Fahrerlebnis hier und dort...

Nach längeren andauernden Auslandsaufenthalten – vorzugsweise in afrikanischen Gefilden – kann es bei einer Rückkehr ins good old Innsbruck natürlich schon zu den einen oder anderen Anpassungsschwierigkeiten kommen. Man nehme beispielsweise den Straßenverkehr. Ja, auch wenn man den österreichischen Straßenknigge bereits im Kinderwagen zitiert bekommen hat, musste dieses Wissen den im Ausland angeeigneten Überlebensstrategien weichen. Denn die goldene Regel für Langzeitreisende in afrikanischen Großstädten, wo die Rush-Hour prinzipiell 24 Stunden andauert, lautet: Man adaptiere die landesübliche Straßenetikette, welche sich im Normalfall wie folgt resümieren lässt: Vergesst alle Regeln, an die man im normalen Leben gebunden ist, oder aber ihr kommt nie ans Ziel. Beispiele gefällig? Das Reißverschlussprinzip ist inexistent, es würde nur unnötig aufhalten… Anschnallen? Ha! Weit gefehlt! In keinem original afrikanischen Auto sind Sicherheitsgurte verankert und wenn doch, dann lösen sie sich nach dem Anlegen bereits bei der kleinsten Körperbewegung wie von Geisterhand aus dem Gurtschloss. Das Fahren bei Rot, Gelb oder Grün kann man sich nach dem Ene-Mene-Muh-Prinzip aussuchen. Doch wehe, wehe, wenn ich bei der roten Ampel stehe! Mit einem ordentlichen Anpfiff und Gehupe von hinten muss gerechnet werden! Links oder rechts überholen? Warum so viele Fragen stellen, wenn auch dies keine Rolle spielt. Ein Hoch auf die freie Wahl. Bei derartigen Manövern bitte bloß nicht vergessen, das Unerwartete einzuplanen! Natürlich muss man ein gewisses Risiko auf sich nehmen und Reaktion beweisen, wenn man seine fahrbare Knutschkugel beispielsweise links oder rechts über eine mit zentimeter tiefen Schlaglöchern versehene Sandpiste befördert und diversen mobilen Hindernissen (Kamele, Eselkarren, Ziegen, Fußgänger) in Sekundenschnelle ausweichen muss. Hat man dann doch mal einen Unfall (und bringt sehr viel Zeit zur Ursachenerläuterung mit), ist ein mehrmaliges Anrufen bei der Polizei natürlich möglich. Auf Resultate, die schnell erzielt und (!) zum eigenen Vorteil...

Zeit zeigen und Geschichte erzählen – ein Aufruf...

Was macht eine Stadt wie Innsbruck aus? Ganz klar: in erster Linie ihre BewohnerInnen. Die Menschen machen den Lebensraum Innsbruck lebendig, gestalten ihn zu dem, was er ist. Sie verbinden ihn mit ihrem Leben, ihrer Geschichte. Diese verschmilzt mit der Geschichte des Ortes. Diese Verbindung wiederum kann zu einer ganz eigenen Geschichte, die es wert ist, erzählt und hinterfragt zu werden. Konventionelle Geschichtsschreibung betrachtet Geschichte meist nur aus der Perspektive eines oder einer Einzelnen oder einiger weniger, sogenannter „ExpertInnen“. Diese einseitige Art, Geschichte zu reflektieren und aufzuzeichnen, soll durch das Projekt ZeitZeigerInnen aufgebrochen werden. Die Geschichte Innsbrucks soll darin durch Geschichten erzählt werden. Durch die Geschichten ihrer BewohnerInnen. In einem 60-minütigen Film berichten 60 Menschen von den letzten 60 Jahren. Er beginnt mit dem Jahr 1955 und endet 2015. Der Minutenzeiger rückt unermüdlich vorwärts, wie es die Zeit selbst tut. Jede Minute erzählt eine andere Geschichte. Im Stil einer erzählenden Dokumentation soll Geschichte greifbar gemacht werden, die Zuschauer in die Vergangenheit eintauchen lassen. Menschen zeigen Zeit und die Zeiger einer Uhr werden so lebendig. Auf diese Weise wird eine vielseitige, vielschichtige und vor allem vielstimmige Sicht auf Zeitgeschichte möglich, die Aspekte beinhaltet, die bisher unerforscht geblieben sind. Wer will von ihren/seinen Erinnerungen erzählen? Gesucht wird nicht nach den großen Ereignissen, die man in Geschichtsbüchern findet, sondern einerseits nach kleinen Begebenheiten, die Einzelne intensiv erlebt haben, und andererseits nach persönlichen Eindrücken, die große oder kleine geschichtliche Ereignisse bei Menschen hinterlassen haben. Wie etwa wurde die „erste“ Mondlandung 1969 in Innsbruck erlebt? Oder der Mauerfall 1989? Die Olympischen Spiele 1964 und 1976 in Innsbruck? Der Bau der Autobahn, die veränderten Verkehrswege? Der Papstbesuch 1988? Große Veränderungen, große Feste in Innsbruck? Möglich ist eigentlich alles, das auf ein bestimmtes Jahr bezogen werden...

