Heimat Land Erde

Die Staatsgrenzen wurden von Herrschenden und Kriegssiegern gezogen, um ihre Untertanen zu trennen und auszugrenzen.

Man kann sich glücklich schätzen, österreichische(r) Staatsbürger(in) zu sein. Hier HERRSCHEN Wohlstand, Gemütlichkeit und seit fast 70 Jahren Frieden. Gerade die Tiroler(innen) wissen, wie willkürlich Grenzziehungen ablaufen: Das „Trauma“ Südtirol hat sich in eine wahre Erfolgsgeschichte gewandelt. Eine Wiedervereinigung erscheint ebenso unrealistisch wie überflüssig.

Trotz berechtigter Kritik hat die Europäische Union innereuropäische Grenzen weitgehend überwunden. Zugleich hat man die Festung Europa errichtet: Tag für Tag werden Menschen als AUSländer stigmatisiert, ausgegrenzt und in Schubhaft gesperrt.

Viele von ihnen haben Todesgefahren überwunden, um hierher – ins „gelobte Land“ – zu kommen. Über 30.000 Menschen starben seit 1991 bei dem Versuch, die EU-Außengrenzen zu erreichen, – viele davon ertranken im Mittelmeer.

ÖsterREICH ist ein Land, in dem viele über die Ausländer herziehen: Schon ein Blick ins Telefonbuch beweist, dass dieses Land ohne Einwanderer(innen) nicht denkbar wäre. Trotzdem gilt eines der schärfsten Asylgesetze weltweit, zugleich knausert Österreich bei der Entwicklungshilfe – in einem der reichsten Länder weltweit, wohlgemerkt. Vor nicht einmal 70 Jahren wurden hierzulande Menschen aufgrund ihrer „Rasse“ in Lager gesperrt und bestialisch umgebracht.

Meine Heimat heißt Erde, meine Rasse: Mensch. Hautfarbe, Herkunft, Religion oder Reisepass sind nebensächlich, entscheidend ist vielmehr das Verhalten der Menschen miteinander.

Jede Grenze wurde mit dem Blut Unschuldiger gezogen, um irgendein Vaterland gegen ein anderes abzugrenzen. Es liegt an uns, eine neue Seite im Geschichtsbuch aufzuschlagen: Globale Demokratie, Solidarität und Frieden – grenzenlose Menschlichkeit.
 

12 Antworten : “Heimat Land Erde”

  1. Redaktion sagt:

     Das Foto stammt von Andreas Gaugusch – Danke!

  2. Yvonne sagt:

    Eine Geburtsurkunde (ein staatlich institutionalisierter und anerkannter Papierfetzen) ist das Resultat eines Zufalls und nicht esoterisch-göttlicher Vorhersehung, was nationalistsiches Denken – und damit Patriotismus – ad absurdum führt. Nur eine grenzenlose Welt kann letztendlich eine wirklich menschliche sein, darüber muss wohl nicht gestritten werden.

    Nationalismus hat in erster Linie etwas mit "Beherrschen" und Manipulation zu tun – das Konzept des Nationalismus zeigt sich hier über die Zeiten hinweg ausgesprochen wandlungsfähig, unabhängig vom politischen Trend liegt das Hauptaugenmerk auf der Instandhaltung des jeweiligen Systems und seiner Elite. Der Kampfruf des Adels ist verstummt, heute ist "das Boot voll" und jeder durchschnittliche Zahntechniker mit Hang zur Geltungssucht und historischer Teilamnsie darf Gefolgsleute um sich scharen. Worauf basieren die Parolen seit über 100 Jahren? Auf "unserem Österreich/Italien/Deutschland/Frankreich/…", das "nicht überrannt" (oder "umgevolkt") werden darf. Weil "die Anderen" alles Schmarotzer und Asoziale sind. Und deshalb arbeitet ein iranischer Architekt als Pizzakoch und eine kroatische Ingenieurin als Putzfrau – weil sie doch froh sein sollen, dass sie überhaupt "hier" sein dürfen.

    Bevor die Politik hier im positiven Sinne tätig werden wird, ist wohl Aufklärungsarbeit im großen Stil gefordert, um die Absurdität von nationalistischem (gerne liebevoll-verharmlosend als "patriotisch" bezeichnetem) Denken allgemein aufzuzeigen. Und es mag auch nicht unwichtig sein, die gewünschte grenzenlose Welt abseits von idealistisch-linguistischen Konzepten ein wenig greifbar zu machen. Sonst bekommt das ganze einen leicht esoterischen Hauch mit ein bißchen lebensferner Verträumtheit im Abgang, und das wäre schade. Denn eine grenzenlose Welt würde das alltägliche Leben aller nicht nur vereinfachen, bereichern und somit verbessern, sondern auch  auch unzählige politische Positionen (und deren "Okkupanten") obsolet machen – ein Sahnehäubchen des Konzepts, vereinfacht gesprochen.

