Generationenmix auf der Komplex #4 Releaseparty

Am Mittwoch war es also soweit, die vierte Ausgabe des Innsbrucker Kulturmagazins “Komplex” wurde in der neuen alten Wagner’schen Buchhandlung präsentiert.

Der Ursprung der neuen gepimpten Version des Magazins liegt im Institut der Komparatistik auf der Uni Innsbruck. Und ja im 11-köpfigen Komplex-Team sind auch noch Komparatistik Studentinnen vertreten. Fokus auf Innen, denn das Team ist durchwegs weiblich, obwohl die Girls in der Begrüßungsrede der Releaseparty betonen, “gerne auch Jungs mit ins Team holen zu wollen”.

Bild (81)

 

Die Location war etwas ungewohnt, weil schon eventuell zu nobel für eine Komparatistik Party, wie vor allem die Älteren unter den Gästen fanden. Ich war nämlich auch, nicht nur, von der älteren Generation umgeben (z.Bsp: Fritz, Abermann etc.), von ehemaligen KomparatistInnen , die über wilde Komparatistikfeiern der Vergangenheit sinnierten. Die aussagekräftigste Wortmeldung will ich hier teilen : “Ganz schön mutig, all die Bücher hier so offen stehen zu lassen (Subtext: Weil wenn das so ausartet wie früher, bleiben die Bücher nicht ganz und/oder sauber).“

Markus Renk strahlte bei seinen Begrüßungsworten, jubelte über den jungen Impuls, den die Zusammenarbeit mit dem “Komplex” seiner Buchhandlung gebe. Ganz klare “Hipsterpositionierung”. Der Marktsteigerungs-Touch der Rede hinterließ vielleicht bei einem anti-kapitalistisch eingestellten Publikum einen fahlen Beigeschmack, aber so läuft die Welt nun mal. Ohne Sponsoren, ohne Kollaborationen, die Geld ein- und auswerfen, bleibt die Welt quasi stehen. Und ein Magazin könnte nicht finanziert und publiziert werden.

Doch als nächstes stand die Kunst im Mittelpunkt, es kam zu Performances von Mitwirkenden des Magazins und lokalen Künstlern. Eingebettet in den Generationenmix des Publikums kamen Anja Larch und meiner einer, a.k.a Loco Gurus, in den Genuß von einer Markus Kozuh-Darbietung, in der er ein aktuelles, ernstes Thema in Form eines Textes vortrug. Der Text mit dem Titel “Wenn die Politik versagt, muss die Kunst Stoff liefern!” plädierte für “Untergrenzen” in der Flüchtlingsdiskussion.  Das Thema der Ausgabe war, ist nämlich “Kunst(stoff)”. Dann kam Ute Schneiderbauer auf die Bühne und trug ihre im Magazin vertretene Kolumne über ein Shoppingerlebnis vor. Der anfangs etwas banale Text über Kleidungsstücke entwickelte sich in ein komplexeres Gespann aus Metaphern, kratzte somit also die Kurve. Next up war Martin Fritz, der in seine Uniprofessor-Rolle namens “Dr.Hannes Trinkl, Institut für Meteorologie, Bruno-Sanders-Haus 7. Stock” schlüpfte. Geniale Ideen-Spinnereien über eine Reduktion des CO2 Ausstoßes beim Ausatmen. Und zwar indem man Algen unter die Haut tätowiert, die dort Sauerstoff erzeugen und laut Trinkl den CO2 Ausstoß um zwei Drittel reduzieren. Vorgetragen in astreinem Tirolerisch bringt die Performance das Publikum zum Lachen. Und die Theorie klingt fabelhaft glaubwürdig. Dann performte noch Slammer Matthias Daxer. Er gab eine Texbastelei, eine Kollage aus Facebook-Kommentaren, zum Besten. Zurück zu einem Jugendjargon, der Wortmix hatte den Touch “sexy’n’dirty”, also auf alle Fälle auch erheiternd.

Für Partylaune sorgte den Rest des Abends das Südtiroler Duo “PERIN&Barbarossa”. Wie sie mit Harmonika und Gitarre umgingen, war fantastisch, virtuos und locker lässig. Die gute Laune wurde weiters von der ausgestellten Herbst-/Winterkollektion 2016/17 von dem Tiroler Modelabel “Hick” angekurbelt. Die detailliert illustrierten Stücke, vor allem T-Shirts und Jacken, prägten sich bei mir als Kunstwerke sowie Gebrauchsobjekte ein. Als Illustration für diesen Partybericht habe ich dann auch gleich den Flyer von “Hick” integriert, einer von mir gezeichneten Figur die gezeichnete “Hick”-Mütze aufgesetzt. Den Sticker habe ich dann auch frisch auf das von Loco Guru Anja Larch geknipste Foto von der Kollektion gepappt.

Bild (80)

Somit komme ich zum letzten Kommentar über das Komplex #4. Nicht nur auf dem Cover ist ein Burger im Kontext einer Collage von Layouterin und “Kitschick”-Bloggerin Jasmin Seremont vertreten. Blättert man sich durch das Magazin findet man noch zwei weitere Burger, verpackt in Namen, und zwar Britta und Christina Burger. Von CB ist eine Zeichnung vertreten, die Pussy Riot und Frauenpower im Allgemeinen zelebriert. Fotokünstlerin Britta Burger ist mit einer Auswahl ihrer in der im November in der Bäckerei gezeigten Fotoreihe vertreten. Die Fotos zeigen eine Badass-Skaterin, stolze Sluts, sowie Behind-the-scenes-Shots eines Modeshoots. Konsumwahn ist ein Thema, die unnötige Anhäufung von Textilien, eine Kritik an Kommerz und das gleichzeitige Bewusstsein über die Angewiesenheit darauf. In diesem Sinne: Try not to totally sell your soul!

(Fotos von Anja Larch, Illustration und Kollage von Christina Burger)

Linkliste:

https://www.facebook.com/komplex.kulturmagazin/?fref=ts

https://www.facebook.com/PERIN-Barbarossa-334840543354789/

https://www.facebook.com/Hick.getlost/

http://www.brittaburger.co.uk/

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.