Auf dem Schneeweg

Wer in Innsbruck trotz Winter aufs Rad nicht verzichten will oder kann, der lebt derzeit besonders gefährlich: im Unterschied zum Straßennetz gibt es nämlich auf den Radwegen praktisch keine Schneeräumung. Die Idylle auf dem Foto, das am Donnerstag aufgenommen wurde, täuscht: Auf vielen Radwegen, wie etwa hier am Innradweg oder dem Radweg nach Hötting-West bzw. Kranebitten haben sich bereits gefährliche Eisschollen und Spurrillen gebildet, das Sturz- und Verletzungsrisiko ist trotz Splittstreuung auch mit einem dick bereiften Mountainbike erheblich. Dies ist umso unverständlicher, da Räumfahrzeuge der Stadt mit der Aufschrift „Grünanalagen“ und ausgestattet mit Schneepflügen zwar täglich die Radwege befahren, diese aber anscheinend nicht räumen sollen oder wollen, sondern lediglich Splitt streuen. Dazu ein Gedankenexperiment: man stelle sich vor, es schneit, wie vor ein paar Tagen, und Tage später, also jetzt, sind die Straßen noch immer tief verschneit bzw. hat es noch immer keine Schneeräumung gegeben. Das wäre wohl unvorstellbar. Umso vorstellbarer dafür der zu erwartende Sturm der Entrüstung von AutofahrerInnen, Busbenutzern und allen anderen motorisierten VerkehrsteilnehmerInnen. Was sagt eigentlich der Innsbrucker Radkoordinator zu diesen Zuständen? Was sagt eigentlich die Innsbrucker Vizebürgermeisterin und Verkehrsstadträtin, die noch im letzten Jahr Innsbruck großspurig zur „Radhauptstadt“ erklärt hat, zu diesen Zuständen? Und last but not least was sagen die Innsbrucker Grünen, die diese Zustände vor ihrem Regierungseintritt kritisiert haben? Autor/Bild: Johann...

Wenn das Gras wächst in der Stadt...

Immer wieder sind es die Bruchlinien, in der sichtbar wird, dass eine Stadt auch etwas ganz anderes sein kann, als das sie sich nach außen präsentiert. So sind es oft landwirtschaftlich genutzte oder ehemals landwirtschaftlich genutzte Gebäude, die an den Rändern der Stadt zu sehen sind, wie auch in Innsbruck in Pradl oder Wilten etwa. Oder ein verwilderter Garten wie hier etwa am Ende der Andreas-Hofer-Straße, wo das Gras hinter einem meterhohen schönen Eisengitter wächst, und uns so einen Eindruck davon gibt, wie es wohl aussehen würde, wenn die Bewohnerinnen und Bewohner ihre Stadt verlassen würden. Man wartet, bis Gras über eine Sache gewachsen ist, ist etwa ein bekanntes Sprichwort, oder man hört das Gras wachsen. Hier in der durch den Verkehr doch etwas lauten Andreas-Hofer-Straße hört man es zwar nicht wachsen, aber man kann es sehen und vielleicht sogar riechen. Leider ist es um die dahinterstehenden Gebäude nicht so gut bestellt, und das mag ja wahrscheinlich auch der Grund für die Verwilderung dieses ehemals sicher gepflegten Vorgärtchens sein. Die Fenster des dazugehörigen Hauses sind vernagelt, was wohl auf sein schon vor längerer Zeit erfolgtes Verlassen-worden-Sein hindeutet. Und in der Tat, neulich konnte man in den Zeitungen lesen, dass der schöne Gründerzeitblock, der die Egger-Lienz-Straße mit seiner historistischen giebelbekrönten Fassade noch dominiert, abgebrochen werden und einem neuen Wohnprojekt der Baugruppe Zima weichen soll. Obwohl ursprünglich nur ein Teilabriss des doch recht großen Gebäudekomplexes vorgesehen war, was auch vom Innsbrucker Gestaltungsbeirat empfohlen wurde, scheint sich nun der Projektträger Zima voll durchgesetzt zu haben. Naja, wer das Geld hat, macht eben die Musik, könnte man jetzt triumphierend sagen. Der grüne Planungsstadtrat Gerhard Fritz verteidigt laut TIROLER TAGESZEITUNG vom 29. Dezember 2015 das Projekt als „clever“, und dass der Erhalt der Fassade...

