Servus, mach’s guat: Ein Abschiedsbrief

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Das Kinderbüro beendet die Arbeit in Innsbruck.

Es gab so viele schöne Momente. Beim Nachdenken darüber, was für mich die Highlights der dreijährigen Tätigkeit des Kinder- und Jugendbüros in Innsbruck waren, kommen viele farbenfrohe Bilder in meinen Kopf: Jugendliche, die sich erstmalig mit dem Gemeinderat über ihre Themen austauschen, „Spirit of Change“ als Green Event, Spiele-Nachmittag mit Flüchtlingskindern, Projekt-Wochenende am Piburger See, Jugendbegegnung in Berlin, Kinder malen ihren Traum-Spielplatz und Vieles mehr. Die Arbeit war bunt, vielfältig und überraschend.

Ich war 24 als ich den Job bekam, zuerst noch etwas schüchtern und beobachtend, doch schnell wuchs ich mit meinen Aufgaben. Für mich war die Kinder- und Jugendbeteiligung in Innsbruck eine Spielwiese, auf der ich mich so richtig austoben durfte. Die Stadt Innsbruck als Auftraggeber war hierbei stets ein zuverlässiger Kooperationspartner, der mir auch in schwierigen Situationen hilfreich zur Seite stand.

Herzstück meiner Arbeit war der Aufbau und die Begleitung des Innsbrucker Jugendrats. Ich durfte miterleben, wie junge Menschen an Selbstvertrauen gewinnen und sich nicht davor scheuen, ihre Meinung gegenüber Erwachsenen zu vertreten. Dabei sind Jugendliche so ehrlich und es ist ihnen egal, ob sie damit politisches Kleingeld verdienen oder nicht, denn ihnen geht es um die Sache. Sie trauen sich Dinge anzusprechen, vor denen etablierte PoltikerInnen zurückschrecken. Das ist eine unglaublich wertvolle Ressource! Inzwischen sind meine „Schützlinge“ vom Jugendrat 16 Jahre alt, sprechen selbstbewusst vor dem Gemeinderat, vertreten ihre Meinung in Ausschüssen und machen ihre eigene Live-Radiosendung. Ich wünsche ihnen viel Ausdauer, Mut und Kraft für ihr weiteres Engagement und hoffe, dass sie das Recht auf Mitbestimmung und Meinungsfreiheit so sehr verinnerlicht haben wie ich.
Kinder und Jugendliche gehören in alle Bereiche der Stadtpolitik einbezogen!

Kinder- und Jugendbeteiligung ist eine Querschnittsmaterie und die Meinungen sowie Bedürfnisse von den jungen InnsbruckerInnen sind im Bereich Schule und Bildung ebenso zu beachten wie in der Stadt- und Verkehrsplanung, in kulturellen Angelegenheiten oder etwa Umwelt und Energie. Kinder und Jugendliche sind von allen politischen Entscheidungen in gleichem Maße betroffen wie Erwachsene und dürfen deshalb nie vernachlässigt werden! Wir vom Kinder- und Jugendbüro haben an dieser Stelle Pionierarbeit geleistet und durften miterleben, wie gewinnbringend die Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen für alle Beteiligten ist.

Die erste Zusammenarbeit mit dem Amt für Grünanagen war die Beplanung des Gutshofwegs mit Jugendlichen vom Jugendzentrum Space. Es folgten gemeinsamen Projekte für die Saurweinwiese, den Huttererpark und die Spielplätze im Stadtteil Mühlau. Eine weitere wunderbare Kooperation entstand mit dem Amt für Verkehrsplanung und Umwelt und dem Amt für Stadtplanung, Stadtentwicklung und Integration der Stadt Innsbruck. Im Rahmen des Modellprojekts „Auf Kinderfüßen unterwegs in Pradl & Arzl“ konnten sich Kinder sowohl positiv als auch negativ über ihren Stadtteil äußern und Verbesserungsvorschläge einbringen.

Ein ganz besonderer Teil meiner Arbeit, der mir sehr ans Herz gewachsen ist, ist das Engagement für die Kinderrechte. Ich werde wohl nie vergessen, wie ich und Vize-Bürgermeister Christoph Kaufmann bei einer Aktion zum Kinderrechte-Tag 2015 von einem gewissen Herrn in der Rathausgalerie zurechtgewiesen wurden, dass wir nicht so viel Lärm mit den Kindern machen sollen, weil in Österreich halte sich eh jeder an die Kinderrechte! Zum einen kann man wohl nie oft genug auf die Kinderrechte hinweisen und zum anderen ist es leider mitnichten so, dass in Österreich alle Kinderrechte für alle Kinder gelten.

