Der Krieg und der Tod

Neben vielen schönen Friedhöfen in den einzelnen Stadtteilen hat Innsbruck auch einige Soldaten- und Kriegsfriedhöfe, die für die Gefallenen der beiden Weltkriege angelegt wurden. Der größte befindet sich etwa in Amras, an der Grenze zu Pradl. Angelegt im Kriegsjahr 1917 beherbergt dieser Soldatenfriedhof die Kriegsgräber von 5.680 Gefallenen verschiedenster Nationen sowohl des Ersten als auch des Zweiten Weltkrieges, die hier im Raum Innsbruck gefallen oder sonst durch den Krieg ums Leben kamen. Soldaten verschiedenster Nationen sind hier begraben, so gibt es in diesem Friedhof auch einen abgetrennten italienischen Teil für Gefallene aus Italien, wie auch einen moslemischen Teil für solche aus Bosnien, die für die Monarchie mit ihrem Leben bezahlt haben. Ihre Grabsteine zieren Feze – die im osmanischen Reich übliche Kopfbedeckung in dieser Zeit – und geben so einen vielleicht pittoresken Teil ab, den man vielleicht nicht auf Anhieb für einen Friedhof halten würde. Pittoresk ist aber vielleicht weniger das Aussehen dieser Grabsteine als die Tatsache, dass diese Menschen ihr Leben für ein wohl schon lange dem Untergang geweihtes Imperium lassen mussten, das zwar auch heute noch von vielen verklärt wird, aber gerade in seinem noch Ende noch sein wahres Gesicht aus Brutalität und Unversöhnlichkeit unter Beweis gestellt hat. Man lese dazu etwa nur Karl Kraus’ Kriegsdrama Die letzten Tage der Menschheit. Auch den Opfern des Nationalsozialismus im nahegelegenen Zwangsarbeitslager Reichenau ist ein Gedenkstein gewidmet. Es lohnt sich vielleicht gerade in diesen Tagen mal, dieser  Gedenkstätte einen Besuch abzustatten. Man kann hier sein Geschichtsverständnis vertiefen und nicht zuletzt kann einem auch die Absurdität des Krieges in einer sehr anschaulichen Weise bewusst werden, wie es Bücher vielleicht gar nicht so imstande sind es zu tun. Adresse: Innsbruck Pradl,...

Christine Oppitz-What?

                In dieser Stadt wird nicht nur digital, sondern auch analog geflüstert. Wichtige und weniger wichtige Dinge werden besprochen, hinter und vor vorgehaltener Hand. Kürzlich wurde ich Ohrenzeuge einer nur auf den ersten Blick alltäglichen Begegnung, auf den zweiten Blick aber umso interessanteren Gesprächs. Die zwei ungleichen Gesprächspartner waren ein afroamerikanischer Tourist, sportlich, Ende zwanzig, mit Turnschuhen, T-Shirt und einer gespiegelten Sonnenbrille, und ein cirka fünfzigjähriger Einheimischer, gekleidet mit grauem Pullover, gescheitelter Frisur und braunem Haar. Ich nenne die beiden, deren Namen ich nicht kenne oder kannte, Helmut und Steve. Abgespielt hat sich das Ganze im belebten Gastraum eines beliebten Altsatdtcafes. Steve: Excuse me Mister, may I take a seat? Helmut: Wie bitte? Steve: (deutet auf einen freien Sessel) Free? Helmut: Achso, ja. Setzen Sie sich. Sit down. Steve: Thank you, Mister. I appreciate that. Helmut: Danke, ich auch. (Beide bestellen. Steve ein Glas Coca Cola, Helmut eine Melange mit einem großem Glas Wasser.) Steve: Sorry, Mister. I have a question. Helmut: Was willsch? Steve: How do you call god in this city? Helmut: Wie? Steve: God. How do you call him? Helmut: Gott? Na, Gott gibt´s da keinen. Steve: I mean, how do you call the mayor? Helmut: The Mayor? Achso, der Bürgermeister. He is called Christine Oppitz-Plörer. Steve: Oppitz what? Helmut: Plörer. Steve: What´s a Plörer? Helmut: I don´t understand. Steve: What´s a Plörer? Helmut: Nein, nicht Plörer. Christine Oppitz-Plörer. Steve: Ok. So, what does this lady, Misses Oppitz-Plörer stand for? Helmut: Bei der ÖVP. Äh, nein. Bei für Innsbruck. Steve: No, no, Mister. I didn´t mean where she’s actually standing. What are her political aims? Politics? Helmut: Ja, Politik, genau. Bürgermeisterin. Steve: Ok, let´s try it another way. What...

