Das Gendern ist des Mairs Lust

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Erinnert sich wer an Gebi Mair? Ja genau, jener einst jugendlich bis zuweilen respektlos auftretende Nachwuchs-Landtagsabgeordnete der Grünen, der bis zum Regierungseintritt seiner Partei vor ein paar Jahren durch respektlose und zuweilen jugendliche Auftritte öfter einmal für Aufsehen im Land gesorgt hat.

Galt Gebi Mair bis zur letzten Landtagswahl gar als der personifizierte Grund für die Landes-ÖVP, eine Koalition mit den Grünen auszuschließen, ist er seither vom vorlauten Saulus zum braven Paulus gereift. Zumindest seine Koalitionspartner von der ÖVP sehen das so und wohl auch nicht wenige seiner Fans und Kritiker. Anstatt mit Aktionismus den Blutdruck der konservativen Parteielite in die Höhe schnellen zu lassen, widmet sich der frühere Internatsschüler nun eben der seriösen aber ungleich unauffälligeren Aufgabe der Führung des Grünen Landtagsklubs. Mediale Auftritte sind selten, und wenn, verlaufen diese oft in einträchtiger Doppelconference mit seinem ÖVP-Pendant. Das einstige ideologische Feindbild namens Jakob Wolf, seines Zeichens Dorfbürgermeister im Ötzidorf Umhausen, ÖVP-Bezirksparteiobmann in Imst, Geschäftsführer des Tiroler Seniorenbundes, Landtagsabgeordneter und Landesbediensteter mit Pensionsanspruch hat sich zu so etwas wie Mairs politischem Intimus entwickelt. Auch kleine Koalitionen bewirken manchmal große persönliche Veränderungen.

Und dennoch. Ganz von seiner früheren Leidenschaft, konservative und überhaupt alle Nicht-Grünen Politiker anzugreifen und aufzuklären über den Irrtum ihres ungrünen Weltbildes, kann er nicht lassen. Auf seinem Internettagebuch gebimair.blogspot.co.at finden sich neben allerhand Versuchen, die seiner Meinung nach viel zu klein geschriebenen Erfolge der eigenen Regierungsarbeit zu verkaufen, gelegentliche politische Querschüsse. Querschüsse auch in Richtung seines Koalitionspartners  oder zumindest dessen Um- und Vorfeldorganisationen. So eine Ehrensalve politischen Verbalschrotes entlud Klubobmann Gebi in diesen Tagen in Richtung des Tiroler Jägerverbandes, offiziell natürlich keine ÖVP- oder ÖVP-nahe Organisation, de facto praktisch zu hundert Prozent. Stein des Anstosses war für Mair eine Werbeanzeige in der Zeitung des Jägerverbandes, in der ein zugegeben nicht gerade öko- oder schmalspurig daherkommender Off-Roader als ideales Vehikel zur Fortbewegung in heimischen Jagdrevieren angepriesen wird. In Zeiten wie diesen braucht man für fette Beute offenbar ein entsprechend fettes Auto, wogegen ein passionierter Weidmann nichts einwenden wird. Für Gebi Mair allerdings Grund genug, einen Blogeintrag samt Screenshot abzusetzen und die seiner Meinung nach unmoralische Doppelmoral zu geiseln. Der Jägerverband habe einerseits nichts gegen dicke Brummer im Wald einzuwenden, würde aber andererseits immer wieder vor der Bedrohung des Wildes durch WandererInnen, SkitourengeherInnen und Co aufmerksam machen.

WandererInnen? Da ist der Grüne Genderreflex wohl ein wenig übers Ziel geschossen. Ein Nachschlag im deutschen Duden bestätigt meinen beim Überfliegen gehegten Verdacht, dass es sich bei „WandererInnen“ um eine reine Begriffsschöpfung aus der Feder Gebi Mairs handelt. In der hehren Absicht, männliche Formulierungen durch Anfügen eines Binnen-I bzw. der weiblichen Form geschlechtsmäßig zu neutralisieren, oder auf gut neudeutsch zu gendern, hat Mair sozusagen den Vogel der Vögel abgeschossen. Er hat nämlich nicht gegendert, sondern – bitte festhalten – die gegenderte Form wiederum, sozusagen rückwirkend, vermännlicht. Ja genau. Und da ist dann auch das schönste Binnen-I praktisch für die Katz´.

Zur Erklärung: Nehmen wir als einfaches Beispiel nicht den Wanderer, sondern den Geher. Da ist es in der Tat einfach. Der Geher wird durch Anfügen der Silbe -in zur (weiblichen) Geherin. Perfekt gegendert. Komplizierter verhält sich die Sache beim Wanderer. Der weibliche Wanderer wird nämlich nicht automatisch zur Wandererin, sondern, wenn man so will, sozusagen von Natur aus, also sprachlich genuin, gegendert, indem zur Erzeugung der weiblichen Form nicht nur die Silbe -in angefügt, sondern vorher auch noch die Silbe -er abgezogen wird. Die einfache Wandersfrau wird also nicht zur Wandererin, sondern zur Wanderin. Zwei oder mehr Frauen ergeben folgerichtig nicht eine Gruppe von Wandererinnen, sondern Wanderinnen.

