Das 130.000-Euro-Ding

Im Stillen hätte es durchgezogen werden sollen. Das 130.000-Euro-Ding. Und irgendwann sollte es vermutlich ganz plötzlich mit großem Pomp und Trara enthüllt werden. Und jetzt, da durchgesickert ist, was da kommen soll: Niemand will es wirklich gewesen sein. Ein Künstler soll einfach so eine 2Meter70 hohe Bronzestatue angefertigt haben. Kann ja schon mal vorkommen, dass einem über Nacht so eine Statue auskommt. Aber kommen soll sie trotzdem: die Statue, die niemand braucht.

hilfeschrei-sozialarbeiterUm was geht’s: Auf dem Landhausplatz soll diese Bronzestatue des ehemaligen Landeshauptmanns Eduard Wallnöfer aufgestellt werden. 130.000 Euro kostet das Ding. Bekannt geworden sind die Pläne wenige Tage nach der Ankündigung, dass sich zahlreiche Tiroler Sozialvereine auf Subventionskürzungen von 10 Prozent einstellen müssen. Der Budgetdisziplin wegen. Die schwarze Null ist und bleibt das Ziel von Landeshauptmann Platter.

Doch anstatt ENDLICH das Landesbudget wirklich komplett auf den Kopf zu stellen, Veraltetes oder gar Unsinniges (das Land finanziert der Bauernkammer etwa Dutzende Posten) endlich zu hinterfragen, kommt der Budget-Rasenmäher. Und man setzt bei denen an, die es am dringendsten brauchen und die es am wenigsten brauchen können, wenn im Sozialbereich derart radikal gekürzt wird.

wallnoefer-am-brenner-tirol-orf-atUnd nun das. Plötzlich sind 130.000 Euro da. Nein, natürlich nicht aus dem Landesbudget. Wir sind ja kreativ, und wissen aus welchem Topf man sich bedienen muss, damit das heilige Budget unangetastet bleibt. Es sollen 130.000 Euro aus der Landesgedächtnisstiftung sein. Jener Stiftung, von der Walli-Schwiegersohn Landtagspräsident Herwig van Staa der Vorsitzende ist. Jener Stiftung, die der Förderung junger Menschen, sagen wir: junger Talente aus Tirol dient. Siehe https://www.tirol.gv.at/kunst-kultur/landesgedaechtnisstiftung/

todesanzeige-eduard-wallnoeferJung ist Eduard Wallnöfer nun wirklich nicht mehr. Er ist seit mehr als 27 Jahren tot. Talent hatte Eduard Wallnöfer sicherlich. Auf der einen Seite ein politisches. Auf der anderen Seite aber auch das zweifelhafte Talent, seinem Stand Werte zuzuschanzen, die ihresgleichen suchen: Sein Wirken für viele eilig gegründete Agrargemeinschaften, denen quasi über Nacht ganze Gemeinden überschrieben und so der Allgemeinheit entzogen wurden (Millionen und Abermillionen an Werten – Grundstücke, Schottergruben, Skipisten) ist leidige Legende. Hinzu kommt außerdem, dass der Landhausplatz längst zum Gedenkort für die Opfer und WiderstandskämpferInnen der NS-Zeit geworden ist.

Eduard-Wallnöfer-Platz, Foto: Richard Günter WettUnd: Der „Landhausplatz“ heißt schon jetzt offiziell Eduard-Wallnöfer-Platz. Das ist genug der Ehre für einen ehemaligen Landeshauptmann. Die Zeit der Büsten und Statuen ist vorbei. Völlig egal, aus welchem Topf sie bezahlt werden. Steuergeld bleibt Steuergeld. Auch und vor allem in Zeiten, in denen den Sozialvereinen das Wasser bis zum Hals steht. Die Landesgedächtnisstiftung hat die Statue trotzdem angekauft. Vermutlich, „weil mir des in Tirol schon immer so gmacht habn“. Doch: Der Kauf, der nicht rückgängig gemacht werden kann, muss erst noch erfunden werden.

3 Antworten : “Das 130.000-Euro-Ding”

  1. Franziska Moser sagt:

    Statuen haben wir genug im Land, das Geld sollte denen zukommen die es dringend benötigen.

  2. Josef Stingl sagt:

    Liebe Freunde,

    ich habe gerade eine eigene Petition gestartet und hoffe ihr könnt sie unterzeichnen — sie heißt:
    Landtagsdirektion Tirol: Verzicht auf Wallnöfer-Büste.

    Dieses Thema ist mir wirklich wichtig und ich versuche, 100 Unterschriften zu sammeln. Dabei könnte ich eure Hilfe gebrauchen.

    Klickt hier, um mehr darüber zu erfahren und die Petition zu unterzeichnen:
    https://secure.avaaz.org/de/petition/Landtagsdirektion_Tirol_Verzicht_auf_WallnoeferBueste/?Day2Share

    Kampagnen wie diese fangen immer klein an, aber sie wachsen, wenn Menschen wie wir mitmachen — bitte nehmt euch gleich einen Moment Zeit und helft mit, indem ihr die Petition unterzeichnet und weiterverbreitet.

    Herzlichen Dank,
    Josef

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