Mit dem Arsch zu den Bergen – ein Plädoyer für weniger Tirolität und mehr Innsbruckismus...

Es ist noch nicht lange her, da haben diverse Lokalmedien und -politikerInnen in Innsbruck Purzelbäume geschlagen vor Freude über die Kür Innsbrucks zu einer von Europas zehn heißesten Destinationen durch CNN. Ein Detail scheint dabei niemandem aufgefallen zu sein, nämlich jenes, wie CNN die Auswahl Innsbrucks begründete. Mit hochkarätigen Kunstausstellungen und hippen Läden, wie bei Istanbul? Mit faszinierender Architektur und einem hervorragenden Symphonieorchester, wie bei Reykjavik? Mit kultigen Lokalen und interessanten Museen, wie bei Liverpool? Mitnichten. Obwohl Innsbruck das alles und viel mehr aufweist, mussten wieder einmal die Nähe zu diversen Skigebieten, die Standseilbahn auf die Hungerburg und die Möglichkeit zum Mountainbiken durch historische Bergdörfer herhalten. Die eigentlichen Vorzüge der Stadt, all das, was selbiger ihr Gesicht gibt, nämlich Architektur, Kultur, Internationalität und urbane Diversität, blieb unerwähnt. Hätten die Jungs und Mädels in der CNN-Redaktion ihren Dartpfeil etwas versetzt geworfen, wäre der Titel halt St. Anton am Arschderwelt zugefallen. Dort gibt es den ganzen Bergfreizeitkram nämlich auch. Insofern kann mir diese Ernennung gestohlen bleiben. Ein Mensch möchte ja auch seiner selbst wegen geliebt werden und nicht wegen der supertollen Tapeten in seiner Wohnung. Kürzlich fragte mich an der Haltestelle Sillpark ein freundlicher älterer Herr mit holländischem Akzent und in voller Wintersportmontur (aber ohne Ski), wo es denn hier zur Skipiste und zum Skiverleih gehe. Eine Frage, die man, selbst gerade auf dem Weg ins Büro, mitten in der Innenstadt, umgeben von Menschengetümmel, Verkehrsgewühl und Hochhäusern (OK – im Moment noch nur einem einzigen Hochhaus), so eigentlich nicht unbedingt erwartet. Der Guteste freute sich nicht besonders, als ich ihm erklärte, welche Tram- und Buslinien er nehmen könne, um in sein ersehntes Hochgebirgsparadies zu kommen. Es liegt nahe, dass ihm Innsbruck als Wintersportort verkauft worden war (typischer Spruch der Tourismusmafia: in...

Kopf aus dem Sand, Herr Landeshauptmann!...

Heute morgen fand eine Protestaktion vor dem Landhaus in Innsbruck statt. Anlass war das "heiße Eisen" Kraftwerksbau:  In den letzten Jahren opferte die Landesregierung immer wieder Naturgebiete für die Interessen der Energiewirtschaft. Wenn wir noch länger die Köpfe in den Sand stecken, werden bald auch die letzten naturbelassenen Flecken verschwunden sein.   Foto von Ingrid...

Engel der Verdammten

Der bekannte österreichische Künstler Siegfried Anzinger hat zurzeit in der Galerie Elisabeth und Klaus Thoman eine interessante Ausstellung. Und zwar sind es diesmal Figuren, die der ansonsten eher als Maler tätige Anzinger da verfertigt hat, etwa kleine skurrile Figuren aus Terrakotta – einer speziellen Tonmischung – und zum Teil aus Bronze. So sehen wir da etwa einen kleinen Engel mit gebrochenen Flügeln, den ich wohl gern als einen solchen der Verdammten bezeichnen würde. Ein Prometheus aus Bronze gesellt sich zu ihm.     Diese Spontaneität des Bearbeitens und Gestaltens von Terrakotta, weicht bei den Modellen für die Bronze einer anderen Vorgangsweise. Vor allem bei der überlebensgroßen Figur Prometheus I (1986/89) zeigt sich auch eine klar strukturierte Form der Arbeit: Rücksichtnahme auf den Vorgang des Gießens. Anzingers auch technisches Können bei der Komposition der Skulpturen wird dem Betrachter besonders, aber nicht ausschließlich, bei dieser Figur bewusst. Die Vielfalt der Themen wie Putti, Lokomotiven, Madonnen und andere Motive – teilweise im Lentos 2010 ausgestellt – geben Zeugnis seiner Lust zur Gestaltung, schreibt die Galerie im Ausstellungstext.     Der Künstler geht hier in seinen Plastiken einen neuen Weg. Durch das vordergründig unfertig erscheinende Motiv, wird bei näherer Betrachtung der Figuren eine neue Ebene eröffnet. Die geschaffenen Werkstücke erhalten eine zeitliche Dimension. Anzinger weist in seiner Plastik über den gegebenen Status quo der Skulptur hinaus und zeigt eine mögliche Veränderbarkeit. Damit schließt sich der Kreis zu Anzingers Werk auf Leinwand und Papier. Durch diese zeitliche Dimension verschränken sich die mythisch-religiösen Komponenten der Skulptur mit jenen des grafischen und malerischen Werk Anzingers. Die Plastiken sind Formgebung und Narrative im Kontext des ganzen Schaffens Anzingers.   Siegfried Anzinger ist da wohl ein ganz und gar österreichischer Künstler, blinzelt doch das Barock – wenn wir etwa...