Wo der Inn hinfließt…....

Wenn im Sommer die MitschreiberInnen des Provinnsbruck-Blogs, ihre Heimat hinter sich lassen, dann läuft im Hintergrund trotz allem noch der Es-gefällt-dir-was-hat-das-mit-Innsbruck-zu-tun-du-musst-was-schreiben-Modus. Ich habe da immer das Gefühl, dass eines der Redaktions-Urgesteine im Miniformat auf meiner Schulter sitzt und mir „Wir brauchen einen Beitrag“ in Ohr flüstert. So kam es auch, dass ich bei meinem Kurzausflug nach Schärding nicht auf euch vergessen habe und unseren Hausfluss, den Inn in ganz verträumter Abendstimmung aufs Bild bannte.   Und wer Abend sagt, der nimmt die Morgenstimmung auch gleich mit…   Ein bisschen breiter als bei uns ist der Inn in Schärding schon…   Und wenn mensch schon mal in dieser Ecke ist, dann kann frau auch gleich einen Abstecher in benachbarte Bayern machen und schauen, wo denn der Inn in die Donau mündet. Also ich habe mir ja sagen lassen angesichts, der Wassermenge die der Inn mitbringt, müsste die Donau ab Passau ja eigentlich Inn heißen, aber wir wollen mal nicht so sein, wo hätte denn Johann Strauß sonst seine Inspiration für Österreichs Nationalwalzer herbekommen und es wäre ja wirklich schade drum… Leider war das Wetter etwas trübe, aber wenn man genau schaut, sieht man in der Mitte die Strömungslinie, bei der Inn und Donau zusammenfließen.     Bis bald Euer Plaudertäschchen...

Meine, deine, unsere Welt...

„Was für ein Theater!“ denkt man sich wohl zwangsläufig ab und zu wenn man sich die Diskussionen rund um das Thema Flucht und Asyl anschaut. „Theater machen? Das können wir doch viel besser!“, dachten sich Jugendliche mit und ohne Fluchthintergrund und begannen unter der Leitung des Theaterpädagogen Matthias Rankov gemeinsam ein Theaterstück zum Thema Heimat und Menschenrechte zu erarbeiten. Das Ergebnis ist heute Abend ab 19:30 im Westbahntheater zu sehen. Aus dem Einladungstext: Liebe Theaterfreunde Am 8. August sahen sich die mitwirkenden Jugendlichen zum 1. Mal. Da dies keine gewöhnliche Theatergruppe ist, sondern 8 Jugendliche mit und ohne Fluchterfahrung, wurde insgesamt in 5 Sprachen während des Probeprozesses kommuniziert. Neben dem Thema Heimat haben wir uns auch sehr viel mit den Themen Kapitalismus und Menschenrechte beschäftigt. Die anfänglichen Berührungsängste zwischen den Jugendlichen mit Fluchterfahrung und den Jugendlichen ohne Fluchterfahrung waren schnell beseitigt. Es war vor allem sehr schön, wie Tabus gebrochen wurden und die Jugendlichen ihre Kulturen und Gewohnheiten untereinander kennenlernten. Wir können mit Stolz berichten, dass hier eine Integration durch ein Miteinander satttfand/stattfindet und wollen dich gerne daran teilhaben lassen. Wir freuen uns auf dein kommen 🙂 Matthias Rankov (Theaterpädagoge) und Özlem Yagmur (Verein menschen.leben, Einrichtungsleitung UMF-WG Strass) Beitrag von BIRGIT...

Des Bundeskanzlers Kern Aussagen...

