Nie mehr zu scheitern ist auch keine Lösung...

  Das Jahr 2017 ist noch ziemlich jung, ganz im Gegensatz zu mir, wie ich neulich feststellen musste. Beim Durchlesen eines neuen Dienstvertrages habe ich neulich ziemlich gestutzt. Fast 10 volle Jahre Vordienstzeiten wurden mir da angerechnet. Mein erster Gedanke: Das muss ein Fehler sein. Das werd ich denen wohl melden müssen. Aber als ich begonnen habe, nachzurechnen, wurde mir klar: Das ist kein Fehler. Damals, mit 23, habe ich angefangen. Boah, war das damals aufregend. Einerseits hatte ich zwar gedacht, dass ich mit meinem Magistertitel in der Tasche die Königin der Welt wäre – MINDESTENS! – andererseits hatte ich furchtbare Angst, oder sagen wir besser Ehrfurcht, vor all meinen Aufgaben. An meinem ersten Arbeitstag sagte mein damaliger Chef: „Hab keine Angst vor Fehlern. Wo viel gearbeitet wird, passieren auch Fehler!“. Und ja, ich habe für den Rest meiner 20er sehr viel gearbeitet und ja, da sind auch Fehler passiert. Und Reibungen. Und Konflikte. Und obwohl mich damals alles so wahnsinnig gestresst hat, denke ich heute sehr gern an die anfänglichen Jahre meiner Berufstätigkeit zurück. Alles war eben neu. Jedes weitere Projekt wie eine völlig neue Welt, auf die ich mich voll eingelassen habe. Und wenn eins erledigt war, war ich schon wieder mittendrin, ein neues aufzubauen. Zwischendrin hab ich mich fortgebildet und insgesamt hatte ich das Gefühl, dass ich mich in meiner Arbeit jeden Tag ein wenig weiterentwickle. Seit 2 Jahren spüre ich es nicht mehr. Es gibt nur wenig, das mich jetzt noch vom Hocker haut. Natürlich passieren in meinem Job immer wieder neue Dinge, ich merke aber, dass nichts davon mehr wirklich neu für mich ist. Irgendwie ist das ja auch ganz angenehm, aber ab und zu steigt sie wieder in mir hoch, diese saure Blase,...

Ein Plädoyer für eine liebe Unbequeme...

Dies ist ein Plädoyer für eine liebe Unbequeme. Ich will euch heute erzählen, weshalb ich der festen Überzeugung bin, dass Sonja Pitscheider für das BürgermeisterInnenamt kandidieren können sollte. Das ist ja nicht mehr sicher, seit Georg Willi angekündigt hat, das auch zu wollen, und somit die Frage der Kandidatur auf Listenplatz 1, die laut Innsbrucker Wahlordnung an den Anspruch auf das BürgermeisterInnenamt gekoppelt ist, von den Tiroler Grünen in einer internen Wahl entschieden werden muss. Vorausgeschickt sei: um Georg Willi geht es in diesem Text nicht. Auch nicht um die Genese seiner Kanditatur und die möglichen Gründe dafür. Das ist Basisdemokratie. Es ist völlig in Ordnung. Es geht vielmehr darum, was, nach meinem Dafürhalten und aus persönlicher Erfahrung, gut für diese Stadt ist. Am 14. Juni 2006 wurde Sonja Pitscheider als Gemeinderätin angelobt. Damals war ich schon seit einigen Jahren aktiv im Lobbying für den Umweltverbund in Innsbruck. „Umweltverbund“, das ist die Summe der umwelt- und menschenfreundlichen Verkehrsmittel. Zusammen mit einigen anderen Menschen, die die Schnauze voll hatten von Feinstaub, Blech und Diesel als Resultat der verkehrspolitischen Fehl- und Rückentwicklungen unter Herwig van Staa, hatte ein Bekannter gemeinsam mit mir eine kleine Lobby- und AktivistInnengruppe gegründet mit dem Ziel, unsere Öffis durch gezielte Information an politische EntscheidungsträgerInnen und Verkehrsunternehmen zu verbessern, Fahrgastanliegen durchzusetzen, vor allem aber auch den Autoverkehr zurückzudrängen. Als seit jeher Grün-affiner Mensch hatte ich bei den Grünen dafür naturgemäß von Anfang an meine primären politischen AnsprechpartnerInnen, wobei auch eine Rolle spielte, dass Gerhard Fritz, umtriebiges grünes Urgestein und heute glücklicherweise unser Planungsstadtrat, und Uschi Schwarzl, nicht minder umtriebig und urgesteinig, die einzigen PolitikerInnen waren, die schon 1999 per E-Mail Fragen beantworteten, Anregungen aufnahmen und ausführlich über Sachthemen diskutierten. Ihnen ist es geschuldet, dass ich nicht schon am Anfang die Lust an der Zusammenarbeit...