Trotz alledem. Gaismair-Jahrbuch 2017: Präsentation...

Mittwoch, 23.11., 19:30 Uhr Buchhandlung Haymon, Sparkassenplatz 4, Innsbruck Das diesjährige Gaismair-Jahrbuch diskutiert Antisemitismus und Islamfeindlichkeit in Österreich und Großbritannien. Ebenso werden islamistische Angriffe auf die Meinungsfreiheit, der Vorrang von Menschenrechten gegenüber Ansprüchen von Tradition und Kultur sowie die mangelnde Kritikfähigkeit der politischen Linken gegenüber Islam und Islamismus besprochen. Ein Schwerpunkt greift Widerstand und Kritik gegen Antiziganismus auf, einer spezifischen Form des Rassismus; ein anderer erklärt die Ursachen der erhöhten Sterblichkeit in der Heil- und Pflegeanstalt Hall. Ein Beitrag ironisiert die markenorientierten Strategien der Tiroler Tourismusverbände und Branding-Agenturen. Den Abschluss bildet ein Literaturteil, zusammengestellt von Christoph W. Bauer. Wie immer stellen wir Euch/Ihnen die Schwerpunkte des aktuellen Jahrbuches im Überblick vor. Außerdem sind zur Buchpräsentation Gäste und AutorInnen eingeladen: • Alexandra Weiss eröffnet eine Debatte über Meinungsfreiheit, Menschenrechte und Religionskritik • Martin Haselwanter spricht über das Verhältnis der politischen Linken zur Religion • Elisabeth Hussl thematisiert eine Form des Rassismus: den Antiziganismus • Horst Schreiber stellt die Schwerpunkte zur Psychiatrie und zur Nachwirkung von Vergangenem auf die Gegenwart vor • Thomas Parth analysiert markenorientierte Strategien der Tiroler Tourismusverbände und Branding-Agenturen • Christoph W. Bauer stellt die literarischen Beiträge vor   Auf Dein/Euer Kommen freuen sich die HerausgeberInnen Horst Schreiber, Monika Jarosch, Martin Haselwanter und Elisabeth Hussl. www.gaismair-gesellschaft.at/ Veranstaltungsort Buchhandlung Haymon Sparkassenplatz 4 6020...

Am Markt. Eine Platzbeschimpfung...

            Sie werden kein Konzert hören. Ihre Neugier wird nicht befriedigt werden. Sie werden nichts hören. Kein Schauspiel. Es wird nicht gespielt. Hier wird nur gelesen. Marktplatz. Wie satt ich Dich habe! Deine Asphaltwüste, Deine unansehnlichen Kamine aus rostfreiem Edelstahl und all die öde Trostlosigkeit. Kalt, leblos und leer. Einst, vor meiner Zeit, warst Du Treffpunkt, Handelsplatz und Nahversorger, Geburtsstätte von interessanten Gesprächen und lebenslangen Liebesbeziehungen. Die jungen Mädchen sind hin- und hergelaufen auf Deinem Areal, die Buben haben fremden Müttern so tief in die Taschen gelangt, dass die Münzen nur so geklimpert haben. Obst- und Gemüsekörbe, prall gefüllt mit allem, was uns die Natur bietet, haben Dein Geviert koloriert. Das leise Rauschen des Inns und der freundliche Gruß der Häuserzeilen gegenüber haben Dich erst zu jenem Kleinod gemacht, das jeder, der Dich betrat, zu schätzen wusste. Eine Schlüsselfigur warst Du und vielbesuchter, frequentierter Schauplatz des Geschehens inmitten unserer Stadt. Welch traurige Gestalt gibst Du heute ab? Schau an, was aus Dir geworden ist, was sie aus Dir gemacht haben, die Bürger und die Verwaltung dieser Stadt. Du bist nichts als ein Dachdeckel, eine in ihrer Bedeutung entwertete Zufahrtsrampe einer Garage, austauschbare Bühne für beliebige Ereignisse und touristische Belustigung, nur noch ein Schatten Deiner selbst. Nur still kannst Du ertragen, wenn sie jetzt wieder mit Baumaschinen über Dich hinwegfegen und in Deinen Eingeweiden wühlen. Leicht machst Du es uns allen damit nicht, schließlich müssen wir Deinen Anblick und Deine schweigsame Traurigkeit ebenso ertragen. Tag für Tag, wenn wir an Dir vorüberziehen. Was könntest Du nicht alles sein, voll Anmut und Grazie? Aber nein, Du wolltest es anders, wolltest etwas Neues sein, etwas, das den politisch vorgezeichneten Abgesang nicht erkannt, sondern ihm widerstandslos zugestimmt hat....

