Innsbrucks moderne Kirchenbauten – Pfarrkirche Allerheiligen.

Sehr massiv sieht sie aus, die Kirche in Allerheiligen, die wir heute bei unserem Spaziergang zu Innsbrucks modernen Kirchen besuchen wollen. Erbaut nach Plänen von Clemens Holzmeister – einem der bekanntesten Architekten des Zwanzigsten Jahrhunderts nicht nur in Tirol – von dem hierzulande einige Kirchen entweder neu errichtet wurden oder umgebaut – strahlt sie das Flair des Trutzigen, Burgähnlichen aus, wird hier doch vieles zitiert, was in Tirol ausgehend von der Gotik mit ihren spitzen Dächern und Zinnen bekannt ist.

Es ist altes Kulturland, auf dem die heutige Siedlung Allerheiligen in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts entstanden ist. Funde aus der Stein- und Bronzezeit belegen jedenfalls eine schon sehr frühe Besiedelung dieses Gebietes, ähnlich wie auch in Hötting, wo ebenfalls schon sehr früh eine Siedlungstätigkeit nachgewiesen wurde. Den Namen Allerheiligen bekam dieses Gebiet schließlich von einer bereits 765 zu Ehren des bairischen Bischofs Korbinian geweihten Kapelle, deren Nachfolgebau ab dem Jahr 1375 als „Allerheiligenkirche“ bezeichnet wurde. Zu dieser Zeit gab es dort ja nicht viel mehr als ein paar Bauernhöfe wie etwa den „Kerschbuchhof“ und eben eine Kapelle, die dann sogar in das Jagd- und Fischereibuch Kaiser Maximilians Eingang gefunden haben. Heute erinnern an diese bereits 1786 profanierte Kirche noch die Allerheiligenhöfe und die gleichnamige Bahnstation.

Da diese Siedlung immer größer wurde – schon in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts entstanden hier immer mehr Siedlungshäuser und auch eine Notkirche, zu der ein ehemaliger Heustadel umgebaut worden und dem heiligen Georg geweiht war. 1937 wurde an diese Notkirche eine Notschule angebaut, woraus ersichtlich ist, dass die Siedlung bereits in dieser Zeit schon sehr groß gewesen sei  musste. 1961 wurde es schließlich ernst mit dem Neubau einer Kirche für diesen Stadtteil. Wobei das Ganze auch nicht einer gewissen Bizarrerie entbehrte: War doch ursprünglich daran gedacht worden, auf dem Gelände der heutigen Kirche eine Wallfahrtskirche und eine Gedenkstätte für den im Zuge des 1809er Jubiläums in den späteren fünfziger  Jahren wieder aufgeflammten Heldenkult zu errichten. Wozu Clemens Holzmeister bereits einen mächtigen Kuppelbau plante, in dem auch das Tiroler Heldenbuch Platz finden sollte.  Dieser Bau hätte die Ausmaße eines Domes haben sollen und hätte in dieser neuen Siedlungsgegend sicher etwas hergemacht. Dass es letztendlich nicht dazu gekommen ist, hatte wohl wirtschaftliche Gründe, und man kann sich wohl vorstellen, dass es zu dieser Angelegenheit sicher eine große Diskussion in Innsbruck und darüber hinaus gegeben haben dürfte, wo etwa die eine Institution die Pläne der anderen hintertrieben hat, war doch nicht zuletzt ein für den Bau dieser riesigen Kirchenanlage  ursprünglich vorgesehener Moränenhügel bereits eingeebnet worden. Und die Gedenkstätte für den Freiheitskampf wurde am Berg Isel errichtet.

Im  Mai 1963 war schließlich mit dem Bau der heutigen Kirche begonnen worden. Und bereits im Dezember 1965 konsekrierte der damalige Bischof Paulus Rusch die fertiggestellte Kirche, deren Baukosten sich auf sieben Millionen Schilling beliefen, die von der Diözese, das Land Tirol und den Rest die Pfarre aufgeteilt wurden.

Von außen wirkt der Bau wie schon erwähnt, etwas burgähnlich, und wurde von seinem Erbauer Clemens Holzmeister auch als Burg Gottes bezeichnet. Wobei vor allem die Dachkonstruktion dem Gotteshaus eine sehr imposante Note verleiht und den Betrachter / die Betrachterin an eine Bergstation denken lässt.

Innen wirkt der  Sakralbau  durch große Fenster sehr hell und strahlt  die für die meisten Sakralbauten dieser Zeit typische Nachkriegsreligiosität aus, wobei hier noch eher das weniger Experimentelle und Provokante, wie wir es etwa bei der Piuskirche von Josef Lackner – die hier schon besprochen wurde – oder der erst kürzlich hier abgehandelten Sankt-Norbert-Kirche in Pradl Ost, ebenfalls von Josef Lackner, sehen können, fehlt. Es ist ein Rechteckraum mit hochliegenden Fensterbändern. Die Rückwand ist mit einer Glaswand durchbrochen

Vom Kirchenschiff abgetrennt befindet sich noch eine Kapelle für die Wochentagsliturgie oder als Besinnungsraum mit einer Kreuzigungsgruppe von Andreas Einberger, die noch aus  der ehemaligen Notkirche St Georg stammt.

Oberhalb des Hochaltars nimmt ein großes Mosaikbild von Richard Kurt Fischer, Christus als Lebensquell darstellend und ausgeführt vom bekannten Mosaikünstler Hans Pfefferle aus Zirl. Es soll Christus als Lebensquell darstellen,  zu dem die Menschen über die hohen Stufen des mühsamen Lebens gelangen können.  Auf mich wirkt das Mosaik wie eine Art Wiederverzauberung der Welt, wie sie sehr oft in der religiösen Kunst des vergangenen Zwanzigsten Jahrhunderts als Angebot an die Gläubigen in Zeiten der Entfremdung und eben auch durch die Erkenntnisse der Wissenschaft erfolgte Entzauberung der Welt Geltung fand.

Von Richard Kurt Fischer stammen auch die sehr beeindruckenden Kreuzwegbilder.

Eine schöne Pieta aus der Spätgotik ziert den linken Seitenaltar und fügt sich gut in den modernen Bau.

Der Gesamteindruck der Kirche ist sehr gediegen. Und die Pfarre auch sehr experimentierfreudig. Spielt zurzeit doch provinnsbruck-Autor Markus Koschuh in einem Kriminalstück Pfarrer Braun ermittelt in Allerheiligen. Der Reinerlös kommt diversen Sozialprojekten der Diözese zugute. Nächste und letzte Termine: 3. Und 4. 2. 2017. 

Quellen: Norbert Moeller. Moderner Kirchenbau im Raum Innsbruck seit 1945. Schriftenreihe des Innsbrucker Stadtarchivs; Band 14. Innsbruck 1983.

Foto Altarmosaik: Wikimedia

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