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innsbruck
die hauptstadt steht zu diensten & der steinerne bretterzaun der nordkette zermalmt jeden weitern horizont. rauchiges kcha in der kehle unflaetige grobheit auf der zunge & gamsbaertige praepotenz hinterm hosenlatz in den spitzen schuhen & den geschmalzten haaren. die gastlichkeit ist seit jahrhunderten die gleiche: olymische preise & kchredit kcheinen auch er des kaisers ist was max so veraergert hat daß er sein grab leer hnter sich ließ. dafuer in einer nacht- und nebelaktion gefladerte knochen des großen suedtiroler guerilleros in der heiligen kirche. trauerflor an seinem wimpel. trauer um suedtirol allenthalben an waende geschmierte freiheit wohl eher trauer um reichtum & wein… freiheit den geknechteten welche freiheit: schwaerze in schwaerze getunkt? in schwarzen rinnen fließen geld & kultur den unterentwickelten bruedern zu. In den beiden bordellen vergessen dafuer unsre musikanten & schuetzen insignien & instrumente nach dem requiem fuers gespaltne land.

der inn gruent. das rundgemaelde ist rund. die tram rotweiß. das essen selten gut. der kaffee scharfes waschwasser. guelden ist ein dach & ueber nacht werden die gartenstuehle an die kette gelegt. der buergermeister bleibt sich gleich. die unterwelt hat ihre dimension & hoetting unverdienterweis ein schlechten klang. unverhohlen ist der haß gegen fremde dreckarbeiter. warmer wind macht lahm. mit schiern kommen die innspruggerlen zur welt & kchraehend. kurioses ambras oder ein stueck von uns & nicht weit davon an holzgeistern das gewand des alten tyrol & ratzekahle museumsstuben. philippine ach philippine in dieser rauhheit hat Deine liebe geblueht. aber schließlich warst Du bankhaustochter & silbern ist Deine todesstatt.
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norbert c. kaser (1947-1978)

Foto: Kaser, Norbert Conrad ca. 1968. vom Haymon-Verlag

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