„Du kommst hier nicht rein!“...

Es ist schon mitten in der Nacht als der Anruf kommt. Lieber würde ich ihn ignorieren, aber etwas in mir sagt, dass es wohl von Bedeutung sein muss um diese Uhrzeit. „Hallo?“ – „Sie haben uns nicht reingelassen.“ – „Was meinst du?“ – „Sie haben uns in den Club nicht reingelassen.“ – „Scheiße.“ Es gibt Millionen Gründe dafür – normalerweise. Aber hier gibt es nur diesen einen, das ist sofort klar. „Weißt du, alle Weißen haben sie reingelassen, wirklich ALLE, aber uns nicht.“ – „Ich weiß.“ – „Es ist wirklich einfacher für diejenigen, die gar nicht erst versuchen, sich zu integrieren.“ Mit diesem Satz bin ich hellwach. Wochenlang lässt er mich nicht mehr los. Irgendwann, hatte ich gedacht, irgendwann muss es sich doch bezahlt machen. Ich versuche dich aufzubauen, doch es scheint fast zwecklos. Du hast den weiten Weg geschafft bis hierher, du hast alles, wirklich alles getan. Dein Deutsch ist perfekt nach nur einem Jahr, du hast die Zulassung zur Uni, du brauchst jetzt nur noch diesen einen Bescheid und dann wird alles gut. So dachte ich. Aber in den letzten Wochen kommst du mir vor wie ein Marathonläufer, der auf den letzten Metern vor dem Ziel zusammenbricht. Kein Wunder. Die Ziellinie verschiebt sich mit jedem Schritt nur noch ein Stück weiter nach hinten. Integration. Was für ein Schlagwort der heutigen Zeit. Integration ist ein beidseitiger Prozess. Wie gut sich das anhört. Wenn es jedoch um die Frage einer gelungenen, erfolgreichen Integration geht, werden Versäumnisse immer nur einer von beiden Seiten zugeschrieben. Als wäre es deine gottverdammte eigene Schuld, wenn du ständig an die Tür klopfst, aber niemand sie dir öffnen will. Wir wollen das nämlich nicht, habe ich erfahren. Seit dem Anruf sind Wochen vergangen. In der...

Offtanz Tirol: Freche neue Produktionen...

Offtanz Tirol ist ein KünstlerInnen-Kollektiv, das sich aus professionellen zeitgenössischen TänzerInnen, ChoreographInnen und Tanz-, Kunst- und Kulturinteressierten zusammensetzt. Der Verein versteht Tanz als kritische, innovative und unkonventionelle Ausdrucksform, um die Komplexität der Gegenwart kreativ und erfrischend aufzuzeigen. Hohe künstlerische Qualität, gesellschaftliche Relevanz, differenziertes und experimentelles Schaffen sowie Körperdiskurse der Gegenwart sind zentrale Anliegen der Mitglieder. Am kommenden Freitag, den 28.10.2016 und am Samstag, den 29.10.2016 sind im Westbahntheater (Feldstraße 1, 6020 Innsbruck) jeweils um 20 Uhr die neuesten Herbstproduktionen „Carambolage“ und „I’m still here“ im Doppelpack zu bewundern: In „Carambolage“ entstehen überraschende Verbindungen zwischen verschiedenen Flamencostilen und zeitgenössisch alpenländischen Klangwelten. Die Flamencotänzerin und Choreographin Katja Piening ist Lola „La Colchona“ (Die Matratze), eine ganz gewöhnliche Superfrau unserer Zeit, die Beruf, Outfit, Haushalt und ihre Kinder voll im Griff hat und abends in einer Flamencoshow für Touristen auftritt. Sie gerät an die Grenzen ihrer Belastbarkeit und nach einem mental- körperlichen Zusammenbruch taucht sie tief in die unbewussten Schichten ihrer Persönlichkeit ein und erwacht auf einer Tiroler Alm. Gemeinsam mit dem Publikum erspürt sie den Hauch des Geistes und das Motiv der Sehnsucht nach Balance lässt elementare Geräusche und Naturtöne erklingen. Inszenierung, Choreographie und Tanz: Katja Piening, Flamencogitarre: Peter Nagelschmiedt, Gesang und Perkussion: Margie Sackl Foto: Nicolas Hafele „I’m still here“ ist eine kraftvolle Mischung aus Installation, Konzert und Performance. Es entsteht ein mystisch zartes Gewebe aus Bildern, die sich auf träumerische, dunkle und zugleich hoffnungsvolle Weise mit existentiellen Fragen des Leben beschäftigt: Wer bin ich? Wohin gehe ich? Was bleibt mir? Wie auch die Umstände sein mögen: I’m still here. Eva Müller beweist, dass das ebenso mit einer Portion Humor, Leichtigkeit und Ironie gesehen werden kann. Ein rotzig trotziges Stück, das sich den Herausforderungen des Lebens frech entgegenstellt und die...

