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Martinigansl

 Da saßen sie nun wieder einmal in der Mensa, der vorzeitig gealterte Physiker Baumgartner, der vegan lebende und immer noch jugendlich aussehende Sprachforscher Köstritzer und der ebenfalls vegan lebende Archivar Schmollgruber.

 

Beide lachten sie den Physiker Baumgartner aus, als der sich eine Martinigans geholt hatte. Eine Keule natürlich nur, aber die war so hart, dass Baumgartner zuerst mit dem Messer und dann mit seinem Gebiss sich dagegen nur schlecht behaupten konnte, und schließlich aufgab. Der Archivar Schnollgruber, der neben ihnen saß, meinte aber, er, Baumgartner, solle doch zur Essensausgabe hinübergehen mit dem Teller und dem Geflügelstück und es reklamieren, vielleicht bekomme er dann ein anderes, saftigeres Stück, das dann auch weicher wäre. Baumgartner aber meinte, nein, das tue er sich nicht mehr an, er hätte die Mensa als Student immer zu seinem Vorteil genutzt, und jetzt sei er ja schon lange kein solcher mehr.

 

Der Archivar Schmollgruber aber meinte, nein, er solle der Frau an der Essensausgabe einfach in die Keule hineinbeißen lassen, dann könne sie ja selber sehen, dass das Stück viel zu hart sei und die Essensausgeberin wird ihm sicher ein anderes Gansstück geben oder es veranlassen, dass Baumgartner ein anderes Gansstück bekommt. Und so machte sich Baumgartner schließlich doch auf den Weg zur Essensausgeberin mit dem Teller und dem angebissenen Gansteil in der Hand. Und fragte sie, ob er nicht ein neues Stück bekommen könne, weil dieses gar so hart sein würde, und sie könne sich davon gerne überzeugen, indem sie einfach in dieses viel zu zähe Stück eines sicher nicht mehr jung gewesenen Federviehes hineinbeißen würde.

 

Und die Essensausgeberin biss ohne viel Federlesens in das ihr entgegengehaltene Stück Ganskeule hinein und sagte dann auch gleich „viel zu hart, ja,  viel zu hart …“ und nahm den Teller aus Baumgartners zittrigen Händen, und gab ihm eine neue frische Ganskeule drauf, überreichte sie Baumgartner und wünschte ihm noch einen guten Appetit. Und Baumgartner wieselte wieder, froh und dankbar wie ein kleines Kind, mit der noch dampfenden und duftenden frischen Ganskeule zurück zu seinem Tisch, wo noch der Sprachforscher Köstritzer und der Archivar Schmollgruber saßen und über fleischlose Kost und vegane Ernährung philosophierten, setzte sich wieder auf seinen Platz, nahm erneut Messer und Gabel und begann in das neue saftig aussehende Stück Fleisch hineinzuschneiden, so dass das Fett nur so herausspritzte.

 

Köstritzer und Schmollgruber lachten insgeheim über die fast kindliche Freude Baumgartners über dessen errungenen Sieg und wünschten ihm noch einen guten Appetit.

 

© Helmut Schiestl

aus einer noch unveröffentlichten Erzählung.

de.wikipedia.org/wiki/Martinstag 

www.vier-pfoten.at/output.php

 

Helmut Schiestl

2 Comments

  1.  Ich habe wirklich Respekt vor den Veggies und Veganis, aber so ein Gansl ist schon auch was Feines … naja, jeder, wie er (oder sie) mag eben 😉

  2.  Da “provinnsbruck” auch für ältere Semester, nehm ich an, von Belang ist, möcht ich euch die Seniorenmesse vom 16. bis 18.11. ans Herz legen. Es sind durchaus spannende Vorträge zu erwarten, außerdem gibt es viele Köstlichkeiten zum Probieren, Schönheitsprodukte , Gesundheitsartikel, kurzum alles was das Herz eines Senioren begehrt. Kleiner Tipp am Rande, auch jüngere Semester hab ich beobachtet, die durchaus interessiert waren. Entweder waren die generalsaniert ( sprich geliftet) oder sie suchten ein Geschenk für die Großeltern? Und wisst ihr was, heut geh ich noch in die Esoterikmesse, man gönnt sich ja sonst nichts.Jedenfalls weiß ich dann konkret Bescheid, was am 21.12.2012 passiert!!

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