Weihnacht ohne Ende

Es soll ja Menschen geben, für das ganze Jahr Weihnachten ist,  andere wiederum sind froh, wenn der ganze Spuk wieder vorbei ist, manche mögen es überhaupt nicht und würden sich am liebsten an diesen Tagen verkriechen. Und eine nicht unerhebliche Zahl von Zeitgenoss/innen ärgert sich über die bereits in der zweiten Oktoberhälfte einsetzenden Weihnachtswerbung und wohl auch über die bereits ab Mitte November eröffneten Weihnachtsmärkte. Wenige dürften wissen, dass mit dem Fest Marie Lichtmess, welches von der katholischen Kirche am 2. Februar gefeiert wird, die Weihnachtszeit zu Ende ist. Die Krippen in den Kirchen abgeräumt werden, und auch das dazugehörende Tannengrün wieder verschwindet. Der Astronomiekalender verrät uns,  dass um Lichtmess der Tag bereits um eine Stunde gewachsen ist.  Eh schon eine lange Zeit, könnte man denken, die das Weihnachtsfest jetzt schon wieder zurückliegt, auch   man die ersten Christbäume schon gleich nach den Weihnachtsfeiertagen vor den Hauseingängen oder auf den Müllinseln liegen sehen kann. Nichtsdestotrotz hält man es in Innsbruck damit nicht so genau und kann sich von der Weihnachtsstimmung nicht so leicht trennen. Geht man etwa dieser Tage durch die inzwischen auch schon längen vom Schnee befreiten Straßen der Innenstadt, so stoßt man immer noch auf diverse Weihnachtsbäumchen, und man denkt, ist es nur Nachlässigkeit, sie wegzuräumen, oder doch eher das noch schöne Wintergrün, das diese davor rettet, im Ofen oder im Biomüll zu landen. Auch die stählerne Weihnachtskrippe vor dem Tiroler Landesmuseum hat noch nicht in den Schrank zurückgefunden, wo sie das Jahr über wahrscheinlich aufbewahrt wird, und steht noch da und lässt sich wohl von den immer stärker werdenden Sonnenstrahlen zusätzlich bräunen. Sei’s drum. Wir werden ja sowieso immer wieder an Weihnachten erinnert, nicht zuletzt in einem Geschäft unter den Lauben in der Altstadt, wo man das...

10 Jahre Theater der Aggressionen...

            Am Freitag, den 17. Februar 2017,  findet  ab 20 Uhr die Zelebrierung des 10- jährigen Jubiläums des Theater der Aggressionen ihren vorläufigen Höhepunkt mit den Kchuttnbruntza, Inky And The Pain und Focaccia. Außerdem gibt es leckerstes veganes Futter! Bezüglich des Ortes der Feierlichkeiten kontaktiert bitte info@theatdaggres.at Davor und während der Focaccia wird es Teile aus den bisherigen Theaterstücken von Philmarie Theatdaggres literarisch zu konsumieren geben und natürlich können sich auch andere Menschleins literarisch austoben, ganz wie bei den „literarischen Umsturzversuchen“ Auf der Internetseite könnt ihr jetzt den Lnk zur Aufzeichnung von “Accion Muttante- Die Integrationsunwilligen” im freien Theater Innsbruck aufrufen. Sogar Untertitel sind dabei! Auf vimeo könnt ihr euch einige Gustostückerln von Philmarie und dem Theater der Aggressionen anschauen. Hier noch einen Vorgeschmack auf...