Kunst und Literatur im O-Dorf...

Du interessierst dich für Kunst und bist außerdem daran interessiert, Menschen aus anderen Kulturen kennenzulernen? Dann solltest du heute Abend ins O-Dorf kommen. Ja, richtig gehört, ins O-Dorf, wo der Verein Alp-Inn zum 6. Mal das „interkulturelle künstlerische Schaffen“ veranstaltet. Aus dem Veranstaltungstext: „Vom 15. bis 24. Jänner 2016 präsentieren KünstlerInnen aus verschiedenen Kulturkreisen und Nationalitäten im Olympischen Dorf ihre Werke, die genauso unterschiedlich sind wie ihre SchöpferInnen. Photographien, Gemälde, Bleistiftzeichnungen und auch literarische Werke werden präsentiert. Der Literaturabend findet am 16.01. statt, die Texte werden von den LiteratInnen selbst vorgetragen. In den vergangenen Events betrachteten Besucher mit neuen, aufregenden Gedanken und Fragen über die Definition der Kunst die Werke, welche auch erworben werden konnten. Doch diese Fragen sind immer noch unbeantwortet und lockt jedes Mal aufs Neue die Besucher an. Denn Kunst ist nie gleich, verändert sich wie das Menschliche selbst.“ Kunst und Literatur stehen also im Mittelpunkt der Veranstaltung, aber darum geht es gar nicht in erster Linie. In erster Linie geht es darum „neue Dinge zu entdecken. Neue Gedanken zu denken, neue Bilder zu bilden, neue Meinungen zu meinen. Mal was Neues. Immer wieder was Neues. Darum geht es. Andere Kulturen, andere Sitten, andere Geschichten, andere Menschen, andere Grenzen, anders, und immer neu. Vor allem neu. Deswegen. Jedes Jahr aufs Neue. Zusammen.“ WANN? Fr., 15.01. 17-20 Uhr Sa, 16.01. 17-20 Uhr So, 17.01. 12-15 Uhr Mo., 18.01 bis So., 24.01. nach telefonischer Vereinbarung Literarischer Abend Sa., 16.01. 18 Uhr WO? VNO Aktivzentrum O-Dorf An der Lanstraße 40 6020 Innsbruck Birgit...

Asche zu Asche: Heidi Holleis...

“I´ve never done good things / I´ve never done bad things / I´ve never did anything out of the blue, woh-o-oh / Want an axe to break the ice / Wanna come down right now / Ashes to ashes, funk to funky” (David Bowie) Es gibt sie, die geradezu unheimlichen Zufälle. Am 10. Jänner starb David Bowie und mit ihm eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der gegenwärtigen und nicht nur Pop-Kultur. Nun, am 19. Jänner, an einem schon seit Monaten feststehenden Termin, erscheint in Innsbruck ein bereits ende letzten Jahres inhaltlich fertig gestellter Kunstkatalog, auf dessen Rückseite Bowies Porträt erkennbar ist, und das bewusst nach einem Werk von Bowie benannt ist: „Ashes To Ashes“ der Künstlerin Heidi Holleis, die bereits ihren ersten dazu gehörenden Werkzyklus „zu“ Musik Bowies geschaffen hat. Heidi Holleis, 1974 in Innsbruck geboren, auch als Zeichnerin und Illustratorin tätig und beim RLB-Kunstpreis 2014 vertreten, arbeitet seit 2011 mit dem Material Holzasche, gebunden mit Eitempera. In Zeiten und Verhältnissen, in denen große Antworten und Fragestellungen ungern aufgebracht werden und in denen noch so bombastische Entwürfe zu nur so kleinteiliger Praxis ziehen, schreckt die sofort gegenwärtige große Symbolik von Asche wohl manche zuerst ab. Asche als Sinnbild von Vergänglichkeit und Reinigung ist „nun einmal“ stark mit religiösen Erinnerungen behaftet. Wenn diese gegangen sind, bleibt Asche dann eher noch als Entsorgungsproblem übrig, als Relikt einer schlecht angesehenen industriellen Vergangenheit und zunehmend schief angeschauter Genüsse – oder irgendwann einmal als Deko-Material fürs gewollt Echte und Authentische. Vor diesem Hintergrund mit Asche künstlerisch zu arbeiten ist sicher mutig. Doch der Mut lohnt sich. Heide Holleis Aschebilder sind eine Schule des genauen Hinschauens. Sie leben von den Verdichtungen, Phrasierungen und Verzögerungen, die im Bild wahrnehmbar und aufschließbar sind. Von Material und Verfahren her...

