Silvester im Licht

Er fragte sich, ob es laut war und viel geknallt wurde an diesem Silvester.  Und ob er dann am besten gar nicht aus dem Haus hätte gehen sollen, um sich nicht einen Gehörschaden zu holen, wenn etwa direkt neben ihm oder vor oder hinter ihm ein Silvesterknaller losgegangen wäre. .Aber jetzt war er ja schon hier, und mit der Knallerei musste er dann klar kommen, wenn er wieder nach Hause ging.  So klappte er die Mappe auf, in der sich die Speisekarte befand. Er hörte am Nebentisch zwei Frauen sich Gespenstergeschichten erzählen. Und zwei andere am anderen Nebentisch sich gegenseitig Neujahrsvorsätze schwören. Er hätte die Kellnerin gerne zu einem Glas Champagner eingeladen, und noch lieber hätte er ihr mit seinem Kugelschreiber dabei die beiden Worte „Süße Maus“ auf ihren Arm geschrieben.  Er tat aber keines von beiden, weil die Kellnerin keine Zeit für so etwas hatte, auch keine Zeit für ein  Gespräch, welches ja erst die Voraussetzung für so etwas gewesen wäre. So war es nur bei einem unverbindlichen Gedankenspiel geblieben. Und die Frage, wie weitermachen und wie es überhaupt weiterging mit ihm, war dann doch heftiger gewesen und hatte sich über erstere Überlegung gelegt und hatte wohl noch nach weiteren Fragestellungen verlangt. Und im Übrigen wusste er auch nicht, ob nicht der schon etwas ältere Mann, der ihm schräg gegenübersaß, nicht in den nächsten Minuten durchdrehte, so ernst sah er aus, saß allein bei seinem Bier, und viel Grobkörniges mochte durch seinen Kopf gehen. So wie auch durch seinen Kopf viel Grobkörniges ging. Der Silberflitter am Kleid der jungen Frau, die ein paar Tische weiter saß. „Und gehen sie mit uns …“ hörte er am Nebentisch jemanden zu seinem Gegenüber sagen. Die Spiegelung im Fenster, die das normalerweise...

Lasst uns froho und bunter sein!...

Bundespräsidentschaftswahlqual. Es ist alles gesagt. Es ist alles gefragt. Es wurde noch nicht alles gesungen. Eine spaßige Chorprobe im wunderschönen Treibhaus-Turm. Mit Gernsingern, Falschsingern und -innen. Wir erheben unsere Stimmen zu umgetexteten Adventsweisen und Hadern aus Koschuh’scher Feder. Dem Norbert Pleifer seine Idee. Samt Hirnschmalz von Vielen. Das wird eine Gaudi, ein Spaß, ein Riesenspaß unter der musikalischen Leitung von Sigi Portugaller. Lasst uns froho und bunter sein! JEDEN SONNTAG AB 17 UHR. AUCH HEUTE. TREIBHAUS-TURM: KOMM, SING MIT. STIMMEN FÜR VAN DER...