    Und wenn der Nationalismus endlich nur mehr ein dunkler Punkt der Geschichte ist, dann bitte endlich den Religionen zuwenden: die haben nämlich zumindest in meiner grenzenlosen Welt nichts verloren und sind für diese auch nicht förderlich (um es mal höflich zu formulieren)…

    In diesem Sinne: danke für diesen schönen Artikel zu gegebenem grausamen Anlass…

    • Felix sagt:

      Die Menschen haben wohl einen Hang dazu, dass möglichst alle sich ähnlich benehmen ind der näheren Umgebung, und dass sich dieses Verhalten möglichst nicht ändert. Das heisst dann Kultur. Offensichtlich schafft das uniforme Verhalten,-nicht nur in der Sprache, so etwas wie Identität. Man weiss also gerne wer/was man ist, wo man dazugehört. 
      Dazu kommen unsere "Verwaltungseinheiten", die grundsätzlich ihre Berechtigung und Sinnhaftigkeit haben, aber immer noch auf der Landkarte abgesteckt und abgegrenzt werden. Staatsgrenzen sind das auffälligste, aber auch die EU-Aussengrenze, oder die Tiroler Landesgrenze ("Wir lassen uns nicht von Wien…") fallen immer wieder unangenehm auf.
      Historisch hats immer mehr oder weniger gut zusammengepasst, ähnliche Sprache, Kultur, Aussehen etc. hat man gleichzeitig über die Landkarte definieren können. Wenns einmal nicht gepasst hat, ist eben die Obrigkeit, gestützt von der Mehrheit eingeschritten, hat die Leute deportiert, eingesperrt oder umgebracht (ich verzichte auf Beispiele), damit die Welt am jeweiligen Ort wieder in Ordnung ist.
      Aber wie lange will man die Kombination von Einheiten auf der Landkarte mit kulturellen/wirtschaftlichen/ sozialen Einheiten noch aufrecht erhalten? Und wie sinnvoll ist es dem Bedürfnis nachzugeben solche Einheiten zu definieren und dann gleich wieder regional zu verorten? 

      Immer noch will man uns einreden, dass "wir Österreicher" für "die Griechen" zahlen müssen, dabei sind Zahler und Kassierer sicher nicht innerhalb der Nationalstaaten abzugrenzen. Relativ harmloses Beispiel sind Tiroler Landespolitiker, die auf einer regionalen Gesetzgebung beharren, indem sie uns einreden wollen, dass "wir Tiroler" anders ticken als es eine gesamtösterreichische Legislative wissen könnte. Die Diskussion übers Jugendschutzgesetz war ja nur ein Beispiel wo die Absurdidät der regionalen Verortung von Wahr und Falsch sichtbar wurde; dass es hier nicht um Landesgrenzen geht, sondern um Unterschiede zwischen Alten und Jungen, Stadt- und Landbevölkerung, etc.. , aber kaum jemand ist auf die Idee gekommen dass die Wahrheit in Madrid, Stockholm und Wien wohl die gleiche sein dürfte und die Eltern im hinteren Ötztal wahrscheinlich ähnlich denken wie in den Kalabresischen Bergen.
      Und schon gar nicht will man Bürgerrechte unabhängig von der Landkarte anerkennen: Wer aus einer anderen Weltgegend kommt, dessen Eltern schon woanders wohnhaft waren, kann nicht die gleichen Rechte haben wie jene, die schon vorher hier waren – da würde sich doch alles aufhören.
      Die Grenzen auf der Landkarte dienen dem Machterhalt, Vermögenserhalt und Kulturerhalt und  das Verknüpfen von Kultur und Ort lässt sich einfacher denken als zukünftige Veränderungen die diese regionale Verortung der Identität auflösen könnten.

      Ein paar wenige Aussenseiter werden ja eh toleriert, aber es sollen ja nicht zu viele werden, es könnte sich womöglich alles ändern…


  3. gregoa sagt:

    schoener text.
    ich empfehle, dazu leise (oder auch wütend-laut) den refrain der stornelli d’esilio zu summen:
    Nostra patria è il mondo intero
    nostra legge è la libertà
    ed un pensiero
    ribelle in cor ci sta.

  4. Barbara sagt:

    "Globale Demokratie", "Solidarität" und "Frieden" bin hin zu "grenzenloser Menschlichkeit"; leider überschlägt sich bei dieser Aufzählung eine Utopie über die andere. Ich stelle mir an dieser Stelle die Frage, kann man den überhaupt von einer Gemeinschaft Europa (oder irgendeiner anderen Bussibussi-Gesellschaft) sprechen, während im kollektiven Gedächtnis nie Gleichheit als Basiskategorie eingetragen wurde?

    Ich glaube der Mensch lebt vom Denken in Schubladen, weil er nicht fähig ist, sein ganzes Gewand in ein riesiges Kastl hineinzuwerfen. Kinder sollen sich ja bekanntlich noch in ihrer Ordnung horizontal orientieren, was beschreibt, wieso alle Spielsachen am Boden rumliegen, während sich der Erwachsene vertikal orientiert und dann wohl lieber in wichtige, hohe Schubladen und in unwichtige, niedere Schubladen einordnet. Also gerade das, was sich in Köpfen abspielt, ist nicht sozial!

