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Ein Hoch auf Masken-Tiere und Pippi Langstrumpf, nicht nur im Fasching!

Im Fasching verkleidet man sich, wird unter anderem zum Masken-Tier, schlüpft in eine Rolle, ist nicht man selbst. Die meisten Menschen verkleiden sich ausschließlich zur Faschingszeit oder, wie ich als Fuchs verkleidet am unsinnigen Donnerstag in der Stadt bemerkte, nicht mal dann.

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Also ich finde schon, dass das wieder mal zeigt, dass die meisten Leute einfach zu langweilig, zu fantasielos und auch zu faul sind, um sich eine Verkleidung oder überhaupt im Allgemeinen einen Look zusammenzubasteln. Womit ich schon bei der universaleren Message meines Beitrags angelangt bin: Wer nicht nur im Fasching Mut zur Maskierung beweist sind die Hipster. Sie heben sich von der grauen Masse ab, bilden in einigen Augen der grauen Masse eine bunte verrückte Elitegruppe von Eingebildeten. Siehe Zeichnung:

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Doch sie haben Fantasie, sind somit, wie ich finde, auch zu einem Tiefgang fähig, tümpeln nicht nur auf der Oberfläche. Denn sie beweisen Mut, probieren Neues aus, schlüpfen in noch nicht Dagewesenes, überholen somit „Ewiggestrige“, hören neue statt alte Musik, konsumieren exotische statt traditionelle, oder zumindest modern interpretierte traditionelle Gerichte. Denken post-post-modern statt mittelalterlich. Handeln ökologisch, setzen auf Qualität. Und sind dabei vielleicht auch teils „lässig“, aber was ist da so verwerflich dran? Nur weil „Lässigkeit“ nicht jedermanns Sache ist, warum es partout verteufeln, als „Szenedenken“ voller „hohler Phrasen“ verurteilen?

Schließlich ist es doch gut, wenn man in seiner Jugend durch eine Phase geht, in der man in Rollen schlüpft. Oft mag das auf eine naive Art passieren, doch so werden soziale Situationen ausprobiert und ausgelotet. Und es braucht junge Impulse, um Verstaubtes zu entstauben, um alte Paradigmen aufzubrechen und neue Horizonte zu schaffen. Etwa die Fantasie der Hipster, Altes neu zu interpretieren, hat doch durchaus etwas Positives. Diese mutige Kombination und der Wille zur Innovation bringt oft auch mehr Gleichberechtigung, bringt Revolutionen ins Rollen.

Hier sei noch ein Idol der Jugend erwähnt, und zwar Pippi Langstrumpf. Sie ist das Gegenteil von „ewiggestrig“, sie trägt das ganze Jahr zwei verschieden farbige Strümpfe, bricht somit schon einmal eine Konvention, probiert Neues aus, macht ihr eigenes Ding, bastelt ihren eigenen Stil. Ist ein Gutmensch, lebt Mitmenschlichkeit, lebt im Einklang mit der Natur. Höchstwahrscheinlich wäre sie Bioläden, in denen Hipster verkehren, und einem „Es keat oanfach viel mehr gschmust“-Jutesack auch nicht abgeneigt. Darüberhinaus ist sie ein Vorbild für Mädchen, lebt geglückte Emanzipation vor. Bei einem Slutwalk wäre sie sicherlich ganz vorne dabei, würde die Fahnen für Pussy Riot schwingen. Und ja, sie wäre auch bei vielen von uns „in“, würde bewundert werden, würde die Welt zum Besseren verändern. Also „out“ ist nicht immer die bessere, tiefgründigere Wahl:

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Auch als Erwachsene sollten wir die Pippi Langstrumpf in uns nicht begraben, sie weiter leben lassen, immer wieder Neues probieren, uns immer wieder mal auf die Schultern klopfen, um dem Staub keine Chance zu geben. Doch unsere Erwachsenenversion kann gut und kreativ bleiben, wenn wir die Verstaubung, Resignation und Fantasielosigkeit nicht zulassen.

 

(Zeichnungen von Christina Burger)

 

 

Christina Burger

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