Nachträglich ein paar Gedanken zum  „Sommerlichen Meet and Plauder“ mit Bundeskanzler Kern im Treibhaus am 28. Juli: Nach einleitenden Worten von Norbert Pleifer, dass schon lange nicht mehr so viele Leute bei einer SPÖ Veranstaltung waren und Kanzler Klima damals dem Treibhaus zu einer neuen Bestuhlung verholfen hat, ging es los. Sympathisch fand ich es, dass Kern vorher ins Treibhaus kam, um Fragen aus der Bevölkerung zu beantworten, bevor er unseren Tiroler Landeshauptmann Platter am nächsten Tag traf. Das Publikum wurde von Markus Koschuh dazu aufgefordert den Kanzler mit „Griaß di Bundeskanzler“ die Ehre zu erweisen, was von allen Seiten humorvoll aufgenommen wurde. Einiges ist bei mir von diesem einstündigen Gespräch besonders in Erinnerung geblieben, ohne mir das ganze Gespräch nochmals anzuhören, was aber sicher Spaß macht, war ja ein toller und interessanter Abend. Kern selbst stammt aus einer nicht begüterten Familie und profitierte von der Bildungspolitik Kreiskys, er war der erste in der Familie, der ein Studium abschloss, eigenständig erarbeiteter Erfolg also. Seine volksschulpflichtige Tochter hing sich ein Plakat von Alexander van der Bellen ins Zimmer, nicht weil sie politisch in dem Alter schon dermaßen interessiert wäre, sondern weil sie den Hund so lieb fand. Er gab auch eine Empfehlung ab: Nämlich: Alexander van der Bellen wählen, um die Gräben in unserer Gesellschaft nicht weiter zu vertiefen. Spaltung bringt ja bekanntlich rein gar nichts, um Probleme zu lösen. Klar formulierte er, dass wir am Beispiel des Brexit in Großbritannien erkennen können, dass Populisten immer für alles eine schnelle Antwort aber keine Lösungen und Zukunftspläne parat haben, so wie man am schnellen Verschwinden von Farage und Konsorten erkennen konnte und dass das Geld, das an die EU gezahlt wird, nicht so wie versprochen nach dem Brexit in den National...

Ohne Ankommen kein Weiterkommen...

  „Ja sicha!“, sagt Ahmad* mit einer selten dagewesenen Selbstsicherheit und auf original Tirolerisch. Dabei grinst er breit und zuckt kaum merkbar mit der Schulter. Er wundert sich ein bisschen über meine Frage. Das kann ich seinem Blick entnehmen. Ob ihm seine Arbeitsstelle gefällt, wollte ich wissen. Dass er sich so selbstverständlich darüber wundert, deute ich als gutes Zeichen. Denn ich erinnere mich. Zum ersten Mal habe ich Ahmad getroffen, als er ein Radiointerview mit mir zum Thema Deutschkurse für Flüchtlinge machen sollte. Das Radioprogramm wurde von Refugees selbst gestaltet und umfasste Informationen für Refugees, in mehreren Sprachen. Als Ahmad zu mir ins Büro kam, mit Übersetzerin und Redakteurin, war er sichtlich nervös und ganz schüchtern. Bis zu dem Moment, als er mit dem Interview loslegte. Er machte seine Sache großartig, es war ein gutes Gespräch und als Interviewte fühlte ich mich bei ihm gut aufgehoben. Denn was er bis heute nicht weiß: Ich war mindestens genauso nervös, es war auch mein erstes Radiointerview. „Ich will Journalist werden“, sagte er mir zum Abschluss verlegen. Seitdem haben wir uns immer wieder mal zufällig getroffen. Wir unterhielten uns hauptsächlich über seinen Deutschkurs, seinen Asylstatus, und das war’s dann auch schon wieder. Bis heute. Heute sprang er in den Bus und kam sofort auf mich zu. Keine Rede mehr von Deutsch, Behörden, Interviews und Warten, Warten, Warten. Er fährt nur zwei Stationen, erklärt er mir, weil er jetzt zur Arbeit muss. Seinen positiven Asylbescheid, ja den hat er schon längst bekommen und jetzt arbeitet er. Er ist angekommen. Ich glaube, Souveränität beschreibt den Unterschied zwischen unseren früheren Treffen und dem heutigen. Und kommt Souveränität nicht irgendwie mit Sicherheit? Ein paar Wochen später stehe ich im McDonalds in Telfs. Während ich auf mein Essen...

Gemeinderatspfusch: Mietzinsbeihilfe futsch...

