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Schlaflos in Innsbruck

schlaflos

Lasst uns froh und munter Alternativen zum geplanten Schlafverbot schaffen!

Viele Menschen freuen sich bereits darauf, die vorweihnachtlichen Abende in der warmen, heimischen Stube zu verbringen. Aber in unserer Stadt leben auch Menschen, denen es nicht annähernd so gut geht wie den meisten von uns. Sie konnten in der Leistungsgesellschaft keinen Fuß fassen und leben aus verschiedenen Gründen auf der Straße. Diese Menschen liegen buchstäblich am Boden und anstatt ihnen die Hand zu reichen, hat sich die Stadtpolitik dazu entschieden, noch einmal ordentlich mit dem Fuß nachzutreten.

Denn auf die Tatsache, dass immer mehr Menschen in Tirol kein Dach über dem Kopf haben, wollen städtische Politiker_innen mit einem Schlafverbot reagieren. Menschen, die die Nächte auf der Straße verbringen, sollen in Zukunft per Verordnung dafür bestraft werden. Die angedrohten Geldstrafen von bis zu 2.000 Euro können in den seltensten Fällen beglichen werden.

Nach Angaben der Stadt ist die Errichtung einer zweiten Notschlafstelle die Voraussetzung für geplante ortspolizeiliche Verordnung. Während das Schlafverbot bereits im kommenden Gemeinderat beschlossen werden soll, fehlt von einem weiteren Schlafplatzangebot bislang jegliche Spur. Sozialvereine weisen seit Jahren darauf hin, dass es dringend weitere Notschlafstellen benötigt.

Ausführliche Stellungnahmen, zum Schlafverbot haben die Bettellobby und der Verein für Obdachlose erstellt. Sie sind online einsehbar.

Wenn einige Geschäftsinhaber_innen in der Innenstadt Probleme damit haben, dass sie regelmäßig die Notdurft anderer Menschen vor ihrer Tür entfernen müssen, will ich selbstverständlich nicht wegschauen. Aber ich schaue auch nicht tatenlos zu wie obdachlose Menschen aus der Stadt und somit aus der Gesellschaft und Gemeinschaft vertrieben werden!
Alkoholverbot, Bettelverbot, Schlafverbot – diejenigen, die es beschließen, sind nicht davon betroffen und diejenigen, die es betrifft, können sich nicht wehren!

Deshalb ist es Zeit für einen Akt der Solidarität!
Dieser nennt sich SCHLAFLOS IN INNSBRUCK und findet am Samstag, den 12. November, von 20 bis 22 Uhr direkt beim Goldenen Dachl statt! Umrahmt von diversen Redebeiträgen und musikalischer Begleitung schaffen wir einen Raum, um über wirkliche Lösungen zu reden, die Menschen nicht noch mehr ins Abseits drängen, sondern sie dabei unterstützen, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Eingeladen sind alle – Gemeinderät_innen ebenso wie betroffene obdachlose Menschen, Sozialvereine und Innenstadtkaufleute. Die Lösungsvorschläge, z.B. billigen und leicht verfügbaren Wohnraum schaffen, Sozialarbeit aufstocken und öffentliche Toiletten und Duschen aufstellen werden wir verschriftlichen und am 17. November an den Gemeinderat übergeben. Für Wärmequellen, Tee und einen Imbiss ist gesorgt, also lasst uns eine gemeinsame, schlaflose Nacht in Innsbruck verbringen!

Wer sich an der Organisation beteiligen möchte (helfende Hände und Füße werden natürlich benötigt), Fragen, Wünsche oder Anregungen hat, meldet sich bitte bei mir, Susi Meier: 0650 / 3055289, meier.susanne89@gmail.com.

Foto von Chris Schusterschitz

Gast

5 Comments

  1. eine super idee! Endlich jemand, der aufsteht gegen gleichgültigkeit in der Welt. Die Politiker tun nichts weiter als das Problem verstecken, Hauptsache die Touristen glauben, alles ist sauber in Innsbruck. Schlafen verbieten ist total unmenschlich!

