Wirtschaftskammer stoppt Kalkkögel-“Umfrage“: Nicht erwünschtes Zwischenergebnis führt zu Abbruch

Die Kalkkögel. Laut Umweltanwaltschaft droht bei einem Aufweichen der Ruhegebietsverordnung ein "Dammbruch" weiterer Erschließungen. Viele Projekte lägen in der Schublade (c)Alpenverein

Die Kalkkögel. Laut Umweltanwaltschaft droht bei einem Aufweichen der Ruhegebietsverordnung ein „Dammbruch“ weiterer Erschließungen. Viele Projekte lägen in der Schublade (c)Alpenverein

Es hätte eine „Umfrage“ gegen alle Regeln der Meinungsforschung und der Statistik werden sollen und das erhoffte Ergebnis hätte wohl als Rückenwind für eine Argumentationslinie für die Zerstörung des Ruhegebiets Kalkkögel dienen sollen. Doch mit der Mobilisierungskraft des Internets haben die Verantwortlichen der Tiroler Wirtschaftskammer offenbar nicht gerechnet.

Rasch machte die so genannte online-Umfrage auf dem Portal wk-interaktiv „Sollen die Skigebiete Axamer Lizum und Schlick 2000 im Stubaital mittels der Erschließung der Kalkkögel verbunden werden?“ in den sozialen Netzwerken die Runde – und rief Umweltschützerinnen und Umweltschützer auf den Plan. Diese riefen ihrerseits zur Teilnahme auf – mit dem zwischenzeitlichen Ergebnis, dass sich mehr als 80 Prozent der Umfrage-TeilnehmerInnen für den Erhalt der Kalkkögel aussprachen. Während sich bei anderen wk-interaktiv-Umfragen im Durchschnitt etwa 30 Personen beteiligten, waren es bei der Wirtschaftskammer-Kalkkögel-Umfrage binnen kürzester Zeit mehr als 900.

Die gewünschte Tendenz samt erhofftem Ergebnis seitens der Wirtschaftskammer Tirol wurde schon bei der Einleitung zur online-Umfrage deutlich. Dort stand sinngemäß, dass es nicht sein könne, dass der „grüne Schwanz mit dem schwarzen Hund wedelt“ – eine Phrase, die die obersten Seilbahner Tirols verwenden um der Landes-ÖVP auszurichten, dass sie sich von den mitregierenden GRÜNEN puncto Kalkkögel nicht blockieren lassen und den „Brückenschlag“ durchsetzen sollen. Doch mit der Mobilisierungskraft der Umweltschützerinnen und Umweltschützer hat man seitens der Wirtschaftskammer Tirol offensichtlích nicht gerechnet. Auf der ehemaligen, mittlerweile aus dem Netz genommenen „Umfrage“-Seite heißt es seit heute Mittag:

screenshot von wk-interaktiv, dem online- Umfrageportal der Wirtschaftskammer

screenshot von wk-interaktiv, dem online- Umfrageportal der Wirtschaftskammer

„Sehr geehrter Tiroler Unternehmerin (sic!) und Unternehmer, das Voting ist abgelaufen. Die Umfrage ergab kein repräsentatives bzw. ein manipuliertes Ergebnis, da weniger als 10 Prozent der Umfrageteilnehmer von der WKO-Plattform „Service-News“ aus geantwortet haben.
Mehr als 90 Prozent der Antworten stammen aus dem sozialen Netzwerk (facebook) und können somit nicht Unternehmerinnen und Unternehmern zugeordnet werden.“

Mein Fazite:
– Werte Wirtschaftskammer, dumm gelaufen
– Das Machen von Umfragen will gelernt sein
– Die Befürworterinnen und Befürworter eines Erhalts des Ruhegebiets Kalkkögel können wirklich gut mobilisieren
– Nix isses vorerst mit einem im Rahmen einer Pressekonferenz verkündeten und per Umfrage untermauerten „klarem Ja der Tiroler Unternehmerinnen und Unternehmer zum Skigebietszusammenschluss über die Kalkkögel“
– meine kommende Umfrage „Ist Markus Koschuh der beste Kabarettist Tirols?“ lasse ich sicher nicht über wk-interaktiv laufen. Ich zahle doch nicht für 92 Prozent Ja’s um sie mir dann via facebook auf 89 Prozent Ja’s runter schrauben zu lassen.