Verlosung: Grimms Märchen – hart gekürzt...

Wer Grimms Märchen in der Variante des Feinripp Ensembles noch nicht gesehen hat, hat jetzt noch einmal die Möglichkeit. Am 1. und 2. Februar, jeweils um 20. Uhr kann man das Stück im Treibhaus sehen.   Für die Aufführung am 1.2. verlosen wir 2 Karten. Sendet euer Lieblingszitat aus einem Märchen an redaktion@provinnsbruck.at .     Hier noch ein kleiner Vorgeschmack auf die wirklich sehr amüsante Aufführung   [video:http://www.youtube.com/watch?v=3pZPX9nV6Ek]   Mehr zum Stück auf...

klein. fein. Verein! _ die Dritte...

In der Innsbrucker Dreiheiligenstraße findet Kunst Dünger. Wer bisher nicht gewusst hat, dass KUNSCHT auch im ersten Stock der Kulturbackstube groß geschrieben wird, sollte nachlesen, wie Kreativität dort Schule macht.     KUNSCHTschule - stärken fördern bilden mit kunst und kultur „Kunst und Kultur öffnet Welten. Welten voller Farben, Formen und neuer Einsichten, denn Kinder und Jugendliche brauchen kreative Kompetenzen und Experimentierfelder, um starke Persönlichkeiten zu werden. Die KUNSCHTschule bietet ein kontinuierliches, aufbauendes Programm, in dem Kinder und Jugendliche von Künstlerinnen und Künstlern beim Erlernen und Experimentieren mit unterschiedlichen künstlerischen Techniken begleitet und persönlich unterstützt werden. Ziel ist es, die Phantasie und Ausdrucksmöglichkeiten von jungen Menschen zu fördern und ihr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Gestaltungskompetenzen zu stärken. Unsere aktuellen Angebote sind: Kleine Werkstatt für Kinder von 3 - 6 Jahren (2 Blöcke pro Jahr) Mal-Zeichenwerkstatt, Design- Architekturwerkstatt, Bildhauerwerkstatt für 7 - 12 Jährige (Jahresprogramm) Mappenbegleitung für ab 13 Jährige (Wintersemester) Offene Werkstatt für alle ACHTUNG AKTUELL laufen wieder die Anmeldungen zum Sommersemesterprogramm der Medienwerkstatt für Jugendliche ab 13 Jahren. Auch die Kleine Werkstatt beginnt wieder mit dem 2. Block im Sommersemester. Aktive KünstlerInnen und ArchitektInnen in diesem Jahr sind: Monika Abendstein, Heidi Holleis, Ina Hsu, Ricarda Kössl, Daniel Pöhacker, Manfred Raggl, Ernst Trawöger, Rens Veltmann und mehrere GastkünstlerInnen in verschiedenen Projekten.“ Kontakt: Monika Abendstein info@kunschtschule.at  www.kunschtschule.at...

Denk- und merkwürdige Landtagssitzung: Grüne setzen Regierung 53 Fristen...