Mein persönliches Engagement galt hierbei ganz besonders geflohenen Kindern und Jugendlichen, für die ich mich in Gesprächen und Stellungnahmen stark machte. Unter anderem besuchten wir im Sommer 2016 mehrmals die Kinder in der Traglufthalle in Hall in Tirol, die als Flüchtlingsunterkunft genutzt wurde und unterstützten die Kampagne „Keine halben Kinder“. Ich schrieb Stellungnahmen an die Bundesregierung zu den Verschärfungen der Familienzusammenführung und zur Notverordnung und nahm an den Sitzungen des Netzwerks Kinderrechte Österreich in Wien teil. Diese Treffen brachten mir nicht nur einen enormen Wissenszuwachs, sondern auch Energie und Antrieb, um mich zukünftig noch stärker für Kinderrechte und Menschenrechte einzusetzen.

Was ich selbst von der Arbeit im Kinderbüro mitnehme, habe ich versucht mit meinen Ausführungen in Worte zu fassen. Hierbei fehlt bislang der Punkt, dass ich all das, was in Innsbruck erreicht wurde, niemals hätte alleine schaffen können. Das Motto „nur gemeinsam sind wir stark“ hat sich ein weiteres Mal bewährt! Ein großer Dank gilt dem Kinderbüro-Team in Graz, das mich so warmherzig aufgenommen, ermutigt und liebevoll unterstützt hat! Dass ich frei und vielfältig arbeiten konnte, verdanke ich vor allem dem Vize-Bürgermeister Christoph Kaufmann und Birgit Ginter vom Sachgebiet „Kinder und Jugend“. Viele FreundInnen, ProjektpartnerInnen und UnterstützerInnen, haben mich über die Jahre bei der Arbeit begleitet. Ihnen allen gebührt mein ganz persönlicher Dank, allen voran denjenigen, die als Ehrenamtliche dabei waren.

Aus „Susi vom Kinderbüro“ wurde ab Sommer 2015 das „Team Kinder- und Jugendbüro Innsbruck“. Plötzlich waren Diren Cakmak und Milad Sekandari mit an Bord des Kinderrechte-Schiffs. Ich kann mir keine bessere Crew vorstellen! Gemeinsam motivierten wir uns, teilten viele Freuden, halfen uns, wenn es mal nicht so gut lief und waren immer füreinander da. Ich bin mir sicher, dass Diren und Milad den Kinderbüro-Spirit in Innsbruck weitertragen werden.

Ab Februar 2017 übernimmt die Stadt Innsbruck das Ruder für die Kinder- und Jugendbeteiligung selbst. Alle Beteiligten werden ihr Bestes tun, um dem Pflänzchen, das wir drei Jahre emporwachsen ließen, auch weiterhin einen guten Nährboden zu geben. Die wichtigste Zutat hierfür heißt Vertrauen. Mit Vertrauen, Freiheit und wertschätzendem Umgang werden Kinder und Jugendliche auch zukünftig eine starke Stimme in Innsbruck haben!

Susanne Meier
Foto von shabanali wafadar

2 Antworten : “Servus, mach’s guat: Ein Abschiedsbrief”

  1. Helmut sagt:

    Namaste, liebe Susi! Wir hatten ja noch nicht allzu viele Gelegenheiten zum Austausch, aber wenn’s soweit war, im Rahmen des Kinderrechtenetzwerks, war deine Begeisterung für deine Arbeit = mit Kindern und Jugendlichen immer sofort spürbar und ansteckend. Mal sehen, mit welchen Ideen du von deiner Reise wieder zurück kommst – alles Beste!

  2. Melania sagt:

    Bestärkend, wertschätzend und rührend.
    Danke für deine ehrlichen Worte und das gemeinsame Projekt!
    Ich wünsch dir weitere tolle Erfahrungen und Erlebnisse, an denen du wachsen und dich konstruktiv einbringen kannst 🙂
    Ich freu mich dich irgendwann wieder zu sehen!

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