Mein Freund Firas braucht uns...

Diese Aufnahmen aus der Luft: zerstörte, zerbombte Straßenzüge. Dieses eine Kind, das voller Staub apathisch im Rettungswagen sitzt. Menschen, die wie Holzlatten in Häuserhälften stecken. Jeden Tag Tote. Die syrische Stadt Aleppo ist in aller Munde. Wer kann, flieht. Lässt alles zurück. Aber man ist am Leben. Der 35-jährige Firas ist einer davon. Er ist aus Aleppo geflohen und er ist am Leben. Firas ist mein Freund. Und er braucht uns. Vor etwas mehr als einem Jahr schaffte Firas es bis nach Österreich. Ich kann mich nicht erinnern, jemals wen mit solch starkem Willen kennengelernt zu haben. Er ging voraus. Sorgte dafür, dass seine Frau und seine beiden Kinder in der Türkei in „Sicherheit“ sind. „Es geht ihnen gut“, sagt Firas. Seine Augen erzählen anderes. Seit über einem Jahr hat er seine Liebsten nicht in die Arme schließen können. Ohne whatsapp wüsste er nicht einmal, wie lange die Haare seiner 3-jährigen Tochter schon sind. Es war alles anders geplant: das nackte Überleben sichern und dann würde er voraus gehen und sie schnellstmöglich nachzuholen versuchen. Als ich Firas kennenlernte, unterhielten wir uns auf Englisch. Ich in meinem kruden Schulenglisch, Firas in perfektem Englisch-Englisch. Denn er war in seiner Heimat Englischlehrer. Gestern, als wir uns wieder einmal trafen, sprachen wir wie seit längerem auf Deutsch miteinander. In rund einem Jahr hat Firas das geschafft, was wir Tiroler nie können werden: Deutsch zu sprechen. Akzentfrei. Firas will endlich zur Ruhe kommen. Auf Deutsch sagt er zu mir: „Weißt du, ich habe alles verloren. Aber ich bin nicht der einzige. Ich muss ein neues Leben schaffen“. Firas hat nun endlich seinen „Bescheid“ in Händen. Er ist jetzt „Anerkannter Flüchtling“. Was für ein fragwürdiger, grauslig klingender Titel. Ein Titel, der Firas auch vor neue...

Das Gendern ist des Mairs Lust...

                Erinnert sich wer an Gebi Mair? Ja genau, jener einst jugendlich bis zuweilen respektlos auftretende Nachwuchs-Landtagsabgeordnete der Grünen, der bis zum Regierungseintritt seiner Partei vor ein paar Jahren durch respektlose und zuweilen jugendliche Auftritte öfter einmal für Aufsehen im Land gesorgt hat. Galt Gebi Mair bis zur letzten Landtagswahl gar als der personifizierte Grund für die Landes-ÖVP, eine Koalition mit den Grünen auszuschließen, ist er seither vom vorlauten Saulus zum braven Paulus gereift. Zumindest seine Koalitionspartner von der ÖVP sehen das so und wohl auch nicht wenige seiner Fans und Kritiker. Anstatt mit Aktionismus den Blutdruck der konservativen Parteielite in die Höhe schnellen zu lassen, widmet sich der frühere Internatsschüler nun eben der seriösen aber ungleich unauffälligeren Aufgabe der Führung des Grünen Landtagsklubs. Mediale Auftritte sind selten, und wenn, verlaufen diese oft in einträchtiger Doppelconference mit seinem ÖVP-Pendant. Das einstige ideologische Feindbild namens Jakob Wolf, seines Zeichens Dorfbürgermeister im Ötzidorf Umhausen, ÖVP-Bezirksparteiobmann in Imst, Geschäftsführer des Tiroler Seniorenbundes, Landtagsabgeordneter und Landesbediensteter mit Pensionsanspruch hat sich zu so etwas wie Mairs politischem Intimus entwickelt. Auch kleine Koalitionen bewirken manchmal große persönliche Veränderungen. Und dennoch. Ganz von seiner früheren Leidenschaft, konservative und überhaupt alle Nicht-Grünen Politiker anzugreifen und aufzuklären über den Irrtum ihres ungrünen Weltbildes, kann er nicht lassen. Auf seinem Internettagebuch gebimair.blogspot.co.at finden sich neben allerhand Versuchen, die seiner Meinung nach viel zu klein geschriebenen Erfolge der eigenen Regierungsarbeit zu verkaufen, gelegentliche politische Querschüsse. Querschüsse auch in Richtung seines Koalitionspartners  oder zumindest dessen Um- und Vorfeldorganisationen. So eine Ehrensalve politischen Verbalschrotes entlud Klubobmann Gebi in diesen Tagen in Richtung des Tiroler Jägerverbandes, offiziell natürlich keine ÖVP- oder ÖVP-nahe Organisation, de facto praktisch zu hundert Prozent. Stein des Anstosses war für Mair eine...

