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Spannendes Stück im Theater praesent

Ein interessantes Stück ist derzeit im Theater praesent zu sehen. Waisen: ein sehr packendes und vor allem auch sehr gut inszeniertes Theaterstück des englischen Dramatikers Dennis Kelly.

Worum geht es? Das junge Paar Danny und Hellen will einen netten Abend zu Hause feiern, da steht plötzlich  Hellens Bruder Liam (packend gespielt von Edwin Hochmuth) mit blutverschmiertem Hemd unter der Tür. Er erzählt, dass das Blut nicht von ihm sei, dass er vielmehr einem Jungen auf der Straße geholfen hat, der bei einer Messerstecherei schwer verletzt wurde, und die beiden nun bittet, die Polizei zu rufen, damit der Junge ins Krankenhaus gebracht wird. Misstrauisch stehen die beiden der Geschichte Liams gegenüber, der sich dabei immer mehr in Widersprüche verwickelt. Nicht zuletzt ist Liam immer wieder durch kleinere Gewalttätigkeiten mit dem Gesetz in Konflikt gekommen.

Was sich nun in den kommenden eineinhalb Stunden an Dramatik zwischen den drei Protagonisten zuspitzt, ist  wirklich beachtlich und gibt einem kaum Verschnaufpause. Vor allem Liam schafft es immer wieder, durch neue Finten der von ihm erzählten Geschichte einen Drive zu geben. Und Hellen will ihrem Bruder natürlich helfen, während ihr Mann eher zögert, schließlich setzen sie dabei auch viel aufs Spiel, wenn sie da in etwas hineingezogen werden, und Hellen erwartet ein zweites Kind.

Das Stück ist sehr dicht und spannend, was nicht zuletzt auch am Ensemble liegt, neben dem schon erwähnten Edwin Hochmuth sind das noch Michaela Senn und Philipp Rudig, die unter der Regie von Agnes Mair ihr Bestes geben und aus dem Stück einen anregenden Theaterabend machen.

Und die Fragen die dabei entstehen, die wohl nach dem eigenen Verhalten in solchen Situationen. Wäre ich bereit, eventuell meine gesetzliche Reputation aufs Spiel zu setzen um einem nahen Verwandten oder Freund zu helfen. Würde ich am Ende selbst gewalttätig werden?  Was kann ich noch vor mir selber verantworten, wo würde ich Grenzen überschreiten?

Dieses Stück gibt darauf keine eindeutigen Antworten, aber es regt zum Nachdenken an und vermittelt uns vielleicht auch einen differenzierten Blick auf die Vielschichtigkeit unserer Persönlichkeit und unseres Weltbildes, von dem wir immer glauben, dass es so festgefügt ist.

Hier noch die weiteren Termine: 23.| 24.| 25.| 30. November und 1.| 7.| 8.| 9. Dezember 2017 jeweils 20 Uhr

Foto: Theater praesent

Helmut Schiestl

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