Die Sprache der Dinge

Nur noch diese Woche läuft in der Galerie im Taxispalais eine Ausstellung der kanadischen Künstlerin Jana Sterbak, die ich den provinnsbruck-Leser/innen noch sehr ans Herz legen möchte. Geht es darin doch um eine Art Materialität der Dinge,  künstlerisch gestaltete Artefakte,  kunstvoll angefertigte Gegenstände wie etwa Glaskugeln, oder verschiedene ineinandergeschobene Glasgefäße wie in der Arbeit  Hard Entry Y genannt.  Neun mundgeblasene Schalen aus Glas, die alle ineinandergesteckt sind. Laut Ausstellungsbegleitheft vom Essgeschirr buddhistischer Mönchen inspiriert ist,  und einen beinahe magischen Sog auf mich ausgeübt haben. Vielleicht auch nur, weil sie mich an jene Uhrspiralen erinnert haben, vor denen ich als Kind eine undefinierbare  Angst hatte, vielleicht wegen ihres plötzlichen Herausschnellens aus einem Spielzeugauto oder einem alten Uhrwerk, dass ich gerade neugierig zu zerlegen begonnen hatte. Dabei sind es „nur eng ineinander geschobene Gläser, die man gar nicht einzeln herausnehmen könnte, wie die Führerin mal erklärte, und sie strahlen eine Ruhe aus, die einen in den Bann zieht, zumindest mich hat dieses Ausstellungsstück in Bann gezogen. Ebenso fasziniert war ich von The Dress, einem mit Stromdrähten besetzten Stahlgeflecht, das, sobald man sich ihm nähert, magisch zu glühen beginnt. Es soll an Medea erinnern, jene Sagenfigur aus der griechischen Mythologie, die ihrer Rivalin ein vergiftetes Kleid zukommen ließ, dass die Haut derselben, sobald sie es anzog, verbrannte. Das Aufglühen der Drähte erfüllt einen mit Respekt, sich dem Objekt nicht zu nähern, Respekt vor der Macht? Auch noch in diesen Zeiten? Ebenso auch Hot Crown, ein metallener Ständer mit einer Krone, die ebenfalls stromdurchflossen ist, sobald sich die Besucherin / der Besucher nähert. In einer anderen Ecke des Galerieraumes zwei überdimensionale Krücken, wie für einen Riesen gemacht oder für einen gestiefelten Kater. Schön finde ich auch die schon an Eingang kurz erwähnten Glaskugeln....

Für welche Werte leben wir?...

Appelle drohen stets moralisierend zu werden, wenn sie nur den Verstand des Menschen ansprechen. Sie drohen pathetisch zu werden, wenn sie nur das Herz des Menschen erreichen wollen. Appelle scheinen generell ungerecht zu sein, denn sie versuchen die Leidenschaft wieder zum Leben zu erwecken, die den Tod der tausend kleinen Tode gestorben ist. Appelle versuchen gerade diesem Mechanismus des tausendfachen „Aber“ zu entkommen, um Ideale und Werte wieder in Erinnerung zu rufen. Unsere zur Gleichgültigkeit degenerierte Gelassenheit ist es, die den leidenschaftlichen Appell hervorruft. Unser sich nicht einfach mit den Umständen abfinden wollen und können ist es, das den leidenschaftlichen Appell bedingt. Unsere humanen und demokratischen Werte sind es, denen wir überhaupt die Möglichkeit zum öffentlichen Appell verdanken. Wenn ein Parlament sich selbst abschafft, dann ist dies zwar der legitime Gebrauch einer Möglichkeit, die aus ebendenselben Errungenschaften der demokratischen Moderne resultiert. Im gleichen Augenblick werden diese Errungenschaften jedoch im Zuge eines solchen Aktes mit abgeschafft. Ist das wirklich erstrebenswert? Sind das nicht ein reiner Seinsfatalismus und die daraus resultierende Selbstpreisgabe der eigenen Würde? Denn genau dies ist die Haltung der Gleichgültigkeit, die Usurpatoren, Despoten und Autokraten an die Macht bringt und sie dort am Leben hält. Kann uns das wirklich gleichgültig sein? Sind wir heutzutage nicht in einem Neo-Biedermeier angekommen, das sich in einer normopathischen Angleichung dem Diktat eines wie auch immer gearteten Außen unterwirft und sich gleichzeitig in den schizophrenen Schein einer Harmonie flüchtet, in der man sich wie ein kleines Kind die Augen zuhält und sagt: „Du siehst mich nicht, du siehst mich nicht!“? Wenn die ganze Welt für mich schon nicht mehr als mein Wille und meine Vorstellung erlebbar wird, dann zumindest meine Freizeitgestaltung und mein Kaufverhalten, das mir die sofortige Umsetzung aller Träume ermöglicht. Doch...