Das Delikt einer Orange

Als ich die Orange bekommen habe, habe ich an meine Jugend gedacht. „Orange ist die Farbe des Glücks“: davon war ich als Mädchen so fest überzeugt, dass ich meine Eltern fragte, ob ich eine Wand meines Zimmers in dieser Farbe malen dürfte. Nach langer Diskussion haben wir uns in der Mitte getroffen und ich habe ein Gedicht auf der Wand mit oranger Schrift schreiben dürfen. Schlussendlich wollte ich nur mein Glück zum Ausdruck bringen.

Ich habe die Orange geschält und sie genussvoll gegessen. Die Luft riecht sehr gut und mein Magen ist sehr zufrieden mit diesem kleinen gesunden Snack. Allerdings sind meine Finger jetzt weiß und klebrig: die Spuren des Mordes der Orange sind eindeutig zu sehen. Ich habe gerade eine Orange gekillt, sie gegessen und muss mit den Konsequenzen meines Handelns leben. Die Leiche der Frucht liegt vor mir – was für eine wunderbare Frucht ist die Orange: ihre Schale riecht intensiv und erfrischend, dass jeder in dem Raum dieses Delikt nicht bereut.

Entstanden in der Medien- und Schreibwerkstatt für Migrant/innen des Österreichischen Integrationsfonds, Autorin ist Silvia Cevasco!

3 Antworten : “Das Delikt einer Orange”

  1. Helmut Schiestl sagt:

    Ich finde Orangen sehr erotisch, auch ihr Geruch. Mich wundert eigentich, warum es kein Orangenparfum gibt. Oder vielleicht gibt es eines. Und man soll sogar Strom mit ihnen erzeugen können, auf elektrolytischem Wege. habe ich mal in einem kleinen Film gesehen. Also in zwei Hälften schneiden, und zwei Drähte anlegen, dann solls funktionieren. Habs allerdings noch nicht ausprobiert.

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