Das 130.000-Euro-Ding

Im Stillen hätte es durchgezogen werden sollen. Das 130.000-Euro-Ding. Und irgendwann sollte es vermutlich ganz plötzlich mit großem Pomp und Trara enthüllt werden. Und jetzt, da durchgesickert ist, was da kommen soll: Niemand will es wirklich gewesen sein. Ein Künstler soll einfach so eine 2Meter70 hohe Bronzestatue angefertigt haben. Kann ja schon mal vorkommen, dass einem über Nacht so eine Statue auskommt. Aber kommen soll sie trotzdem: die Statue, die niemand braucht. Um was geht’s: Auf dem Landhausplatz soll diese Bronzestatue des ehemaligen Landeshauptmanns Eduard Wallnöfer aufgestellt werden. 130.000 Euro kostet das Ding. Bekannt geworden sind die Pläne wenige Tage nach der Ankündigung, dass sich zahlreiche Tiroler Sozialvereine auf Subventionskürzungen von 10 Prozent einstellen müssen. Der Budgetdisziplin wegen. Die schwarze Null ist und bleibt das Ziel von Landeshauptmann Platter. Doch anstatt ENDLICH das Landesbudget wirklich komplett auf den Kopf zu stellen, Veraltetes oder gar Unsinniges (das Land finanziert der Bauernkammer etwa Dutzende Posten) endlich zu hinterfragen, kommt der Budget-Rasenmäher. Und man setzt bei denen an, die es am dringendsten brauchen und die es am wenigsten brauchen können, wenn im Sozialbereich derart radikal gekürzt wird. Und nun das. Plötzlich sind 130.000 Euro da. Nein, natürlich nicht aus dem Landesbudget. Wir sind ja kreativ, und wissen aus welchem Topf man sich bedienen muss, damit das heilige Budget unangetastet bleibt. Es sollen 130.000 Euro aus der Landesgedächtnisstiftung sein. Jener Stiftung, von der Walli-Schwiegersohn Landtagspräsident Herwig van Staa der Vorsitzende ist. Jener Stiftung, die der Förderung junger Menschen, sagen wir: junger Talente aus Tirol dient. Siehe https://www.tirol.gv.at/kunst-kultur/landesgedaechtnisstiftung/ Jung ist Eduard Wallnöfer nun wirklich nicht mehr. Er ist seit mehr als 27 Jahren tot. Talent hatte Eduard Wallnöfer sicherlich. Auf der einen Seite ein politisches. Auf der anderen Seite aber auch das zweifelhafte Talent,...

Christine Oppitz-What?

                In dieser Stadt wird nicht nur digital, sondern auch analog geflüstert. Wichtige und weniger wichtige Dinge werden besprochen, hinter und vor vorgehaltener Hand. Kürzlich wurde ich Ohrenzeuge einer nur auf den ersten Blick alltäglichen Begegnung, auf den zweiten Blick aber umso interessanteren Gesprächs. Die zwei ungleichen Gesprächspartner waren ein afroamerikanischer Tourist, sportlich, Ende zwanzig, mit Turnschuhen, T-Shirt und einer gespiegelten Sonnenbrille, und ein cirka fünfzigjähriger Einheimischer, gekleidet mit grauem Pullover, gescheitelter Frisur und braunem Haar. Ich nenne die beiden, deren Namen ich nicht kenne oder kannte, Helmut und Steve. Abgespielt hat sich das Ganze im belebten Gastraum eines beliebten Altsatdtcafes. Steve: Excuse me Mister, may I take a seat? Helmut: Wie bitte? Steve: (deutet auf einen freien Sessel) Free? Helmut: Achso, ja. Setzen Sie sich. Sit down. Steve: Thank you, Mister. I appreciate that. Helmut: Danke, ich auch. (Beide bestellen. Steve ein Glas Coca Cola, Helmut eine Melange mit einem großem Glas Wasser.) Steve: Sorry, Mister. I have a question. Helmut: Was willsch? Steve: How do you call god in this city? Helmut: Wie? Steve: God. How do you call him? Helmut: Gott? Na, Gott gibt´s da keinen. Steve: I mean, how do you call the mayor? Helmut: The Mayor? Achso, der Bürgermeister. He is called Christine Oppitz-Plörer. Steve: Oppitz what? Helmut: Plörer. Steve: What´s a Plörer? Helmut: I don´t understand. Steve: What´s a Plörer? Helmut: Nein, nicht Plörer. Christine Oppitz-Plörer. Steve: Ok. So, what does this lady, Misses Oppitz-Plörer stand for? Helmut: Bei der ÖVP. Äh, nein. Bei für Innsbruck. Steve: No, no, Mister. I didn´t mean where she’s actually standing. What are her political aims? Politics? Helmut: Ja, Politik, genau. Bürgermeisterin. Steve: Ok, let´s try it another way. What...

Das Gendern ist des Mairs Lust...

