„Judenwitze“ im Treibhaus

Oliver Polak gastiert am Montag mit seinem Programm „JUD SÜSS SAUER“ im Innsbrucker Treibhaus.

 

Über Oliver Polak und sein Kabarettprogramm ist in den letzten Monaten viel geschrieben worden – eine Eingabe in die Suchmaschine eurer Wahl zeitigt bestimmt zahlreiche entsprechende Ergebnisse. Im Wesentlichen erschöpft sich Polaks „Humor“ darin, als Jude Witze über Juden und Jüdinnen zu machen.

 

„Das Judenspiel“

So spielt er mit seinem Publikum „Das Judenspiel“;  er nennt Namen von Prominenten: „Jude oder normal?“ – und die Zuschauer(innen) müssen raten, ob es sich um Juden handelt. Manche seiner Kalauer könnten so ähnlich auch von Rechtsextremen kommen. Dann macht er „Judenwitze“ – eben Witze auf Kosten von Jüdinnen und Juden. Befremdend auch, dass Polak auf seinem Tourplakat in Form eines Hakenkreuzes posiert.

 

Macht nichts – Satire darf ja bekanntlich alles, wie wir von Tucholsky wissen. Ob man diese Art von Humor lustig findet, ist wohl mindestens so sehr eine Frage des satirischen Anspruchs wie der politischen Einstellung. Und hier begeht Polak die einzige „Sünde“, die einem professionellen Spaßvogel niemals verziehen wird: Das Spiel mit dem Tabu, das zumindest hierzulande kaum je eines war, wird (mir zumindest) spätestens nach einer halben Stunde langweilig.

 

 

Oliver Polak

„JUD SÜSS SAUER oder: Ich bin Jude, ich darf das.“

Am Montag, den 28. März 2011

um 20 Uhr

im Treibhaus www.treibhaus.at

Angerzellgasse 8
6020 Innsbruck

 

 

 

4 Antworten : “„Judenwitze“ im Treibhaus”

  1. Klabautermann sagt:

    Darf Satire wirklich alles? Das ist die große Frage. Dürfen etwa Behinderte über Behinderte Witze machen? Das geschieht ja auch manchmal. Ich stehe auch immer wieder vor dieser Frage, ohne sie letztgültig beantworten zu können. Trotzdem scheint mir aber da doch noch ein Unterschied zu liegen. Ein Behinderter oder eine Behinderte kann sehr wohl über andere Behinderte einen Witz machen, wenn er sich dabei selbst einschließt. Also der Witz ihn auch selber treffen könnte. Obwohl auch das eine Gratwanderung ist. Was aber ist dabei mit den Zuhörern und Zuhörerinnen? Ist es für sie vielleicht nur eine Ermutigung, jetzt selbst eben auch einen Witz zu machen? So nach der Devise, was der oder die kann, kann ich auch? Und wenn es da jetzt um antisemitische Witze geht, dann stellt sich für mich die Frage, geht es jetzt um den Holocaust oder geht es um das jüdische Alltagsleben in Israel oder New York oder sonst wo. Das wäre für mich ein großer Unterschied. Und abschließend fällt mir noch das Diktum Adornos ein: "Nach Auschwitz kann man keine Gedichte mehr schreiben." Also darf und kann man nach Auschwitz auch keine Witze mehr machen. Und wenn ich daran denke, wer aller sich bei Dani Levis vorletzten Film "Mein Führer …" aller köstlich amüsiert hat, dann wird mir eigentlich schlecht.

  2. Sebi sagt:

    Das sehe ich auch so – Polak meint ja selbst Neonazis bekommen bei ihm Rabatt, da sie noch was lernen können. Ich finde solche Scherze nicht sonderlich witzig, sondern einfach niveaulos!

  3. Johannes sagt:

    Eine Comedyshow auf die politisch inkorrekte Art, die jedoch mit derben und sarkastischen Witzen beim Publikum punkten kann. Um es in den Worten Oliver Polaks zu sagen:
    "Wenn Sie etwas gegen die Wörter "Hitler" oder "Jude" haben, sehen Sie sich das besser nicht an. "

     

    Kurzkritk des Kartengewinners

     

     

  4. Oliver sagt:

    Satire darf auf jeden Fall auch "weh" tun, (Schmerz-)Grenzen überschreiten und sogar Gefühle verletzten. Ich hab mich bei Oliver Polak sehr amüsiert, weil er knallhart auf eine Thematik draufdrischt, die großteils unreflektiert(!) als unantastbares "no – go" angesehen wird. Unser enges Poltical Correctness Korsett macht uns eben nicht zu besseren Menschen. Man muß schon manchmal mit dem Teufel tanzen, um rauszufinden wie sinnvoll manche Grenzen noch sind! Sonst kein Fortschritt – und in puncto Vergangenheitsaufarbeitung glänzen wir mit Kreativlosigkeit seit Jahrzehnten!

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