wird.
Eine Reportage von Anja Larch & Barbara Zelger
Fotos: Team rejected




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