                Erinnert sich wer an Gebi Mair? Ja genau, jener einst jugendlich bis zuweilen respektlos auftretende Nachwuchs-Landtagsabgeordnete der Grünen, der bis zum Regierungseintritt seiner Partei vor ein paar Jahren durch respektlose und zuweilen jugendliche Auftritte öfter einmal für Aufsehen im Land gesorgt hat. Galt Gebi Mair bis zur letzten Landtagswahl gar als der personifizierte Grund für die Landes-ÖVP, eine Koalition mit den Grünen auszuschließen, ist er seither vom vorlauten Saulus zum braven Paulus gereift. Zumindest seine Koalitionspartner von der ÖVP sehen das so und wohl auch nicht wenige seiner Fans und Kritiker. Anstatt mit Aktionismus den Blutdruck der konservativen Parteielite in die Höhe schnellen zu lassen, widmet sich der frühere Internatsschüler nun eben der seriösen aber ungleich unauffälligeren Aufgabe der Führung des Grünen Landtagsklubs. Mediale Auftritte sind selten, und wenn, verlaufen diese oft in einträchtiger Doppelconference mit seinem ÖVP-Pendant. Das einstige ideologische Feindbild namens Jakob Wolf, seines Zeichens Dorfbürgermeister im Ötzidorf Umhausen, ÖVP-Bezirksparteiobmann in Imst, Geschäftsführer des Tiroler Seniorenbundes, Landtagsabgeordneter und Landesbediensteter mit Pensionsanspruch hat sich zu so etwas wie Mairs politischem Intimus entwickelt. Auch kleine Koalitionen bewirken manchmal große persönliche Veränderungen. Und dennoch. Ganz von seiner früheren Leidenschaft, konservative und überhaupt alle Nicht-Grünen Politiker anzugreifen und aufzuklären über den Irrtum ihres ungrünen Weltbildes, kann er nicht lassen. Auf seinem Internettagebuch gebimair.blogspot.co.at finden sich neben allerhand Versuchen, die seiner Meinung nach viel zu klein geschriebenen Erfolge der eigenen Regierungsarbeit zu verkaufen, gelegentliche politische Querschüsse. Querschüsse auch in Richtung seines Koalitionspartners  oder zumindest dessen Um- und Vorfeldorganisationen. So eine Ehrensalve politischen Verbalschrotes entlud Klubobmann Gebi in diesen Tagen in Richtung des Tiroler Jägerverbandes, offiziell natürlich keine ÖVP- oder ÖVP-nahe Organisation, de facto praktisch zu hundert Prozent. Stein des Anstosses war für Mair eine...

Der Mann im Matsch

Langegger schrieb Julia eine SMS, ob sie nicht Lust hätte, sich mit ihm zu treffen. Sie antwortete mit „ja“. Er smste zurück, sie solle sich melden, wenn sie Zeit hätte. Er hätte immer Zeit, zumindest für sie, schrieb er noch. Das freute die Geliebte, die ja nur eine potentielle war. Also nicht wirklich, noch nicht wirklich. Aber das hätte sich ja noch ändern können. Das hoffte Langegger zumindest. Julia meldete sich nicht mehr. Langegger ging durch den Regen. Das war aber schon ein paar Tage später gewesen. Langegger dachte, er treffe sie einfach mal zufällig. Er hatte sich das auszurechnen begonnen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit war, Julia die kommenden Tage mal zu treffen. Die Stadt, in der sie beide lebten, war nicht so groß und daher war auch die Wahrscheinlichkeit nicht so klein, dass sie sich mehr oder weniger zufällig trafen. Vor allem auch, weil sie sich beide doch immer wieder in den gleichen Lokalen begegneten, mehr oder weniger zufällig immer wieder. Und als Langegger es ausgerechnet hatte, lächelte er still über seinen Laptop, mit dem er im Café saß, neben sich eine Tasse heißen dampfenden Kaffees. Er dachte, für ihn wäre Julia vielleicht wie ein Stromausfall. Alles weitere wollte er sich gar nicht denken. Alles Weitere wäre  zu viel gewesen. Und allen wollte er sagen: „Ich habe mit eurer Welt nichts am Hut! Lasst mich meine Freundin finden. Ich werde sie wiedersehen. Ich habe es ausgerechnet!“ Aber was ist eigentlich die größte Herausforderung beim Finden einer Person für eine gelungene Partnerschaft? Was sind die größten Konflikte, die ein Paar durchstehen muss? Eifersucht, Krankheiten, das Altern und schließlich der Tod?  Schlimmer vielleicht als all die Konflikte um die Welt? Um das Zusammenleben in der Welt. Schlimmer als all die...