Die von 30. Jänner bis 1. Februar dauernde Landtagssitzung stellt die Weichen für die Landtagswahl Ende April. Per Auflösungsbeschluss beginnt der Fristenlauf für die Einreichung der einzelnen Parteien und Listen. Es ist also eine denkwürdige Landtagssitzung, die so nur alle fünf Jahre vorkommt. Schaut man sich die Tagesordnung an, fällt aber zugleich Merkwürdiges auf: Gleich 53 sogenannte „Fristsetzungsanträge“, mit denen die Grünen eine Behandlung von seit Jahren schubladisierten Anträgen erreichen wollen. Was hat diese Litanei an Anträgen auf sich? Die Klubobfrau der Grünen, Christine Baur, antwortete auf meine Fragen (per mail) wie folgt: In der aktuellen Landtagssitzung bringen die Grünen gleich 53 Fristsetzungsanträge ein, um doch noch die Behandlung längst eingebrachter Anträge zu erzwingen. Wie lange wurde der am längsten ausstehende Antrag nicht behandelt? Baur: Der Dringlichkeitsantrag vom 4. September 2008 „Resolution für eine landesweite Mietzinsbeihilfe“ wartet schon am längsten auf seine Behandlung. Leider gibt es keine gesetzliche Frist, innerhalb derer Anträge behandelt werden müssen … Warum kommen die Fristsetzungsanträge jetzt so geballt daher? Baur: Wir setzen zum Ende dieser Regierung ein Zeichen. Ein Zeichen, wie viel diese Landesregierung einfach liegen hat lassen und wie mit unzähligen Anträgen der Opposition verfahren wurde. An dieses ‚auf die lange Bank schieben‘ werden wir sie durch die Einzelabstimmung jedes Antrages erinnern. Glauben die Grünen tatsächlich an einen Erfolg, also an ein Ja zur Fristsetzung und ein doch-noch-Behandeln der 53 Anträge? Baur: Ich glaube an unseren Erfolg – der besteht nicht immer darin, dass unsere Anträge angenommen werden. Oft werden unsere Ideen nicht behandelt und kommen dann in veränderter Form in Anträgen der Regierungsfraktionen daher. Auch das sind grüne Erfolge. Welche Motive/Gründe der ÖVP-SPÖ-Mehrheit liegen aus Sicht der Grünen der bisherigen Nichtbehandlung der Anträge zu Grunde? Baur: Es gibt mehrere Gründe: die Debatte...

Problembär in Innsbruck gesichtet!...

Von verschiedener Seite wurde uns von einem Problembären berichtet, der im Innsbrucker Stadtgebiet sein Unwesen treibt. Für sachdienliche Hinweise per Mail oder Brieftaube wären wir euch jedenfalls dankbar: Innsbruck darf nicht zum Bärental werden!   Fotos von Michael Gams und Daniela Maria Span  ...

Kann ich es mir leisten, Innsbrucker zu werden?...

Pünktlich um 8 Uhr morgens wird mein Notebook hochgefahren und ich stelle mich ein weiters Mal der mir von meiner Freundin auferlegten Herausforderung. Der Herausforderung in Innsbruck eine Mietwohnung zu finden, die mich beim Berechnen der Mietkosten keine Stresshormone ausschütten lässt. Mir stellt sich die Frage, ob man überhaupt noch Chancen hat, ohne Vitamin B eine leistbare Wohnung zu ergattern?   Schlagwort „Ergattern“: Tatsächlich findet sich am Wohnungsmarktportal der ÖH die eine oder andere Immobilie, die den Vorstellungen entsprechen würde. Nimmt man fünf Minuten nach Schalten der Announce zum Vermieter Kontakt auf, bekommt man in der Regel die ernüchernde Antwort, dass die Wohnung bereits vergeben sei. Wie soll das bitte möglich sein? Ach ja, ich hab wohl vergessen, dass au?er mir noch eine ganze Armada an Studierenden, Selbstständigkeits-Suchenden und Familien dem selben Traum hinterher laufen.   Es gibt diese Tage, an denen man meint, das Glück sei einem hold. Ich habe es geschafft, einen Besichtigungstermin zu vereinbaren. Voller Optimismus treffe ich mich also mit den Eigentümern und werde in das Mietobjekt geführt. Was nun folgt, stellt einem wirklich die Haare auf: Verschlissene und schimmlige Wände, Fenster Baujahr 1967, das Klo wahrscheinlich im selben Alter, natürlich am Gang und mit fünf weiteren Personen zu teilen. So schauts aus! Und das Ganze schön garniert mit einer Heizkostenexplosion, weil Sanieren für Eigentümer ja nicht gewinnbringend ist. Irgendeiner wird die Bude schon nehmen. Und dabei heißt es immer, die Landesregierung setzt sich für leistbares Wohnen ein. Wie sieht dieses Engagement aus?  Die ehemalige Wohnungsstadträtin Pokorny-Reitter lässt verlauten, dass Innsbrucks Immobilienmarkt am obersten Preislimit in Österreich angesiedelt ist. Nur noble Anwesen in Kitzbühel und dem ersten Wiener Bezirk seien teurer. In Zahlen bedeutet dies einen Preis von ca. 15€/m² inkl. Umsatzsteuer und Betriebskosten. Dazu...

Liste Fritz vor Neustart oder vor Aus?...