Adieu, Weihnachten!

Und schon ist das Weihnachtsfest wieder vorbei. Abgeräumt die Weihnachtsdekorationen und Girlanden in den Straßen und Geschäften. Das geht nach den Feiertagen immer so schnell, dass man es kaum wahrnimmt, schon ist alles wieder weg. Man könnte ja auch mal annehmen, dass man ein Fest, wenn es schon mit so großem Pomp gefeiert wird, auch langsam ausklingen lässt. Noch ein wenig Zeit dafür aufbringt, um es nachklingen zu lassen. Zumindest die ersten Jännerwochen hinein die Weihnachtsbeleuchtung noch hängen lässt. Aber nichts da. Die kleinen blauen Kranwägen stehen schon länger nach dem Heiligen Abend bereit, um dann gleich nach Dreikönig in Aktion zu treten und die ganze Dekoration wieder abzumontieren.  Ja es ist gerade umgekehrt: Da werden meistens – wie auch im eben zu Ende gegangenen Jahr 2015 – bei fast noch herbstlichen wenn nicht gar spätsommerlichen Temperaturen die diversen Glühweinhäuschen aufgestellt, die nicht gerade eine ästhetische Augenweide abgebenden pseudofuturistischen  Glitzertürmchen und Bäumchen in der Maria-Theresien-Straße finden wieder ihren Stellplatz, und natürlich haben auch die Schaufensterdekorateurinnen und Dekorateure das Ihre beigetragen, um beim kaufkräftigen Publikum Kauflust aufsteigen zu lassen. Gut, wir haben es wieder überstanden. Der Handel hat sein Plus gemacht, wie uns die Nachrichten schon lange vor Beginn des Festes kundgetan haben. Was aber bleibt bei all dem wirklich, so frage ich mich? Ein Fest, das mittlerweile so inhaltsleer geworden ist, dessen Botschaft so verkitscht, verkauft, vergeigt und verlogen ist, das es wohl kaum noch jemanden erreichen würde, wären da eben nicht die tief in uns allen schlummernden Kindheitserinnerungen, die meistens wenn vielleicht auch nicht immer in einem Moment der Überraschung oder einem Moment des Überrascht Werdens gipfelten, wie es sonst vielleicht nur noch die Erinnerung an die „erste Liebe“ je zu erreichen imstande waren. Und weil ein sich...

Wo bleibt die Ampelfrau?...

Innsbruck hat anlässlich der International Children’s Games mehr als 30 Fußgängerampeln umgerüstet, unter anderem sind Motive eines Snowboarders, eines Skifahrers und eines Wanderers zu sehen. Als in Wien im Sommer letzten Jahres queere Ampelpärchen auftauchten, hat das international für Aufsehen gesorgt, die Innsbrucker Ampeln sind allerdings eher Tourismuswerbung als ein politisches Statements. Ein bisschen enttäuscht bin ich schon, dass die Innsbrucker Ampelkoalition nicht mehr Wert auf Geschlechtergerechtigkeit legt und keine einzige Ampelfrau installiert wurde – sollte ich eine übersehen haben, sendet mir bitte ein Foto zu. Hier gibt es noch den  Ampelmann-Song der Lassie Singers und vergesst nicht, immer brav nach rechts und links zu schauen.   Foto von Maria Palfinger...

Innsbruck, du machst mir Kopfweh...

