Interview mit JC, Teil 3

Täglich Neu“ interviewt Jesus C. Teil 3 des Exklusivgesprächs.

 
Red: „Wir sind in der Nähe von Weihnachten. Da ist doch dein Geburtstag?
Deine Kinderjahre bei uns – deine glücklichste Zeit“?
 
J.C.: „ Die Kinderjahre, ja. Wir hatten zu leben, das schon. Aber wir waren nicht frei. Wir waren durch eine allgegenwärtige Besatzung und auch durch einen ebenso allgegenwärtigen religiösen Druck nicht frei. Alles vorgeschrieben. Das hat mich schon bald sehr gestört“.
 
Red: „Was war eigentlich für dein weiteres Leben so richtig entscheidend? Wo hast du die grundsätzliche Orientierung bekommen“?
 
J.C.: „Das war eindeutig diese Wüstenphase. 40 Tage dort und du beginnst
so richtig nachzudenken. Ãœber das was wichtig ist und was unwichtig ist.
So waren mir die Angebote des Teufels überhaupt nicht mehr wichtig. Mein vielzitiertes „Hau ab“ war nicht heroisch sondern nur logisch. Soll ich mein Leben auf vergängliche Dinge aufbauen? Soll ich nach Macht über Mitmenschen streben, nach möglichst viel Geld? Die dumme und egoistische Kurzsichtigkeit des reichen Prassers? Nicht mit mir habe ich beschlossen“.
 
Red: „Und welche Rolle hat da Gott gespielt, damals in der Wüste“?
 
J.C.: „Zuerst jene wie bei jedem jungen Menschen. Auch bei den heutigen, das weiß ich. Als geborener Jude war ich natürlich nicht frei von Gott. Aber ich wollte in der Wüste eigentlich nur nachdenken. Meinen Weg finden. Und ich habe ihn ja auch gefunden. Den Weg. Mit Gott ist es ja ein eigenes Kapitel“.
 
Red: „Ãœber das wir das nächstemal sprechen werden. Der Platz, du weißt.
Letzte Frage: deine drei Tipps für uns , die wichtigsten“.
 
J.C.: „Einfach, das meiste ist schon oft genug gesagt worden, schon zu meiner Zeit bei euch. Tipp 1: Stichwort Immanuel, sein Familienname ist Kant so weit ich weiß. Sein Kategorischer Imperativ – er wäre ganz stolz auf ihn. Wenn er beachtet würde. Ihr wißt: „Was du nicht willst….“. Immanuel kommt oft zu mir, meist ganz depressiv. Ich zitiere dann Nestroys Alpenkönig und Menschenfeind – das mit dem bankrottierten Philosophen. Dann lacht er sogar. Aber! Tipp 2: Wann wird endlich aus der Geschichte gelernt? Täuscht euch nicht! Alle , die mit Geschichte und den Sozialwissenschaften zu tun haben, stehen bei uns ganz hoch im Kurs! Weil sie aufzeigen was für die Menschen gefährlich wurde, wie es immer angefangen hat. Oder weil sie
darstellen, wie die Chancen auf das Leben verteilt sind. Das sind für uns ganz wichtige Leute. Sie wissen es nur meistens nicht. Sind aber dann angenehm überrascht“.
 
Red: „Der dritte Tipp“!
 
J.C.: „Den widme ich den christlichen Kirchen. Das mit den Kindern und den Mühlsteinen schenke ich ihnen – sie wissen ja, was sie zu tun haben. Hoffentlich bald alle.
Ich wünsche mir von ihnen vor allem eines: seid nicht so unendlich langweilig! Die Sprache, die Unterwerfungsgesten – so redet man doch nicht mit Freunden. Und mich in Tabernakel oder wie das heißt einsperren zu wollen – vergeßt das! Das ist mein dritter Tipp. Eigentlich kommt er vom vielen Nachdenken in der Wüste“.
 
Red: „Wir danken herzlich für diese lange Gesprächszeit. Nicht selbstverständlich, wir wissen wie bekannt du bist. Bis bald – du bist ja eigentlich immer zu sprechen“.
      

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