Essbahnfahrt von (S)inncity nach Seefeld

– Gedanken von oben herab, wie immer …

 

Von oben betrachtet, circa siebzehn bis zwanzig Meter über der Erde, einem Plateau, wenn man so möchte, geht ein Jeder, vorallem in der Mittagszeit, wohl oder übel gezwungenermaßen seinen Aufgaben mit dem Vertrauen nach, den zuvor genau geplant und einstudierten Tagesablauf möglichst mechanisch und ohne größere Anstrengungen oder Sorgen zu vollenden.

Die vielen, naja, ein paar sind es zumindest, Kinder visavis sitzend, schon zumeist im Gesicht gealtert, man erkennt es gut an den durch das viele Gift eingefallenen Wangen und den argen Falten, dadurch entstanden, wie die Augenränder, die Sorgen überall und vorallem im Gesicht.

Man lege sich scheinbar heute das angerissene Ruetz-Sackerl als Ablage unter´s Fußerl, während auch hierbei vom Fenster aus, wieder und noch immer hoch oben über der Stadt den arbeitenden Dissidenten dieses Jahrzehnts mit geübter Grimasse von oben herab gestarrt wird, geübt wohl, wofür lernt man denn an den hiesigen Gymnasien? (Subtile Huldigung – Danke danke danke)

Mit der S-Bahn fahren wir also gern, besonders durch die Stadt und nach Seefeld, aufs Land, man steigt aus und auch ein, meistens beides, zur richtigen Zeit ja, am Tag zumindest, um dabei, wenn man den Fensterplatz erhascht, von wo aus man die in blauen Latzhosen gekleideten Auszubildenden sehr gut von oben herab, schon wieder, beim Herumhocken beobachten kann, am Hafen sozusagen, das Tor der Stadt, abends zumindest… Schöner Anblick eigentlich, all die mittäglichen Konversationen, verschwitzte Gesten, blauer Rauch, viel davon und auch Monologe mit der Ewigkeit, wie es scheint.

 

Der Klang des vom Zugführer ausgelösten Signals lässt mindestens zwei oder drei Sitzende in ihrer Rhetorik erstarren, in scheinbar kurze Übelkeit versetzen, ich meine nicht wegen dem auffordernden Lärm sich wieder an die Arbeit zu machen, nein, mehr der durch den Laut zu Tage gebrachten Schmerz über eben all das schon heute Vorgefallene, Geschehene, es war sicher ein schlimmes Erwachen auch für euch, denkt einer sehr laut, in dem Fall für das ganze Regiment. Als nur wenig später, wie schon fast erwartet, die schlechte Miene vorüber war und die Gesichter wieder verblassten, sowie alle Gemüter wieder zu ihrer Besinnung kamen, bestand ohne Grund die sich zuvor im Versuch scheinbar zu bewahrheitende Möglichkeit, die Sonne fernab ihren Höhepunkt erreicht haben zu lassen, ohne dabei eigentlich nur irgendetwas anderes erreicht zu haben. Traurig diese Mittagsstunden. Trostlos und morbid, zwei sehr beschreibende Begriffe für den DurchschnittsÖsterreicher von heute.

 

Nein, es war ja dann doch nur die Bahn, ihr Beifall, die Lichter, die Höhe, Karten haben eben auch Augen, meint der paranoide Spieler neben mir und die Anzeigetafeln der Garnitur, in kurzen Abständen versetzt, versprechen absolut und in keinster Weise das, was sie angeben zu sein. Der Ausblick über den Wald, nun schon einige Meter hoch und inmitten des heiligen Landes, ein seltener Betracht, stumm und in völliger Pietät wartend auf etwas, das sich mir nur einige Sekunden zu gewissen Uhrzeiten offenbart, meistens nur an Wochenenden und oder Feiertagen, nach zwei Uhr morgens, ein bloßer Gedanke wird’s außerdem nur sein, natürlich mit erweiterten Pupillen oder nicht, lässt mich eben manchmal hoffen Besseres zu erwarten und somit für eine weitere Sekunde den Frust ableben. Die Motivation erlangend, mal selbst an die Spitze dieses Berges zu kommen, oder gleich die Spitze selbst zu werden, steigert und übertrifft sogar meine Vorstellungskraft – es muss die Höhenluft sein…

 

Sehr spürbar nun macht der Zugführer irgendwelche Anstalten zu einem ungewöhnlich Verlauf seiner Tätigkeit, was mich Unnahbaren sofort in tiefste Verlegenheit stürzt, um mich nun schließlich doch den Aufzahlungsbeleg von vorhin dankend in Händen halten zu lassen.
Jetzt bin ich verstummt und blass geworden, von dem Gedanke daran…-weißt noch: der Zweifel am Verlust… und der Zug gleitet langsam und krebserregend vor sich hin. Verbot hin oder her, hier liegt alles nur herum, langsam, ruhig, warm, sanft, trocken, weit und einsam, sehr adjektivisch unsere Vororte. Im Wald schwimmt hier Unrat, wie auch in den Menschen dort vorne am andere Ende, die Bäume haben dafür noch offenbar ihre Wurzeln, im Gegensatz zu den meisten von hier. All die Formen und Strukturen zielen mehr oder weniger auf meine Erinnerung. Sie siedeln am Fuße ihres Glaubens, diese Leut´, darüber Idylle und ein Kreuz – ich fürcht´ hier bin ich Z´haus.

 

Autor: Nicolas Kadhmaér

1 Antwort : “Essbahnfahrt von (S)inncity nach Seefeld”

  1. sebi sagt:

     ein schöner Beitrag, Schilderungen, Situationen, sehr eigenartig – letzteres durchaus als Kompliment gedacht.

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.