Das Alkoholverbot in der Maria-Theresien-Straße bleibt bestehen: Gerhard Fritz, Stadtrat der Grünen, und Uni-Vizerektor Roland Psenner haben dagegen geklagt, doch der Verfassungsgerichtshof hat das Verbot bestätigt. Das Urteil liegt mir nicht vor, allerdings haben die Höchstrichter laut einem Artikel in der Tiroler Tageszeitung  die ortspolizeiliche Verordung mit der Begründung bestätigt, dass sie „mit ihrer klaren Anordnung eine Maßnahme ist, die geeignet ist, die Störung des Gemeinschaftslebens auf den in der Verordnung bezeichneten öffentlichen Flächen zu verhindern“. In einem Rechtsstaat sind Urteile anzuerkennen, aber es ist fast schon eine Binsenweisheit, dass Recht und Gerechtigkeit zwei Paar Schuhe sind. Das Hauptargument der Gegner_innen des Alkoholverbots wurde nämlich nicht entkräftet: In den Gastgärten und vor den Glühweinständen darf  man sich nämlich weiterhin ordentlich einschenken – vorausgesetzt, dass man es sich leisten kann und will. Das Alkoholverbot gilt nur für Menschen, die sich ihre alkoholische Getränke selbst besorgen und sie im öffentlichen Raum konsumieren. Ein Bier kostet in einem Gastgarten in Innsbrucks Prachtstraße knapp unter vier Euro – ein Dosenbierchen aus dem Supermarkt, das beispielsweise auf den Stufen der Annasäule gezischt wird, kann einige hundert Euro Bußgeld bedeuten. Im Kern geht es weniger um Alkohol als vielmehr um die Vertreibung von Obdachlosen und finanzschwachen Gruppen aus der Konsumzone Innenstadt. Ob jemand ein umworbener Gast ist, der sich ein Gläschen genehmigt, oder ein Trunkenbold, der das Gemeinschaftsleben stört – diese Unterscheidung ist keine Frage der Gerechtigkeit, sondern des...

Datenhysterie und Anonymus...

Meldungen wie: Der gläserne Mensch ist bereits Realität. Ebenso die totale Überwachung durch Geheimdienste, durch Google, durch Facebook, usw. Bis ins Letzte sind wir durchleuchtet und algorithmisiert … Das sind die Meldungen, die ohne Zweifel der Realität entsprechen. Trotzdem wird auch hier sehr viel Hysterie, Angst und Unsicherheit geschürt, wie ein kleines Erlebnis verdeutlichen soll. Anonymus – die Robin Hoods gegen Datenmissbrauch Wie ich hier an anderer Stelle schon einmal erwähnt habe, habe ich meine Brötchen in der Tiroler Gesundheitskasse verdient. In dieser Funktion bin ich einmal mit dem Obmann nach Osttirol gefahren. Dort sollten wir im Bezirkskrankenhaus an einer Veranstaltung über die Palliativmedizin teilnehmen. Es war ein herrlicher Frühlingstag und der Obmann meinte, nach der Veranstaltung genehmigen wir uns ein gutes Mittagessen im „Golden Fisch“. Dieses Gasthaus kannte er von früheren Aufenthalten in Lienz. Kurz vor Kitzbühel erreichte uns ein aufgeregter Anruf des IT-Abteilungsleiters, der völlig außer sich zu sein schien. Ob wir schon die neuesten Nachrichten, die gerade übers Internet und auch übers Radio vermittelt werden, mitbekommen hätten. Wir hatten nichts mitbekommen. „Die Leute von Anonymus gaben an, im Besitz von geheimen medizinischen TGKK-Daten zu sein. Welche genau, ließen sie offen“, sagte der Abteilungsleiter. „Aufgrund eigener Untersuchungen gebe es zwar keinen Hinweis, dass das System geknackt worden sei. Nichts lasse im Moment darauf schließen, dennoch…“ Anonymus nannte in seinem Schreiben einige Namen bekannter Tiroler, die auf der angeblichen Liste aufscheinen, aber zwei Drittel der Tiroler Bevölkerung sind bei der TGKK versichert, sodass diese Aussage weiter nicht viel Aussagekraft hätte. Anonymus behauptete, dass sie über Tausende brisanter Daten verfügen würde, die sie aber nicht preisgeben wollen. Ihnen gehe es nur um das Aufzeigen eines Datenlecks in der staatlichen Sozialversicherung. Der Obmann und ich überlegten kurz, ob wir in...