Der 14. Juli 2016 wird sich vielen jungen und sozial schlechter gestellten Menschen in Innsbruck wohl noch lange ins Gedächtnis einprägen : an jenem schwül-heißen Julitag, einem Donnerstag, beschließt der Gemeinderat in seiner Sommersitzung eine Zugangshürde zur Mietzinsbeihilfe einzuführen. Die neue Regelung tritt bereits am 1. September in Kraft. Hunderte, wenn nicht tausende StudentInnen, AlleinerzieherInnen und Menschen mit niedrigem Einkommen, die auf die finanzielle Unterstützung der Mietzinsbeihilfe angewiesen sind, könnten demnächst eine böse Überraschung erleben: das Ende ihres bereits zuerkannten Anspruchs und somit in vielen Fällen eine regelrechte Existenzbedrohung. Denn statt wie bisher erhält man Mietzinsbeihilfe nicht mehr ab dem ersten Tag der Hauptwohnsitzmeldung, sondern erst nach dreijähriger Wartefrist. Welcher Teufel die Stadtführung bestehend aus den Fraktionen Für Innsbruck, ÖVP, Teilen der SPÖ(!) und auch die oppositionelle FPÖ geritten hat, liegt bislang allen in letzter Minute gefundenen politischen Erklärungsversuchen zum Trotz eher im Unklaren. Nach Protesten von vor allem Studentenvertretern rudert die Stadt nun vorsichtig ein wenig zurück und stellt für „Härtefälle“ und „unter Umständen“ in Aussicht, auch weiter eine Unterstützung zu gewähren. Auf der Homepage der Stadt rät man Betroffenen, auch dann einen Folgeantrag auf Mietzinsbeihilfe zu stellen, wenn man schon weiß, dass man die (neuen) Hauptwohnsitzregelungen nicht erfüllt. Unter welchen Umständen die Stadt eine Unterstützung weiter gewährt bzw. wann jemand als Härtefall gilt, darüber gibt es bisher keine Auskunft. Fakt ist, dass ausgerechnet jene Personengruppe, die am meisten auf die soziale Unterstützung angewiesen ist, nun praktisch der Willkür der zuständigen Stadträte Andreas Wanker (ÖVP) und Ernst Pechlaner (SPÖ) ausgesetzt ist. Diese beiden sind für „Härtefälle“ und einen „Ausgleich“ zuständig, was insofern interessant ist, dass es ja auch ihre Fraktionen waren, die für die Neuregelung vulgo Zugangshürde gestimmt haben. Laut Innsbrucker Grünen, die gegen den Schnellschuss und für...

Nur Gesichter?

Eine schöne und beeindruckende Ausstellung gibt es derzeit (noch bis 28. August) im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum zu sehen. Nur Gesichter? Porträts der Renaissance heißt sie und hat die Werke einiger wirklich hochkarätiger Künstler und Künstlerinnen in den Wechselausstellungsräumen des Museums versammelt. Es sind alles Porträts meist adeliger aber auch bürgerlicher Menschen, die sich auf diese Weise „verewigen“ wollten. Was heute ein Selfie ist, das schnell gemacht ist und dann in die neuen Sozialen Medien geschickt wird, war damals noch der Auftrag an einen Künstler oder – in allerdings nur seltenen Fällen – eine Künstlerin, der dann wohl wochenlange Sitzungen zur Folge gehabt hatte. War es nur Eitelkeit, die die Porträtierten bewegte, sich möglichst gut ins Bild zu setzen oder war oft auch Ironie dabei, so wenn sich etwa ein Mitvierziger einmal mit Bart und einmal ohne darstellen ließ. Auch wenn viele Künstlernamen dem kunstgeschichtlich nicht gebildeten Laien nicht  viel sagen, so mindert das in keinster Weise die Schönheit und Aussagekraft der Bilder. Oft thematisieren diese das Memento-mori-Motiv, so wenn etwa der Porträtierte einmal so wie er zum Zeitpunkt der Anfertigung des Bildes aussah und dann als alter Greis oder gar mit einem Totenschädel gezeigt wird. Dieses Motiv findet sich freilich eher bei kirchlichen Würdenträgern aber nicht nur dort, so etwa im Doppelporträt eines bürgerlichen Paares von Laux Furtenagel, denen zwei Totenköpfe aus dem Spiegel entgegengrinsen. Manche Kinderporträts erscheinen aufgrund der Kleidung – es gab zu dieser Zeit ja noch keine Kinderkleidung, wie wir sie heute kennen – schon als Erwachsene, wenn sie etwa in Herrscherkostüm dargestellt sind. Etwa im Porträt des noch kindlichen Erzherzog Johann von Jakob Seisenegger – wohl nicht zu verwechseln mit dem steirischen Erzherzog gleichen Namens, der ja erst viel später gelebt hat! Oder ebenso im...

