KUNST WERK SPRACHE

Deutsch zu lernen bedeutet für MigrantInnen in Österreich immer auch, sich mit der Geschichte und Kultur der neuen Lebensumgebung auseinanderzusetzen. Deshalb ist die sogenannte „Landeskunde“ ein wesentlicher Bestandteil aller Deutschkurse.

Im Caritas Integrationshaus findet seit Jänner 2014 ein Deutschkurs speziell für Jugendliche im Alter von 15 bis 19 Jahren statt, die teilweise durch Flucht, teilweise aber auch durch Familiennachzug nach Österreich gekommen sind. Anstatt mit ihnen in trockenen Einheiten im Klassenzimmer Landeskunde zu pauken, wollten wir wissen, wie die Jugendlichen selbst ihre neue Heimat sehen. Was denken sie über Innsbruck? Wie fühlen sie sich hier? An welchen Orten treiben sie sich am liebsten herum?

Aus dieser Idee ist eine von kulturimpuls Tirol geförderte Workshopreihe entstanden, in welcher die Jugendlichen uns unter dem Motto „Mein neues Leben in Tirol“ mittels Fotografie, Text und in weiterer Folge auch Theater einen Einblick in ihre Sicht auf die neue Heimat geben konnten. Hier schon vorab ein kleiner Auszug aus den Werken der Jugendlichen:

innsbruck im regen

„Ich sehe Wasser und ich denke an Angeln. Mein Hobby ist Angeln. In Ungarn gehe ich oft mit meinem Vater angeln. Wir gehen zum Fluss. Ruhig, still, wir sitzen, warten, denken nach. Hier in Tirol angeln wir leider nicht. Wir haben kein Auto, ohne Auto ist es schwierig. Mein Vater freut sich auf Ungarn, weil er wieder angeln kann. Ich vermisse die gute ungarische Fischsuppe.“

 

Innsbruck Monarchie

„Der österreichische Kaiser hat hier in diesem Gebäude gelebt. Das Gebäude steht an einem zentralen Platz. Die Touristen kommen oft zu diesem Platz. Auf der anderen Seite stehen viele Pferdekutschen. Ich bin schon mal mit dieser Kutsche gefahren. Ich bin mit meiner Familie gefahren, weil meine Eltern Zeit hatten.“

 

innsbruck pradl

„Das ist eine Brücke. Alle Menschen gehen von einer Seite auf die andere. Auf der Brücke sind wenige Leute. Die Brücke ist im Rapoldipark. Ich bin gern mit Kollegen im Rapoldipark. Wir spielen oft Fußball und Billard. Im Rapoldipark sind viele schöne Mädchen. Ich trinke Bier und rauche Zigaretten. Die Polizei macht oft Kontrollen im Rapoldipark. Im Rapoldipark sind viele Kinder. Sie spielen.“

 

Die gesamten Fotos und Texte sind ab Freitag im Integrationshaus zu bewundern. Die Vernissage, bei der auch Bilder aus der MUKUKI (multikulturelle Kinderkrippe) und der Lernhilfe zu sehen sein werden, wird im Zuge der Langen Nacht der Kirchen am Freitag, den 23.05.2014 um 18:30 eröffnet.

 

Konzept und Umsetzung: Birgit Hohlbrugger

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