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Von Olympischen Ringen und dünnem Eis

Der olympische Olympiabrunnen im Olympischen Dorf (c) Helmut Schiestl

Mit 7 Jahren, im Olympischen Dorf aufwachsend, hab ich mich auf’s Olympische Glatteis begeben: Den zugefrorenen Olympischen Brunnen im Olympischen Dorf wollte ich überqueren. Zusammen mit dem Olympischen Oliver, Schul- und Kinderfreund. Oliver schaffte das „Wunder von Innsbruck“. In 2:02, 2:03, 1:64,76! Dann ich: Unter erschwerenden Bedingungen (die Schultasche am Rücken) tänzelte ich elefantengleich über’s Eis. Frei nach dem Motto: Dabei sein ist alles, bei jedem Blödsinn mitmachen ist noch viel mehr und baden gehen tun nur Loser.
Dann kam der Einbruch. Und nicht der meiner Form. Das Olympische Eis, das mich eben noch getragen und mir die Illusion von nachhaltiger, ökologischer Stabilität gegeben und mir auch wirtschaftliche Tragfähigkeit suggeriert hatte, knackte, bekam Risse – und ich brach ein. Dabei hatte alles so gut ausgesehen und gewirkt: Das blanke Eis hatte mir mich selbst, kindlich naiv lächelnd und an das Gute in der Welt glaubend, gezeigt. Und im selben Moment die Ernüchterung: Zack – das Wasser stand mir bis zum Hals.

Denn gottlob hatten die Olympischen Bauväter getrickst: Der Brunnen war kein Brunnen, er war ein Lackerl. Irgendwie ein Speicherteicherl des erfrorenen Olympischen Gedankens. Olympische Illusion pur.
Und doch bezahlte ich das Olympische Abenteuer teuer: Ich entfleuchte einer Lungenentzündung in Olympischen Dimensionen nur knapp und beim Zuschauen von Pflicht&Kür der Olympischen Eisprinzessinnen und -prinzen kriege ich heute noch einen starren Blick und meine Augen bekommen Ringe. Fünf an der Zahl und in allen Farben.

Das Olympische Eis ist dünn und nicht tragfähig.
Nachhaltiges Trauma inklusive.
Knack.

Markus Koschuh

One Comment

  1. Geniales Gleichnis von nahezu jesuanischer Klarheit und Prophetie bei kaum zu überbietender satirischer Originalität! Selten ergibt sich wie hier aus scharfer Übereinstimmung von Bild- und Sachhälfte aus einer deutlichen Diagnose die dem entsprechende Prognose. Auch die Themen Prestige & Gewinnorientierung kommen nicht zu kurz. Und die sogenannte persönlichkeitsformende Kraft des Sports inklusive seiner mehr versprechenden als halten könnenden neuerdings so benannten erotischen Komponente entzuckert unser Hauskabarettist schon wegen des Winters in vielfachem Sinn mühelos. – Assoziation zu dieser Glosse: In Shakespeares „Richard III“ ist ~ vom Winter unseres Miß[17. Jh.: sic!, nicht ss]vergnügens oder unserer Zwietracht? die Rede. – „In den Herzen wird´s warm“: zu Weihnachten etwa aber doch nicht wegen des Winters, wegen Kälte, Schnee, Eis und Sport damit.
    Bauen (Straßen, Häuser) + „Panem et Circenses“ ist – als Nebeneffekt auch eine gelungene Ablenkung von anderen, vernachlässigten politischen Feldern und Aufgaben (z.B. teuren sozialen, ökologischen, kulturellen, …)!

    Wer meint, dass dort, wo gehobelt wird, nicht auch Späne fallen, irrt. Das ganze Spektakel hinterlässt sicher viel mehr Lärm, Schmutz, „Verwüstung“, Umlandzerstörung, …, als aktiv geplant oder passiv geahnt. {[(Und was rechnet sich schon heutzutage?)]}

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