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Schule adieu!

Immer wieder passiert es mir, dass ich achtlos an verschiedenen Innsbrucker Gebäuden und Institutionen vorbeigehe, ohne sie näher zu beachten. Auch vergangenen Sonntag ist mir das wieder beinahe passiert, nein, da hatte ich nach einem ausgedehnteren Spaziergang durch den schönen Saggen auf dem Weg zurück in die Innenstadt Zeit und Muße, mich dem Bundesrealgymnasium  in der Sillgasse zu widmen. Dieses wird ja kommenden Herbst komplett abgerissen und durch einen Neubau ersetzt, der sicher mehr hermachen wird, als das jetzige, in den siebziger Jahren umgebaute Schulgebäude, das man zwar ursprünglich erhalten wollte, sich dann aber doch für einen kompletten Neubau entschieden hat, der den heutigen Anforderungen einer modernen Schule entsspricht. Man darf wohl gespannt sein, wie sich das neue BRG Sillgasse dann in diese architektonisch sensible innerstädtische Zone einfügen wird. Immerhin gibt es in dieser ja schon einige interessante Gebäude, erinnert sei hier etwa nur an die neue Synagoge von Michael Prachensky, die allerdings mal einen helleren Anstrich vertragen könnte.

Noch steht ja da alte Gebäude und ein Blick in die ebenerdigen Fenster kündet bereits vom bevorstehenden Umzug, Schulmöbel und Tafeln stehen dort bereit, für die kommenden Schuljahre heißt es erstmal in eine Containerschule zu übersiedeln, ehe dann das neue BRG bezogen werden kann. Abruf könnte man sagen.

Erbaut 1910 als öffentliches Gymnasium für Mädchen und damit als erste Schule dieses Typs in Westösterreich. Vorher gab es an diesem Ort eine sogenannte „Schule für Höhere Töchter“, zu deren Begründung es lange Debatten im damaligen Innsbrucker Gemeinderat gab. Höhere Bildung für Mädchen war im 19. Jahrhundert noch keine Selbstverständlichkeit. innsbruck informiert gab anlässlich des 100jährigen Jubiläums des Gymnasiums einen kurzen historischen Überblick über diese Schule, der sehr lesenswert ist.

Als reine Mädchenschule bestand das BRG (Bundesrealgymnasium) noch bis 1977, dann wurde die Koedukation eingeführt, also der Unterricht für beide Geschlechter. Umgebaut wurde das Gebäude aber bereits in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Der nicht gerade besonders einladend wirkende Betonbau wurde im Eingangsbereich durch Absolventen der Schule  im Rahmen eines Schüler/innen-Wettbewerbs der Hypo-Bank Tirol künstlerisch gestaltet und wirkt mit seinen mosaikartigen Verzierungen doch gleich einladender als es wahrscheinlich ohne diese Intervention der Fall sein würde. Vielleicht noch mal hinschauen, ehe sie Geschichte sein wird.

Auch jetzt scheint die Schule immer wieder durch interessante Lernprojekte und Schwerpunktsetzungen wie etwa in Musik- und Kunsterziehung, offenes  Lernen,  und noch vieles mehr auf, was man der Homepage der Schule entnehmen kann.

Man kann wahrscheinlich für jedes Gebäude ein bisschen Liebe entwickeln, vor allem dann, wenn man es auch von Innen kennt und einen eine persönliche Geschichte damit verbindet. So wird es wohl auch vielen ehemaligen Absolventinnen /Absolventen und  Lehrenden gehen, wenn nun bereits in wenigen Wochen vielleicht schon die Abrissbagger vor dem Gebäude Aufstellung nehmen und dieses dann wahrscheinlich schon nach wenigen Tagen nur mehr ein Haufen Bauschutt sein wird. Vielleicht verdrückt der eine oder die andere im Sillgassen-BORG die Schulbank gedrückt habende/r eine Träne und wünscht ihm ein letztes Lebewohl.

 

Helmut Schiestl

2 Comments

  1. Wie wäre es mit einer Schulhaus im Neo-Jugendstil?
    Der melodramatische Beitrag des Autors gemahnt mich tatsächlich an (im Baubereich!) bessere Zeiten.
    „In Innsbruck wird von den Baustilen her immer kreuz und quer gebaut, alt neben neu etc.“ (Meinung des längst verstorbenen Innsbrucker Allgemeinarztes Dr, Anton Kripp [war ein Herr und Landmann von Tirol] – aus dem Gedächtnis zitiert).

  2. Wozu eine neue Schule???? Hausunterricht (www.homeschoolers.at) und
    Lernen ohne Schule (www.freilerner.at) sind im Kommen. Über letztere
    Thematik wird gerade ein Film produziert (www.caraba.de)

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