  2. Sozialpolitik a la Innsbrucker Stadtregierung

    Wenn die Obdachlosen dann ihre Strafe nicht bezahlen können, müssen sie wahrscheinlich eine Ersatz-Arreststrafe antreten. So bekommen Sie dann ein warmes Platzerl in der Zelle!

    FI und ÖVP haben dafür gestimmt, die SPÖ sich der Stimme enthalten, ist aber auch für auch für das Verbot mit Bestrafung, wenn etwas mehr Notschlafplätze geschaffen werden. Die Grünen haben zwar dagegen gestimmt – bleiben aber – wie schon oft bei pikanten Fragen (Bettler_innenverbot etc.) – trotzdem in der Regierungskoalition. Warum sollen sie auch den Futtertrog verlassen.

    http://imzoom.info/martinstag-2016-waermende-mantel-oder-soziale-kaelte/

  3. Ich kann es nicht fassen. Ihr stört euch an Optik und Gerüchen, aber nicht an der Armut. Dabei merkt ihr nicht mal, dass ihr selbst die Unmenschen seid, die ihr vertreiben wollt. Christlich-sozial nennt ihr euer Handeln, wie lächerlich! Wenn ihr nur den Hauch an Ethik und Werten besitzen würdet…. Wie kommt es dann, dass ihr es als gescheitert anseht, wenn ihr Schlafplätze mit Wasser bespritzt und Mensche denoch keinen anderen Platz zum Schlafen finden können.

    Wie kommt es, dass ihr es als Erfolg anseht, wenn ihr die Armen aus der Stadt jagt, statt ihnen zu helfen, oder zumindest so ignorant wie üblich zu sein und ihnen zumindest ihre Existenz nicht abzuerkennen. Und dann rühmt ihr euch damit, dass ihr diesen Menschen doch nur helfen wollt. Wie könnt ihr es wagen, so heuchlerisch zu sein?! Steht doch zumindest zu euren Verbrechen an Menschen. Dass ihr diejenigen tiefer in die Armut treiben wollt, die ohnehin nichts mehr haben, aber Touristen dürfen wohl noch an Sommertagen auf Bänken im Park schlafen? So schön diese Stadt ist, so erkaltet seid ihr. In meinen Augen könnt ihr keine Menschen mehr sein, weil ihr nicht menschlich handelt.

    Ihr trefft Entscheidungen nach Geld und Macht. Tausende Kilometer weit weg von den zu Vertreibenden und von euch, kann ich den Schmerz und die Wut trotzdem fühlen. Daher meine Frage: Wir könnt ihr das tun und nichts dabei empfinden? Empathie will gelernt sein und ich hoffe darauf, dass selbst ihr eure entdeckt. Denn Fehler können rückgängig gemacht werden. Aber je weiter ihr andere ins Verderben stößt, desto schwieriger wird es, Menschen zu retten. Menschen, die genauso zur Stadt gehören wie die unzähligen StudentInnen und Einheimische. Das Volk besteht aus uns allen!

    Wollt ihr als VolksvertreterInnen, eure eigenen Leute vertreiben? Wer nicht ins Konzept passt, der muss weg? Wann werden wohl wir an der Reihe sein, wenn wir uns jetzt nicht für andere wehren?!

  4. Lasst die Schneekugeln tanzen, während die
    Martinskinder ihre bemalten Laternen durch die
    nebeligen Straßen tragen. In den Lokalen aber essen
    die Kleinbürger ihre Martinigänse und prosten
    den beginnenden Feiertagen zu.
    Schlaflos aber halten sich die Hauslosen; wer
    jetzt noch keine Schlafstatt hat, der findet
    keine mehr, säuseln sie sich gegenseitig zu im leichten
    Schneegestöberwind. Und hoffen lässt vielleicht
    die Bauernregel: „Schneits um Martini übern Inn, ist
    der halbe Winter hin.“ Aber kalt bleibts trotzdem
    und das Boot fährt ab.

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