Anti-Stigmatisierung in Zeiten des Terrors...

Gewalttaten, Terrorakte und Amokläufe erschüttern uns alle zutiefst, verschlagen uns  die Sprache, verstören. Medien und Zeitungen sind voll davon. Es gibt kein Wegschauen mehr. Dennoch sollten wir genau hinschauen was berichtet wird und wie! Und da hat sich ein Automatismus breit gemacht, der mir nicht gefällt. Bei all diesen Gräueltaten scheint es in der Berichterstattung zwei Kategorien zu geben, in der ein Täter klassifiziert wird: Flüchtling oder „Migrationshintergrund“ heißt die eine und psychisch krank oder „geisteskrank“ heißt die andere. Und immer mehr werden Menschen, die in eine oder beide Kategorien fallen, als potentiell gefährlich „gehandelt“. Während es beim Thema „Asylsuchende“ wenigstens noch Berichterstattung darüber gibt, dass zum Beispiel der deutsche Innenminister Thomas de Mezìere darauf hinweist, dass die Mehrzahl der Schutzsuchenden selbst Opfer von Terror  sind, vermisse ich eine ähnlich differenzierte Berichterstattung in Bezug auf Menschen, die an psychischer Krankheit leiden. Undifferenzierte Wortwahl verursacht in diesem Bereich neuerliche Stigmatisierung, erhöht für Menschen, die psychisch erkrankt sind, die Schwelle sich in eine Behandlung zu begeben, und  führt zu verlängertem Leiden. Eine vermeidbare Nebenwirkung! Mag. Christine Müllner-Lacher Bereichsleiterin VertretungsNetz Patientenanwaltschaft Salzburg/Tirol Der Beitrag wurde zuerst am Dienstag als Leserbrief in den „Salzburger Nachrichten“ veröffentlicht und erscheint hier mit ausdrücklicher Genehmigung der Autorin...

Kern haben tut gut. Oder?...

Einen ehemaligen ÖVP-Vizekanzler, Erhard Busek, durfte ich im Treibhaus schon begrüßen – im Rahmen des von Treibhaus-Chef Norbert Pleifer eingeführten „Wort am Montag“. Einen ehemaligen GRÜNEN Bundessprecher, Präsidentschaftskandidaten, späteren Wahlsieger, dann doch nicht Wahlsieger und jetzigen Wieder-Präsidentschaftskandidaten Alexander Van der Bellen ebenso. Und andere interessante Persönlichkeiten wie den wohl aktivsten EU-Parlamentarier und TTIP-Experten Michel Reimon, Kolumnistin Elfriede Hammerl und und und. Und schließlich vor ca. 14 Tagen die Anfrage, ob ich nicht einen Abend mit Christian Kern moderieren möchte. Cooler weise zuerst seitens des Treibhauses und dann erst über das SPÖ-nahe Renner Institut – was mir allerdings zupass kam. Denn interviewen bzw moderieren wollte ich Christian Kern in erster Linie nicht in seiner Funktion als SPÖ-Bundesparteivorsitzender sondern eben als Bundeskanzler (und sind wir ehrlich: zu einer klassischen SPÖ-Veranstaltung wären im Land der 10-15-Prozent SPÖ wohl kaum an die 1.200 Menschen gekommen. Oder etwas blumiger ausgedrückt: Norbert Pleifer wollte im Vorfeld rote Nelken besorgen und musste nach 3 Blumengeschäften aufgeben, da die laut einer Blumenverkäuferin nicht nachgefragt werden, „weil die nur Sozialisten kaufen“. Kurz nach 21 Uhr trifft Christian Kern letzten Donnerstag samt Gefolge im Treibhaus ein – und erweist sich als erfrischend unkompliziert und deutlich humorvoller als seine Personenschützer (für mich als Kabarettisten ist es nicht alltäglich, dass auf einen Auflockerungsschmäh nicht einmal keine im Gesicht ablesbare Reaktion kommt). Aber mei. Rauf auf die Bühne mit dem Kanzler und nach Begrüßung durch Norbert Pleifer und den auf kernigen Rückenwind hoffenden SPÖ-Tirol-Vorsitzenden Ingo Mayr heißt es „LandesUNüblicher Empfang“: Martin Ohrwalder intoniert auf seiner Trompete die Melodie der Landeshymne und der Kanzler erkennt sie auf meine Frage hin als die Melodie des Arbeiterliedes „Dem Morgenrot entgegen“. Eins zu Null für Kern. Wobei das Null hier dem offiziellen Tirol zufällt, dass vor...