#diskursiv: Schall und Rauch – das Denken der Weltverschwörungstheoretiker

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe #diskursiv des Kulturkollektivs Contrapunkt begrüßen wir Thomas Rammerstorfer. Er ist Journalist, Referent und recherchiert u.a. zu Verschwörungstheorien. Dafür laden wir ihn am 5. Juni um 20:30 in Die Bäckerei ein.

Die Medien werden zentral gesteuert. 9/11 war ein „Inside Job“. Es gibt keinen Klimawandel. Hinter allen spektakulären Terroranschlägen der letzten Jahre stecken CIA und Mossad. Die Bilderberger, die Freimaurer, die Illuminaten, die Juden und/oder Satan regieren heimlich die Welt. Die meisten Naturkatastrophen werden künstlich erzeugt. Es gab nie eine Mondlandung. Nazis haben UFOs gebaut und Außerirdische die Pyramiden. Impfungen nutzen nur der Pharmaindustrie. Die Erde ist in Wirklichkeit hohl. Und auch hinter dem „Islamischen Staat“ steckt Israel.

Man könnte diese Aufzählung mehr oder weniger gängiger Verschwörungstheorien fortsetzen. Vermutlich sogar tagelang. Rechte und Linke, Islamhasser und Anhänger*innen des politischen Islams, Christ*innen jeder Facon, Sekten-, Esoterik- und Satans-Jünger*innen, gutmütige Hippies und hasserfüllte Pöbler, sie sind sich oft in einem einig: Nichts ist so wie es scheint. Alles wird gesteuert.

Die Geschichte ist nicht eine Geschichte der politischen, ökonomischen und sozialen Konflikte, sondern schlicht eine der Verschwörung mehr oder weniger unbekannter Mächte; je nach persönlicher Vorliebe mal gegen die „deutsche Rasse“, gegen das Christentum, gegen den Islam oder gar gegen die Menschheit an sich. Es gibt weder Zu- noch Unfälle. Überall steckt ein geheimer Plan dahinter, und der führt ins Verderben.

Die Vorstellungen einer Weltverschwörung sind alt. Verschwörungstheorien haben aber durch die modernen Medien, insbesondere das Web 2.0 eine neue Dynamik erfahren. Im Sekundentakt werden dort absurde Theorien und dreiste Lügen über den Globus gejagt. Geglaubt wird, was man glauben will, was sich mit bereits vorhandenen Vorurteilen deckt, was das „Wiederlegen“ der Horrorgeschichten noch schwieriger macht.

Dazu wird argumentiert, es habe in der Geschichte ja tatsächlich auch Komplotte gegeben, von simplen Versuchen politischer Einflussnahme durch Lobbyisten bis zum Mordkomplott. Das stimmt, allerdings ist der Umkehrschluss „es gab Verschwörungen, also ist alles Verschwörung“ natürlich absurd.

Eingedenk dessen, das die Unzulänglichkeiten des kapitalistischen Systems – Krisen, Kriege, Ungerechtigkeit – offensichtlich und wissenschaftlich belegbar sind, ist eine Beschäftigung mit Weltverschwörungstheorien bestenfalls Zeitverschwendung.

Im schlimmsten Fall leistet man jenen politischen Kräften Vorschub, die die Fehler des Systems bestimmten Personengruppen zuschanzen wollen – mit den aus dem letzten Jahrhundert bekannten verheerenden Folgen.

 

Wann: 5. Juni 2017

Wo: Die Bäckerei / Kulturbackstube (Dreiheiligenstraße 21a, 6020 Innsbruck)

Eintritt frei.

1 Antwort : “#diskursiv: Schall und Rauch – das Denken der Weltverschwörungstheoretiker”

  1. Helmut Schiestl sagt:

    Ich bin zwar kein Anhänger von Weltverschwörungstheorien, aber dass wir in einem Zeitalter des medialen Mainstreams leben, sollte auch allen klar seien. Wie zum Beispiel der ORF wohl als größter öffentlicher Meinugnsbildner des Landes mit politisch Andersdenkenden – nämlich gegen das politische System Denkenden – umgeht, kann man am besten an deren Nichtpräsenz in den diversen politischen Diskussionssendungen sehen. Oder kann sich jemand mal daran erinnern, etwa in einer Sendung wie „Im Zentrum“ eine Kommunistin oder einen Kommunisten oder Anarchist/in oder – meinetwegen – auch mal einen Pegidaanhänger oder eine Pegidaanhängerin gesehen und gehört zu haben? Freiheit ist immer auch die Freiheit des Andersdenkenden. Unsere Medien erfüllen diesen Auftrag, nämlich das politische Meinungsspektrum des Landes abzubilden, nur sehr unzureichend. Was natürlich den Gerüchten um Weltverschwörungstheorien immer wieder neue Nahrung gibt.

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