9 Antworten : “Wirtschaftskammer stoppt Kalkkögel-“Umfrage“: Nicht erwünschtes Zwischenergebnis führt zu Abbruch”

  1. Wolfgang sagt:

    Bin heute leider nicht mehr dazugekommen, bei der Abstimmung mitzumachen…
    Zum Glück gibts die Petition des Alpenvereins noch 🙂

  2. Onlinegscheitloch sagt:

    Wo soll das hinführen, wenn alle mitreden. Lasst doch die Wirtschaft entscheiden, was gut für uns ist: Menschenrechte und Umweltschutz sind was für Spinner, Profit und Wettbewerb sind gefragt!

  3. ingibingi sagt:

    DIE Wirtschaft möchte alles bestimmen, möchte Gesetze, die zum Schutze unser Aller Natur und Umwelt geschaffen wurden, mit einer entsetzlichen Ungerührtheit aushebeln, indem sie der Bevölkerung vorgaukelt, das alles nur ein Klacks wäre. Die Wirtschaftstreibenden im Stubaital, die jetzt schon schwer über die Runden kommen, weil die Kreditzinsen drängen und der Exekutor vor der Tür steht, möchten sich durch diese Millionen Bahn retten. ABER, das wird nichts, weil, wenn sie sich durch diese Bahn gerettet sehen wollen, dann führt das halt in 2 Jahren zum Konkurs ! UND alle Tiroler zahlen für diesen Unfug und dieses Millionengrab !
    Wir brauchen diese Bahn NICHT !!!

  4. Sam Hochreiter sagt:

    Muttereralm kein Schnee, unattraktives Schigebiet keine Schifahrer. Schlick unattraktives Schigebiet wenig Schifahrer. Axamer Lizum attraktives Schigebiet, wenig Schifahrer. Warum in Gottes Namen sollen mehr Schifahrer kommen wenn eine Verbindung gebaut wird? Wenn der Schifahrer zum hin und herfahren 1 Stunde braucht.
    Welche Tiroler werden dort Schifahren, wenn die Tageskarte dann 45€ kosten wird?
    Woher kommen die täglich 5000 mehr Schifahrer, die die 120.000.000€ finanzieren? Wer will uns da verarschen? Diejenigen die das anzetteln sollen auch für die Kosten bürgen.

  5. andreas pichler sagt:

    🙂
    blöd halt wenn ein koalitionspartner auch darauf besteht dass der koalitionsvertrag eingehalten wird
    und wenn die anti-kalkkögel-seilbahner die övp als hund bezeichnen wollen……

  6. Barb sagt:

    Die Kalkkögel sind als Ruhegebiet für den Sommertourismus attraktiv – wie ein kleiner Nationalpark – ein Schigebiet würde dieses Juwel zerstören, ich verstehe nicht, dass jemand glauben kann, dass sich ein weiteres Schigebiet rentiert, es gibt so viel Auswahl in Tirol – ein weiteres Schigebiet ist eine reine Schuldenfalle – wieso setzt man in Bezug auf die Kalkkögel nicht auf ihre Unversehrtkeit, ist doch viel logischer und sinnvoller und für Alpinisten anziehender!

    • EGal sagt:

      Dieser Kommentar ist nicht ganz richtig, obwohl ich deiner Meinung bin 😉 Es entsteht mit der Zusammenschließung kein NEUES Skigebiet, sondern es werden nur zwei Skigebiete miteinander verbunden!

  7. Es ist genug mit der Zerstörung der österreichischen Naturgebiete für den schnöden Mammon. Die irren Bergballermannevents der Typen um einen Günter Aloys haben einst mit dem Wahnsinn begonnen. Sämtliche Vollidioten und Antisportler sowie blödes Partyvolk a la Tara und Moni werden mit möglichst sitzbeheizten Megabahnen ( deppate hams gern warm) nur um des schnöden Mammon willens in einst schöne alpine Gebiete gekarrt. Im Endeffekt will ja doch nur der gierige Riese Garaventa-Doppelmayr sein überteuertes Glumpert verkaufen. Dessen Bahnmodelle fügen sich überhaupt nicht in die Natur ein. Gut so , wie es gelaufen ist. Beim Haselsteiner in Kärnten gehts um ähnliches, die Wurtenkees. Auch hier geht dahingehend aufgrund vernünftiger Menschen nichts .

  8. Otto sagt:

    „Im Zweifel für die Wirtschaft“ hieß es unter dem Eberle. Dieses Projekt offenbart nämlich eine typische Tiroler Scheinheiligkeit: Einerseits gegen Transiverkehr und Luftverschmutzung sein; andererseits selbst Natur- und Umweltzerstörung betreiben. Wahrscheinlich ist „hausgemachte“ Natur- und Umweltzerstörung die Bessere als die Fremde.

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