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INNS’BRUCK INFORMIERT?

 Eine der interessantesten Zeitschriften des Landes ist „Inns’bruck informiert“. Sie kommt monatlich in einer Auflage von 74.000 Stück gratis in alle Innsbrucker Postfächer, Eigentümer und Herausgeber ist eine Magistratsabteilung. Mit anderen Worten: Die Zeitung wird mit Steuergeld finanziert.

 
Das Positive zuerst: Die „Offizielle Mitteilungszeitung“, wie sie sich selbst bezeichnet, hat sich verbessert! War die frühere Bürgermeisterin bis zu 31 Mal abgebildet, bringt es die derzeitige in der letzten Ausgabe nur mehr auf elf Fotos, also auf etwa 0,17 Fotos pro Seite. Ein dezenter Fortschritt von Selbstdarstellung in Richtung Aufklärung. Außerdem gibt es immer öfter politisch interessante Informationen. Und das meine ich ohne jede Ironie!
 
 
Besonders aufschlussreich sind die Reaktionen der Parteien zu unterschiedlichen Themen. Im April äußerten sich alle, von der „Innsbrucker Volkspartei“ bis zum „Tiroler Seniorenbund“ zur „Evaluierung des neuen Stadtrechts insbesondere hinsichtlich der Aktuellen Stunde und der fakultativen Teilnahme an Ausschüssen“ (Zitat Inns’bruck informiert).
 
 
Tja, ohne es zu wollen sind wir in der Abteilung „Satire“ gelandet, literarisch bei Herzmanovsky-Orlando und dem Kakanien von Robert Musil. Eine solche Fragestellung verstehen vielleicht die Autoren, naive und interessierte Leser wie ich müssen sich erst einmal setzen und nachdenken. Die Begriffe „Evaluierung“ und „fakultativ“ finde ich im Internet, aber was machen Menschen ohne Wikipedia und Co? Ich will es mir nicht vorstellen und lese die Kommentare der acht im Gemeinderat sitzenden Parteien.
 
Stadtrat Gruber von der ÖVP zum Beispiel. Ich gedenke seiner in inniger Dankbarkeit, denn er antwortete immerhin auf ein Mail von mir, dass er sich zum Inhalt meiner Frage demnächst genauer informieren würde. Seither schweigt er zwar, aber er liegt im Beantworten immerhin noch vor FPÖ, Piraten und Seniorenbund. Die antworteten nicht einmal auf mein Erinnerungsmail.
 
 
Stadtrat Gruber jedenfalls ereiferte sich – Boulevardzeitungen würden es mit dem beliebten Wort „schäumte“ beschreiben – heftig, verwies auf „Ideenlosigkeit der Ampelregierung“ und forderte eine „ehrliche Politik“. Das hatte mit der Frage zwar nichts zu tun, aber das sind wir Wählerinnen und Wähler mittlerweile ja gewohnt.
 
Herr Rudi Federspiel und die FPÖ gleichen einander in der Wortwahl, kein Wunder, wird doch Herr Rudi demnächst bei den Landtagswahlen als FPÖ-Führer antreten und danach nicht mehr wissen, ob er gerade für Innsbruck oder für Tirol oder für sein Reisebüro spricht. Multi-Funktionäre und Wechsel-Abgeordnete haben es mitunter schwer, aber da ich kein Psychotherapeut bin, bleibt mir nichts übrig, als ihm gute Besserung zu wünschen.
 
Liste Rudi Federspiel/FPÖ finden jedenfalls alles ungeheuerlich: „Die linkslinke Regierung hat Angst vor echter Kontrolle“. „Die Aktuelle Stunde (verkommt) zur Selbstbeweihräucherung-Aktion der Links-Koalition“. Der Untergang des Alpenlandes (übrigens ein wunderbarer Film mit dem Tiroler Werner Pirchner, Kamera Christian Berger, ebenfalls Tiroler) ist nur mehr eine Frage von Wochen, gar Tagen.
 
Die Piraten sondern ebenfalls einen Text ab, der an die Glanzzeiten des Dada(ismus) erinnert. Ich fürchte allerdings, das geschah völlig unbeabsichtigt. „Ob in der Zukunft das Licht der Schwarmintelligenz öfter aufleuchten könnte, darf mit Installation des Live-Streams im GR vermutet werden.“ Alles paletti, oder wie?
 
Dagegen ist der Text des „Tiroler Seniorenbundes“ ein Ausbund an Sachlichkeit: Er will wissen, wie der „Stand der Verhandlungen um die Seilbahnverbindung Mutterer Alm – Axamer Lizum“ ist. Hat zwar nichts mit dem Thema zu tun, zeigt aber deutlich, dass Piraten und Senioren viel gemeinsam haben. Zumindest Texte, die niemand versteht.
 
Interessant der Hinweis der Grünen, die immerhin auf die Frage eingehen: „Neu ist die Möglichkeit, dass kleine Oppositionsparteien wie FPÖ oder Piraten an Ausschüssen, den eigentlichen Arbeitsgremien, teilnehmen können. Bedauerlich, dass sie dieses Recht und damit Information, Einbindung und Mitarbeit nicht nützen. Enttäuschend, denn bezahlte politische Arbeit bedeutet auch Verpflichtung.“
 
 
In diesem Sinn eine Empfehlung an alle Bürgerinnen und Bürger von Innsbruck: Leset die Aussagen der Parteien in „Inns’bruck informiert“, sie helfen bei künftigen Wahlentscheidungen.
Anmerkung: Alle kursiv erscheinende Sätze sind Originalzitate aus „Inns’bruck informiert“, Ausgabe April 2013.

Erich Ledersberger

6 Comments

  1. Rudi Federspiel saß übrigens jahrelang für die Tiroler ÖVP unter van Staa auf einem Mandat im Landtag. Derselbe van Staa, der den Burschenschafter-Kommers 2000 in IBK herzlich eröffnete … nur zur Info. 

    •  Und wenn FX-Gruber von "ehrlicher" Politik spricht, dann sollte er ehrlicherweise einmal das aktuelle Verfassungsgerichtsurteil hinsichtlich seiner "Vergabepraxis" der Gemeinderatsmandate nach der letzten Wahl veröffentlichen und ehrlich dazu Stellung nehmen!

  2. Dieser Pirat im GR von Innsbruck ist aber ein Inn-Pirat und nicht zu verwechseln mit der Piratenpartei Tirol, die bei der Landtagswahl antritt – es gibt auch zwei verschiedene Internet-Adressen bei denen man sich schlau machen kann.

     

  3. Irene Labner, Spitzenkandidatin der Tiroler Piratenpartei, legt Wert darauf, dass sich Alex Ofer und Co als INN Piraten bezeichnen. Okay, zur Kenntnis genommen, aber Alex Ofer ist eben als "Pirat" in den Gemeinderat gewählt worden, die Stadt Innsbruck verwendet es ebenso: INN Piraten, Kurzbezeichnung: Piraten (http://www.innsbruck.gv.at/page.cfm)

     

    Poste die Seiten doch, Info ist immer super, das ist ein Gemeinschaftsprojekt

  4. Vielleicht sollten die Piraten sich dann bei der Stadt Innsbruck beklagen statt im provInnsbruck-Forum?

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