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Wider das Vergessen

Am 9. November 2013 gedenken wir der Reichspogromnacht vor 75 Jahren, welche den Übergang von der Diskriminierung der deutschen Juden seit 1933 zur systematischen Verfolgung markierte, die knapp drei Jahre später in den Holocaust an den europäischen Juden im Machtbereich der Nationalsozialisten mündete.

Auch in Innsbruck kam es in der Nacht des 9.November 1938 zu Übergriffen auf die jüdische Bevölkerung. Mit diesem Thema befasst sich der Film „Zersplitterte Nacht“, welcher ab 31.10.2013 im Metropolkino läuft.

Mit den Mitteln des Doku-Dramas, Interviews mit Zeitzeugen, Archivmaterial und inszenierten Szenen wird die Entwicklung der Gewaltspirale und ihre Auswirkungen auf Opfer und Täter filmisch dargestellt und die wahre Geschichte des Ing. Richard Berger, dem Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Innsbruck, der von den Nazis brutal ermordet wurde, erzählt.

Ohne reißerisch zu sein bringt „Zersplitterte Nacht“ die Geschichte der jüdischen Bevölkerung in Innsbruck in der Zeit des Nationalsozialismus auf den Punkt und hinterlässt die Zuseher mit dem Auftrag, die Geschichte kritisch zu beleuchten und das dunkelste Kapitel unserer Geschichte nicht der Vergessenheit anheim fallen zu lassen.

„Zersplitterte Nacht“ wurde bereits in das Visual Center des Holocaust Center Yad Vashem im Jerusalem aufgenommen, die wohl höchste Auszeichnung für diesen Tiroler Film.

Trailer und Infos zum Film unter: www.avgproduktion.com
Links zu "Zersplitterte Nacht" im Metropol Kino: www.metropol-kino.at/movie/5154/zersplitterte-nacht

JUDITH MÜLLER


2 Comments

  1. Zersplitterte Nacht

    … ist nicht die 100. objektive Dokumentation über die wahnsinnigen Auswüchse des Nationalsozialismus. Der Dokumentarspielfilm zeigt die Motive Richard Bergers, dem damaligen Vorsitzenden der jüdischen Kultusgemeinde in Innsbruck, die Stadt nach dem Anschluss nicht zu verlassen, sondern sich stattdessen um die Belange seiner Gemeinde, als stolzer Tiroler einzusetzen. Richard Berger wurde in der Pogromnacht vom 9. auf 10. November 1938 auf feige und hinterhältige Weise von 3 Nazis erschlagen.
     

    Meiner Meinung nach zeigt der Film auf, dass Rassismus und Nationalismus nicht irgendetwas ist, das irgendwo anders (aktuell in Ungarn) oder in einer anderen Epoche passiert, sondern jederzeit, immer und überall und vor der eigenen Haustüre wieder geschehen kann.
     

    Leider kommen die Handlungsmotive, warum Rassismus passiert, viel zu kurz. Hier schafft es der Film leider nicht, endgültig zu zeigen, wie wirtschaftliche oder soziale Unsicherheiten und dadurch unbegründete Ängste den Nährboden für Nationalismus oder Rassismus aufbereiten. Gerade dieser Aspekt wäre mir vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzkrise wichtig, in der zum Teil wieder rassistische Ressentiments bedient werden, um sich die Lage möglichst einfach darzustellen.
     

    Abschließend ist zu bemerken, dass der Film eine Bereicherung ist und dass wir alle dankbar sein können, dass wir (noch) in einer liberalen Demokratie leben. Wider das Vergessen!

     

    von Pat Auss

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