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Eine absolut vertrauenswürdige Quelle berichtete mir von einem Gespräch zwischen Liste-Fritz-Landtagsabgeordnetem Gottfried Kapferer und Fritz Dinkhauser, seines Zeichens Kopf der „Liste Fritz“, der vor einer Woche aus gesundheitlichen Gründen seinen Rückzug aus der Politik verkündet hat. In dem Gespräch soll Kapferer mehrmals gemeint haben, dass sich der Vorstand einig sei und ein Antreten bei der Landtagswahl Ende April definitiv nicht erfolge. Es gehe, so Kapferer der Quelle zufolge, lediglich noch darum, wann und wie man dies den Medien kund tut. So weit so gut oder so schlecht oder so was auch immer. Auf dieses Gespräch angesprochen verweist Pressesprecher Markus Sint auf die Aussagen Dinkhausers, wonach die Nachdenkfrist zehn Tage dauere – und diese sei a) noch nicht vorbei und b) sei es auch kein Problem, wenn das Nachdenken etwas längere dauere. Klar sei lediglich, dass Kapferer sein Antreten an das Antreten Dinkhausers geknüpft hat. Klingt glaubwürdig. Glaubwürdig ist aber auch besagte Quelle, deren Ohren einwandfrei funktionieren und die nicht dafür bekannt ist, sich Gesprächsinhalte zusammen zu reimen. So weit so gut oder so schlecht oder so was auch immer. Sollen die verkrusteten Strukturen in Tirol mit all ihren Seil(bahn)schaften aufgebrochen werden, muss man sich einen Fortbestand der Liste Fritz fast wünschen – auch wenn ein Ergebnis wie 2008 (18,4 Prozent) nicht wiederholbar scheint. Für viele, die der ÖVP nahe stehen, sich aber mehr und mehr von ihr abwenden, war die Gruppierung rund um Alpha-Mann Fritz Dinkhauser zuletzt eine echte Alternative und der Sprung zu den Grünen ein zu weiter. Einzig: der Liste Fritz fehlt es derzeit an einem oder einer attraktiven Spitzenkandidatin/en. Wenn sie denn überhaupt noch einen sucht und man nicht längst überlegt, wann man was den Medien wie...

Tiroler Jenische – marginalisierte Protagonisten der fünften Jahreszeit...

Kaum Licht, mehr als Schatten Tirol an sich und Innsbruck im Besonderen gelten nicht gerade als Faschingshochburgen. Dennoch lässt sich in der fünften Jahreszeit hierzulande Aufschlussreiches beobachten: Die närrische Zeit bringt nämlich eine Tiroler Bevölkerungsgruppe ans Licht, die ansonsten das ganze Jahr über – sowie inzwischen seit Jahrzehnten – von der öffentlichen Bildfläche komplett verschwunden ist.   Es geht um die ‚Karner‘, die ‚Laninger‘, die ‚Dörcher‘, die politisch korrekt als Jenische bezeichnet werden. Die Herkunft dieser traditionell nicht sesshaften Minderheit, die im gesamten süddeutschen Raum lebt, liegt ebenso im Dunkeln wie ihre Existenz im heutigen Tirol überhaupt. Folglich ist auch nur wenigen Nicht-Jenischen bekannt, dass es diese Gruppe prinzipiell gibt. Im Dritten Reich als ‚Zigeuner‘ oder ‚Asoziale‘ verfolgt, wurden die Jenischen nach 1945 systematisch in die Sesshaftigkeit gezwungen. In diesem Zusammenhang dürfte die Reichenauer Bocksiedlung bis in die 1970er Jahre hinein einen höheren Bekanntheitsgrad erlangt haben als ihre Einwohner, die Jenischen, selbst.   ‚Karnern‘: Alltag und Ausnahmezustand In zeitgenössischen Zeitungsberichten wurde regelmäßig negativ über die „Bockeler“ – so wurden die Bewohner der Siedlung genannt – berichtet und somit die damaligen Vorurteile gegen die Angehörigen des ‚fahrenden Volkes‘ auch auf lange Sicht gesehen verfestigt. Heute existieren die negativen Zuschreibungen nach wie vor, auch wenn die Betroffenen inzwischen aufgrund ihrer von oben herab verordneten Sesshaftmachung in der Mehrheitsbevölkerung aufgegangen zu sein scheinen. Nicht von ungefähr gehören zum Beispiel ‚karnern‘ oder ‚du Karner‘ zum allgemeinen und alltäglich genutzten Sprachgebrauch der Tiroler an sich, wenn es um häufig verwendete Schimpfwörter geht.   Allerdings kann und will Tirol, und auch Innsbruck, einmal jährlich auf seine Jenischen nicht verzichten. Im Fasching sind sie bedeutender Bestandteil der entsprechenden Umzüge vor allem im Oberland, wo diese Tiroler Minderheit einst auch ihre wichtigsten Zentren hatte. Die Fasnacht in...