Der Mann im Matsch

Langegger schrieb Julia eine SMS, ob sie nicht Lust hätte, sich mit ihm zu treffen. Sie antwortete mit „ja“. Er smste zurück, sie solle sich melden, wenn sie Zeit hätte. Er hätte immer Zeit, zumindest für sie, schrieb er noch. Das freute die Geliebte, die ja nur eine potentielle war. Also nicht wirklich, noch nicht wirklich. Aber das hätte sich ja noch ändern können. Das hoffte Langegger zumindest. Julia meldete sich nicht mehr. Langegger ging durch den Regen. Das war aber schon ein paar Tage später gewesen. Langegger dachte, er treffe sie einfach mal zufällig. Er hatte sich das auszurechnen begonnen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit war, Julia die kommenden Tage mal zu treffen. Die Stadt, in der sie beide lebten, war nicht so groß und daher war auch die Wahrscheinlichkeit nicht so klein, dass sie sich mehr oder weniger zufällig trafen. Vor allem auch, weil sie sich beide doch immer wieder in den gleichen Lokalen begegneten, mehr oder weniger zufällig immer wieder. Und als Langegger es ausgerechnet hatte, lächelte er still über seinen Laptop, mit dem er im Café saß, neben sich eine Tasse heißen dampfenden Kaffees. Er dachte, für ihn wäre Julia vielleicht wie ein Stromausfall. Alles weitere wollte er sich gar nicht denken. Alles Weitere wäre  zu viel gewesen. Und allen wollte er sagen: „Ich habe mit eurer Welt nichts am Hut! Lasst mich meine Freundin finden. Ich werde sie wiedersehen. Ich habe es ausgerechnet!“ Aber was ist eigentlich die größte Herausforderung beim Finden einer Person für eine gelungene Partnerschaft? Was sind die größten Konflikte, die ein Paar durchstehen muss? Eifersucht, Krankheiten, das Altern und schließlich der Tod?  Schlimmer vielleicht als all die Konflikte um die Welt? Um das Zusammenleben in der Welt. Schlimmer als all die...

Hilfe, es weihnachtet sehr!...

  Geht es nur mir so, oder gibt es da draußen noch mehr Menschen, denen der jedes Jahr noch früher einsetzende Weihnachtswahn etwas schräg einfährt? Nicht dass wir uns missverstehen, ich liebe Weihnachten, die Deko, die Lichter, das ganze Brimborium samt und sonders.  Aber Lebkuchen im August ist schon wirklich viel zu früh, oder? Und als ich mich letzthin in einem meiner Krimskramsläden sage und schreibe schon am 8.10. einem voll weihnachtlich geschmückten Laden gegenübersah, das ging dann endgültig zu weit. Jedes Jahr das gleiche Spiel, jedes Jahr noch ein wenig früher, wenn das so weitergeht, starten wir nächstes Jahr  unter Umständen schon gleich nach dem Sommerurlaub und dem Schulstart in die Weihnachtssaison. Ich für mich verweigere diesen Frühstart, indem mir vor Mitte November kein einschlägiger Artikel in den Einkaufskorb kommt. Und da überlege ich mir immer wieder, ob  sich diese ewig nach weiter vorne bewegende Spirale nicht umkehren ließe, wenn wir als Kunden gegenüber dem Handel ein Zeichen setzen und die Waren wirklich erst dann kaufen würden, wenn es dem Kalenderlauf angemessen ist. Vielleicht könnten wir auf diese Weise  zu den üblichen „normalen“ Zeiten zurückkehren, als der Sommerschlussverkauf noch am Ende des Sommer und der Winterschlussverkauf im Frühjahr stattfand, als Schokoosterhasen erst nach dem Fasching und Nikoläuse erst am November im Laden waren. Ich weiß, die Glitzerwelt des Handels ist verlockend und die Angebote schreien geradezu nach Aufmerksamkeit, aber versucht es mal… Also widersteht dem Konsumdruck und genießt vorerst mal noch den Herbst, Weihnachten kommt noch früh genug.   Euer Plaudertäschchen...