Diese gendertechnische Besonderheit hat der Genderfachmann Gebi in seinem Beitrag schlichtweg ignoriert. Warum er das getan hat, darüber kann man oder Mann jetzt nur spekulieren. Vielleicht hat er sich gedacht, wenn ich WanderInnen schreibe, schließe ich ja die Männer vom Wandern irgendwie aus, weil da eine Silbe fehlt, womit er streng genderpolitisch gedacht ja irgendwie Recht hat. Frau und man sieht, es handelt sich im vorliegenden Fall um eine Art gendertechnischen Präzedenzfall, der in seiner Komplexität höchstens mit einem hochkomplexen österreichischen Briefwahlkuvert vergleichbar ist.

Nicht Sein oder Nichtsein, sondern WanderInnen oder WandererInnen lautet hier die Frage. Und damit sind wir schon beim nächsten Problem. Dieses von Gebi Mair intuitiv ersonnene, sprachliche Genderparadoxon ist, und das muss man in aller Traurigkeit festhalten, mit wissenschaftlichen Mitteln leider auch nicht zu lösen. Vielmehr müssen intuitive, vielleicht sogar pseudowissenschaftliche Methoden herhalten, oder, wenn das nicht hilft, der eigene Geschmack. Ich weiss ja nicht, wie es Ihnen geht, mir persönlich haben die WandererInnen von Anfang an nicht so recht gefallen. Ich bin geradezu darübergestolpert wie der Wanderer oder die Wanderin über einen unter Tannennadeln verborgenen Wurzelstock. Und wie gesagt: laut Duden existieren Wandererinnen in der Tat nicht, weshalb ich sie wahrscheinlich für einen Fehlbegriff halte. Anders gesagt: Gebi Mair hat sich vergendert. Oder übergendert. Oder sich einfach irgendwie drübergegendert über das Problem.

Wozu nun aber dieses Wortgeklaube, dieses Wundern übers Wandern, werden Frau Leserin und Mann Leser sich fragen. Nun, man wird Gebi Mair nicht ersparen können, ihn zu einer eindeutigen politischen Lösung, womöglich in Form einer landes- oder bundesgesetzlichen Initiative dieses immerhin von ihm selbst heraufbeschworenen Wanderer-Wanderinnen-WandererInnen-Problems aufzufordern, damit in Hinkunft mit Hinblick auf etwaige und ernsthafte Folgen für das österreichische Bildungsniveau im Allgemeinen und die Qualität der politischen Debatte in Tirol im Speziellen jeglicher Schaden von der Bevölkerung abgewendet werden kann.

Und weil wir gerade beim Gendern sind: wieso der Tiroler Jägerverband in Mairs Blog ungegendert als Jägerverband durchgeht und somit als reine Männervereinigung, anstatt wie es sich anno 2016 gehören würde, ihn geschlechtsneutral und korrekt als Tiroler JägerInnenverband zu kritisieren, muss uns Genderfachmann Gebi noch ernsthaft erklären. Weil wenn schon gleiches Recht für alle, dann alle gleich oder noch besser gleich alle gendern. Oder wollen Sie einer verstörten Tiroler Jägerin erklären, warum sie von Gebi Mair diskriminiert wurde?

Johann Alexander

Das Bild stammt von Gebi Mairs Blog

5 Antworten : “Das Gendern ist des Mairs Lust”

  1. Birgit Hohlbrugger sagt:

    Kommentar

  2. Birgit Hohlbrugger sagt:

    Ich probier’s jetzt nochmal, was ich sagen wollte: Ich liebe diesen Text, ich liebe diesen Text, ich liebe diesen Text! Sehr gelungen. Ich liebe diesen Text.

  3. joseph sagt:

    Herrlich! 🙂

  4. Michael Bauer sagt:

    ich würd’s ja mit ‚die Wandernden‘ gendern 🙂

    • Karl Ranseier sagt:

      … das mit dem substantivierten Mittelwort der Gegenwart „die Wandernden“ finde ich ungeeignet, weil es im grammatikalischen Sinn eine gerade andauernde Tätigkeit beschreibt – anders gesagt: eine Wanderin sowie ein Wanderer, die auf ihrer Wanderung gerade Rast machen, sind keine Wandernde sondern Rastende.
      Was mich wieder zum Ergebnis führt: mit unserer deutschen Sprache sind die Wünsche nach (zumindest zwei-)geschlechtlich ausgewogener Ausdrucksweise einfach (in doppeltem Sinne) nicht zu lösen; alle Versuche in diese Richtung schwemmen die Sätze nur auf und erschweren die Entnahme eines allenfalls enthalten Sinnes des Geschriebenen.

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