Music and the city (Vol. XVII)

Bei Boris ist nichts so wie es scheint. Und gerade deshalb sind Boris eine wichtige Band. Bei dem morgigen Konzert in der p.m.k. lohnt es sich auch, genauer hinzusehen und hinzuhören.

 

"Blackout"…

 

Mit "Pink" haben Boris ein Platte veröffentlicht, die man präzise und am besten mit "Brett" bezeichnen könnte. Das ist ein Album, über das man weniger sprechen muss, als schweigen, oder besser noch: hinhören, immer wieder hören, möglichst laut. Boris hätten sich damit begnügen können, diese Platte immer wieder zu machen. Hier wird eine Symbiose aus Rock der alten Schule geboten, bei dem man auch schon mal fast Lemmy Kilmister im Raum stehen sieht. Zerstört wird diese seltsame Assoziation aber letztlich damit, dass hier auch feinster Noise angeboten wird, einige Drone-Tracks, bei denen die Zeit still zu stehen scheint, weil sie in ein schwarzes Loch gekippt ist und mit ihr der/die Hörer_In. "Blackout" heißt dann auch passenderweise einer dieser Tracks, der auch Sunn o))) gut zu Gesicht gestanden hätte, wenn nicht diese wunderbaren, sich in den oberen Notationsspektren abspielenden Gitarren wären, die der einsam vor sich hin wummernden Gitarre Gesellschaft leisten. Boris waren und sind niemals eine Drone-Band gewesen, und wollten das auch niemals sein. Auch der Stoner Rock, der Noise, der Old-School-Rock sind für sie eigentlich nur ein Mittel zum Zweck, ein Spiel, die Möglichkeit der Überschreitung und der Transformation.

 

 "Authentizität"

 

Was also Boris niemals sein wollten, ist eine gewöhnliche Drone-Band, die ihre eigenen geschaffenen Konventionen immer wieder wiederholt und perpetuiert. Nichts wäre dieser außergewöhnlichen Band fremder gewesen als ihren Erfolg von "Pink" zu wiederholen indem man die gleiche Platte immer wieder rausbringt.

"Pink" erweckt den Anschein, dass man es mit einer "authentisch" rockenende Band zu tun hat. Dabei war doch gerade der Begriff der Authentizität etwas, das Boris ablehnent. Mit "Pink" hatten sie sich also selbst in Gefahr gebracht, ihr eigenes musikalisches Konzept ins Wanken geraten lassen. Fortan sollten sich die Band von "Pink" zu befreien versuchen. Boris will offen legen, wie Authentizität ensteht, wie "Echtheit" in der Rockmusik funktioniert, welche Inszenierungsstrategien dazu zur Verfügung stehen. Dazu muss letztlich auch diese "Echtheit" als Konstrukt entlarvt werden, muss offengelegt werden, wie diese gebaut und gemacht ist. Einfacher funktioniert diese Offenlegung, indem man diesen "echten" Rocksongs absolute Künstlichkeit gegenüberstellt, was auch die Vorliebe für japanischen Pop erklärt, welche die Band auf einem ihrer 3 (!) neuen Alben auslebt. Hier finden sich keine Drone-Gitarren mehr, auch kein Rock mehr, sondern tanzbare Popsongs, die man sich auf der Tanzfläche vorstellen könnte. Dass dieses Album nur in Japan erscheint, kann man ihnen zwar als Inkonsequenz zu Lasten legen, aber man versteht, dass sie an dieser Stelle der Mut verlassen hat.

 

 Die Frage der Rezeption…

 

So ganz geht nämlich letzten Endes der theoretische Überbau dieser Musik, der zweifellos vorhanden ist und auch von der Band in Interviews immer wieder betont wird, nicht auf. Ihre Konzerte sind nach wie vor den krachenden Gitarren gewidmet, der "Authentizität", weniger der Künstlichkeit, der Inszenierung. Oder besser: Boris rocken live zum Teil so hart und so "ehrlich", dass man die Konstruiertheit, die Inszenierungsstrategien dieser Musikrichtung gar nicht in den Blick bekommt, weil man von Lautstärke und tonnenschweren Riffs überfallen wird. Vielleicht wird sich aber auch der einige oder andere Song enschleichen, der diesen Eindruck unterwandert und letztlich zeigt, dass nichts so ist, wie es zunächst scheint.  Auf welche Weise man Boris rezipieren mag, lässt die Band jedoch offen. Es wird wohl so sein, dass einige in der Ecke stehen, analysierend, während einige dem Sport des headbangens nachgehen werden. Der Kolumnist traut sich nicht zu sagen, wer dieser Musik gerechter wird. Klar ist jedoch, dass beide Vorlieben morgen Platz finden werden.

 

An dieser Stelle noch ein paar Hörbeispiele um sich auf morgen (20.07.) einzustellen:

 

http://www.youtube.com/watch?v=JGnQQH3H9Fs

http://www.youtube.com/watch?v=Gs6AjuzJJNk&feature=related

http://www.youtube.com/watch?v=JdJAl837aGQ

 

 

1 Antwort : “Music and the city (Vol. XVII)”

  1. Oscar sagt:

    danke für diesen Aperitif und bis morgen!

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