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Warum Außenseiter wählen?

Wenn bei der Nationalratswahl am 29. September 8 Parteien auf dem Wahlzettel stehen, dann ist es für 2 davon keine Selbstverständlichkeit.
Ohne einen zum erheblichen Teil finanzierten Parteiapparat, ohne Parteienförderung und ohne großartige Spendenmittel bedeutet ein Antreten zu einer Nationalratswahl vor allem eines, Engagement und Arbeit.

Es bedeutet, dass sich viele Menschen unentgeltlich in ihrer Freizeit auf die Straße gestellt haben, um die nötigen 2600 Unterschriften zu sammeln. Es bedeutet aber auch, dass zumindest 2600 Wahlberechtigte sich die Zeit genommen haben um namentlich und ausgewiesen ihre Unterstützung für die Wählergruppe zu bekunden.

Es bedeutet auch, dass fast 4000 Euro Gebühren aufgebracht wurden.
Es mussten Menschen gefunden werden, die ihren Namen und ihr Gesicht als KandidatIn einsetzen und sich sicherlich mehr als einmal anhören müssen, warum sie sich denn für eine Liste aufstellen lassen, die ohnehin keine Chance hat.

Gleichfalls unentgeltlich und in der Freizeit wurde an einem Programm gefeilt, die Wahlwerbung konzipiert und aus der eigenen Tasche Geld für wenigstens ein paar Werbemittel zusammengekratzt. Kleinplakate mussten gedruckt oder gar kopiert werden und müssen des nächtens an die paar Stellen verteilt werden, die noch nicht von den Werbefirmen der Großen belegt sind. Es werden Kleinveranstaltungen besucht, während sich die Großen der Bühne des staatlichen Fernsehens bedienen dürfen und gelegentlich erbarmt sich der Redakteur einer Bezirkszeitung um zumeist gemeinsam mit den anderen „Sonstigen“ ein paar Zeilen in seine Zeitung zu drucken.

Ich konnte im Laufe meines Lebens viele kennenlernen, die diese Mühe auf sich genommen haben, alleine aus der Überzeugung heraus das Richtige zu tun und ohne zu erwarten jemals etwas zurückzubekommen.

Wenn ich bei der kommenden Wahl meine Stimme für „Alternative Listen, KPÖ Plus, Linke: Unabhängige“ abgeben werde so ist das nicht nur die aus meiner Sicht bestmögliche Wahl. Es ist auch mein persönliches Misstrauensvotum gegen Sebastian Kurz und seine Politik. Es ist das Gewicht, das ich im Kampf gegen die gemeinsame Ursache von Klimawandel und Unrecht in die Waagschale werfen kann.
Vor allem ist es aber auch ein Danke an jene, die mir diese Wahl ermöglichen.

Nur eines ist es nicht, eine verlorene Stimme.

WOLFGANG SAMSINGER

Tirol anders

Gast

3 Comments

  1. Hallo Wolfgang! Du zählst hier viele gute Gründe auf, Menschen, die sich engagieren, Respekt entgegenzubringen. Deine Behauptung, eine Stimme für KPÖ oder Wandel wäre nicht verloren, ist allerdings nicht nur falsch sondern recht problematisch: Aufgrund des Wahlsystems ist eine Stimme für eine Liste, die keine Chance auf den Einzug hat nicht nur verloren, sondern erhöht die Chancen der stärksten Parteien (ÖVP, FPÖ) auf ein zusätzliches Mandat. Auch wenn ich deine Sympathien nachvollziehen kann, sind die oben genannten Argumente einfach keine guten. LG

    • Numerisch mag am Argument der „verlorenen Stimme“ etwas dran sein, aber wenn man KPÖ und Wandel zusammenzählt, dann sind im ungünstigsten Fall knapp acht Prozent der Stimmen ungültig. Wenn wir JETZT auch noch dazuzählen, dann sind es knapp zwölf Prozent. Nun ja, das mag – gesetzt den Fall, dass alle drei Listen knapp scheitern sollten – mandatsmäßig einiges ausmachen. Andererseits ist es bei den bestehenden Mehrheitsverhältnissen tatsächlich unerheblich, ob rot und grün ein paar Prozente mehr oder weniger bekommen. Die schwarzblaue Mehrheit ist so sicher wie das Amen im Gebet. Warum die Stimmen für die Kleinparteien „verloren“ sind, hängt übrigens mit einem unfairen Wahlrecht zusammen, gemäß dem nicht jede Stimme gleiches Gewicht hat. Die KPÖ wäre beispielsweise seit 2006 jedesmal mit einem Vertreter im Nationalrat, wenn es die Hürde nicht gäbe. Ideell ist allerdings eine Stimme, mit der man eine vermeintlich aussichtsreichere Partei wählt, anstatt die Partei, deren Positionen man am besten findet. Außerdem haben andere Parteien diese Hürden beschlossen und profitieren auch noch davon. Die Grünen wollten unter Bürgermeister Willi sogar die Vierprozenthürde im Innsbrucker Gemeinderat einführen. Und auch die SPÖ hätte bei diesem Kuhhandel mitgemacht. Sollen die Wähler*innen, die eigentlich diese Parteien dafür, dass sie Hürden für die Anderen einziehen, auch noch von den Wähler*innen belohnt werden?

  2. Der Mythos der verlorenen Stimme oder wie die Kartellparteien mit allen Mitteln auf Stimmenfang gehen.

    Wer so wie Wolfgang Samsinger handelt, demonstriert etwas, nämlich seine Werte. Es zeigt ganz einfach wofür mensch steht. Das ist natürlich niemals eine verlorene Stimme. Verloren ist ein Stimme nur dann, wenn sie überhaupt nicht abgegeben wird. Es ist ja absurd sich von Meinungsfabrikanten und Spindoktoren, ohne jegliche Legitimation einreden zu lassen, wie eine Wahl zu treffen ist, damit sie nicht verloren. Wir sind keine Lämmer, wir sind mündige Staatsbürger!

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