Patentheilmittel Stille: Das Schwei(ge)n der Lämmer

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Ein Filmtitel, welcher seit Jahren wie die Faust aufs Auge zu Tirol passt. Ist das nicht paradox? Nein. Denn NIX hört man von Ober-Bonzentum-Chef Mader höchstpersönlich in dessen Gratis-Wohnung-Causa. Nur über seine „Buam“ lässt er uns seriös ausrichten, dass alles sauber gelaufen sei im Technikerhaus. Wer‘s glaubt. Er will also quasi die Sache aussitzen. Ruhen lassen. Gras drüber wachsen lassen. Denn in Tirol ist das ja das Patentmittel gegen jeden Skandal. Höchst erfolgreich übrigens, wenn man bedenkt wie viele Skandale von einem Tiroler Schafbauern (www.dietiwag.org) in den letzten Jahren „aufgedeckt“ wurden.

Und was sagt der aktuelle Landeshauptmann? Er will einen ÖVP-dominierten Kontrollausschuss und einer Prüfung sämtlicher Rechnungen. Da eine Floskel, hier eine Phrase…. Hmm, da war doch was… Das kennen wir doch schon vom Hyposkandal, oder? Da wurde doch auch viel Wind um das Modewort „Transparenz“ gemacht und „vollständige Aufklärung“ des Sachverhaltes gefordert. Nur traurig dass es nie zu einem richtigen „Kontrollausschuss“ kam.

Denn immerhin wollte der Obmann des Finanzkontrollausschusses FPÖ-Wendehals Federspiel seinen Busenfreund und Ex-Landeshauptmann und nunmehrigen Landtagspräsidenten DDDr. Grauen Star nicht belasten. Weil der war nämlich als damaliger LH nämlich auch Mitverantwortlich für zahlreiche Hypo-Deals, die in ein Verlustgeschäft von über 300 Mio Euro für den Tiroler Steuerzahler mündeten. Aus van Staas Sicht kann man sagen: „Schwein“ gehabt. Oder doch „Schweigen“?

Nein jetzt ernsthaft. Wer war verantwortlich für den HYPO-Skandal? Und wer ist verantwortlich für die tolle Gratiswohnung für die Gierraupe-Nimmersatt -Mader, freundlich zur Verfügung gestellt vom Tiroler Steuerzahler? War‘s am Ende wieder niemand? Wird man den armen Zocker Mader jetzt einfach wie ein Schwein (van Staa würde hier natürlich grammatikalisch korrekt „das Schweigen“ sagen) dem Metzger vorführen? Wahrscheinlich. Er allein war‘s und sonst niemand? Oder wird man die Verantwortlichen, welche diese Förderungen abgesegnet haben – und zwar vor allem die Förderungen des Technikerhauses von 1989 bis heute – zur Rechenschaft ziehen?

Nun ist das Traurige an einem Skandal ja, dass es immer so viele Fragen gibt, aber kaum Antworten. Noch Trauriger ist es aber, wenn die unangenehmen Fragen gar nicht erst gestellt werden. Denn das passiert im heiligen Tirol ständig. Niemand will es sich mit den Machthabern vertun, denn man könnte ja irgendwann vom „Stillsein“ profitieren. Von den Medien hin zur Opposition und dem normalen Bürger – kaum jemand geht der so wichtigen Aufgabe nach, im Korruptionsdreck zu wühlen und „Freunderlwirtschafts-Staub“ aufzuwirbeln – und es scheint sehr, sehr, sehr staubig und verdreckt zu sein in diesem wunderschönen Bundesland.

Jedenfalls fehlt der Tiroler Landesregierung derzeit der Gegenwind. Aber es sollte bei den derzeitigen, jüngsten Skandalen weit mehr sein als nur ein laues Lüftchen, welches die Liste Fritz halbherzig produziert. Sondern viel mehr ein Sturm, oder besser ein Orkan. Denn die Roten dürfen nicht (zu viel Dreck von der letzten Koalition klebt an ihren Händen), die Blauen wollen nicht (van Staa & Federspiel sind „bff – best friends forever“), die Grünen sind derzeit sowieso zum Stillsein verdammt und die Liste Fritz sowie Impuls Tirol nimmt derzeit eh kein Schwein mehr ernst – wenn sie nicht gerade wie die Lämmchen schweigen. Aber wo sind die leidenschaftlichen Gebi Mairs der vergangenen Tage, wo sind die Georg Willis, Gerald Hausers, und Fritz Dinkhausers, wenn man sie braucht? Nicht dass man uneingeschränkt die Meinungen der vier zuvor genannten Teilen hat können. Aber sie kritisierten wenigstens und stellten auch mal auch unangenehme Fragen. Und was ist aus ihnen geworden? Einen hat der Wolf massakriert, zwei sind in den Nationalrat geflüchtet und einer ist auf Grund von Größenwahn in die Pension verschwunden.

Aber eines scheint klar zu sein: Offensichtlich ist es nicht so gut, wenn eine Interessengruppe über einen längeren Zeitraum an einem bestimmten Ort an der Macht ist – doch darüber soll jeder für sich selbst nachdenken.

Hans J. Peer

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