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Wie funktioniert eigentlich die Heimat?

Wird ein Text als Gebrauchsanweisung bezeichnet, klingt das zwar durchaus nützlich, aber nicht unbedingt fesselnd. „Gebrauchsanweisung für Tirol“ vereint beides und sollte in keinem Bücherschrank fehlen. Dieses Buch entwirft ein vielseitiges und kurzweiliges Panorama von Tirol, verbindet historische Fakten mit aktuellen Entwicklungen und bietet Einheimischen wie „Zugroasten“ – also allen noch nicht seit drei Generationen hier Ansässigen – viel Wissenswertes.

Dass es sich so amüsant liest, ist unter anderem den persönlichen Anekdoten des Autors geschuldet. Mit viel Selbstironie und Sprachwitz gibt er Einblick in die Gedankengänge eines aufgeklärten Tirolers.

Dabei räumt Schuchter mit so manchem Klischee augenzwinkernd auf und beweist, dass man seine Heimat mögen und vielleicht sogar lieben kann, ohne sie kritiklos anzuhimmeln: Er nimmt den legendären Lokalpatriotismus auf die Schaufel und spricht auch historische Schattenseiten an.

Statt damit zu protzen, präsentiert der Autor sein Wissen auf ebenso eingängige wie humorvolle Weise. Kapitel mit Titeln wie „Der Kaspressknödelfaktor“ und „Schlecht frisierte Rebellen“ laden zum Schmökern ein und vermitteln auch Vollzeittiroler(inne)n einige Neuigkeiten.

„Ein anderes T-Shirt, dem man in den letzten Jahren oft begegnet, präsentiert eine stilisierte, freundliche, aber leicht debile Kuh mit dem Hinweis Tiroler Grauvieh, darunter erläuternd: robust, langlebig, gutmütig. Mehr kann man über die Tiroler fast nicht sagen.“

Bernd Schuchter: Gebrauchsanleitung für Tirol. Piper, 224 Seiten.

Anmerkung: Ich kenne Bernd Schuchter seit unserer gemeinsamen Schulzeit und schätze ihn persönlich sehr. Dass es sich trotzdem um keine Gefälligkeitsrezension handelt, können alle feststellen, die sich sein Buch besorgen.

 

Andreas Wiesinger

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