    Gleichheit beginnt im eigenen Denken! Aber solange der Kopf mit Klischees gefüllt ist, ist wohl auch das schwierig.

    Um die Ausführung auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen: Erst gestern wurde ich von der RADLPOLIZEI Innsbruck als Südtirolerin der Verbreitung "italienischer Verhältnisse" auf den Straßen Tirols bezichtigt. Auf meine Frage, ob mein Verhalten wohl mit meiner Herkunft oder mit dem netten Innsbrucker Herrn zusammenhängt, dem ich ungünstig ausweichen musste (gebe ich gerne zu), weil er am Straßenrand parkte und die Tür ohne Zurückschauen aufriss, meinte der Ordnungshüter mit gepolsterter Radlerhose, dass wegen solchen asozialen Radfahrern wie ich es bin, die Innsbrucker Pensionisten Angst haben auf der Straße.
    Leider wurden wir in unserem Gespräch unterbrochen, weil "no so uaner" (aka Student aus Deutschland) in falscher Richtung in die Einbahnstraße neben uns bog. Dass ein Bürger aus Deutschland, die ja alles so genau nehmen, dieses Schild übersieht, war für den Radlpolizist fast unglaublich.
    Nicht, dass ich mich durch die saftige Ansage verletzt fühlte, aber das kleine 3 Länderdreieck der Klischees, das wir zu dritt an dieser Kreuzung darstellten, war schon einige Schmunzler wert. 

    Deshalb propagiere ich: In den Köpfen muss sich was ändern, damit Egalität nicht länger EGAL bleibt! 


  5. niewo sagt:

    Heimat ist dort, wo meine Freunde sind.
    und nit zu kalt sollts sein 😉

  6. johnny sagt:

    keine sorge, millionenfache zuwanderung in die eu ist ohnehin fakt, egal, ob hin und wieder medienwirksame einzelabschiebungen inszeniert werden, an denen sich diverse gesinnungslager abarbeiten können.
    der migrationsdruck durch den "youth bulge" im afrikanisch/arabischen raum nimmt konstant zu, die "festung europa " existiert ohnehin nur für legale einwanderung, für die sich eh keiner mehr interessiert/bewirbt.

    schon mal in paris gewesen, abseits vom eifelturm?

    wies in 20 jahren um die solidarität und den frieden im multiethnischen und verarmenden europa bestellt sein wird, werden wir dann ja sehen.

  7. Erdling sagt:

    Ja, Paris ist mir bekannt – und ebenso wie London, Berlin und andere Metropolen längst international und multikulturell. Johnny, Leute mit deiner engstirnigen und hartherzigen Einstellung tun mir leid: EUropa BENÖTIGT Zuwanderung: Die Geburtenrate sinkt seit langem, schon jetzt wäre unser Pflegesystem ohne Zuwanderung längst zusammengebrochen – auch die Pensionen sind in Zukunft nur durch die Abgaben der Zugewanderten und ihrer Kinder finanzierbar.

    Aber bitte phatasier du nur weiter vom "Migrationsdruck" und kultivier deine beschränkte Weltsicht: Das rassisch reine Europa haben nicht einmal die Nazis mit ihrem Mordterror durchgesetzt. Mensch ist Mensch und deine Weltsicht begrenzt sich eben selbst am nächsten Grenzpfahl.

  8. joseph sagt:

    Was mich an der ganzen Diskussion am meisten ärgert ist die immer wiederkehrende Nazikeule. Jede ernsthafte Diskussion wird damit verhindert – und dass man über dieses Thema ernsthaft diskutieren sollte, darüber sind wir uns doch einig, oder? Und diskutieren heißt auch, dass es unterschiedliche Meinungen gibt. Aber das scheint nicht möglich.
    Übrigens, mit der Nächstenliebe und Menschenfreundlichkeit scheint es nicht weit her zu sein, denn die Zuwanderer dürfen dann im Pflegebereich tätig sein, wo härtestens gearbeitet, aber nichts zu verdienen ist.

  9. Erdling sagt:

    Die "Nazikeule" wie du es nennst, ist ein Kampf-Begriff vor allem der Rechtsextremen und Neonazis, die am liebsten die Erinnerung an die Geschichte löschen möchten (siehe: http://www.stupidedia.org/stupi/Nazikeule). Die Themen Flucht, Vertreibung und Deportation sind aber untrennbar mit dem braunen Morden verbunden. Und das es heitere Erben dieses Wahnsinns gibt, zeigen nicht zuletzt die NSU und viele rechtsextreme Morde hierzulande.

    Persönlich habe ich den Eindruck, dass gerade in diesem Forum unterschiedliche Meinungen kontrovers, aber durchaus ernsthaft diskutiert werden. Da könnte sich einige Foren etwas abschauen …

  10. joseph sagt:

    Aber ich bin halt kein Nazi!

  11. Erdling sagt:

    Das habe ich auch nie behauptet. Aber du bezichtigst mich eine "Nazikeule" zu schwingen und ich versuche dir meinen Standpunkt zu erklären. Geschichte ist nicht einfach eine "Keule" aus der Vergangenheit, sondern Erklärung für die Gegenwart und Auftrag für die Zukunft.

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