Ich bin ein Pony

 „Bravo“, „che bello“, „spitze machst du das“, „“WOW!“… Alle Augen liegen auf den Kindern. Es wird geklatscht, zustimmend genickt, fotografiert und gefilmt; es herrscht dichtes Gedränge.   Die Kinder sitzen auf den Ponys wie Legofiguren. Verkrampft und steif. Fast wie hypnotisiert… entweder von den Zurufen der Eltern oder aber, und das scheint wahrscheinlicher, von dem monotonen Schritt der Ponys die im Kreis marschieren und  dabei klaglos funktionieren wie ein Uhrwerk   Mir wird schwindelig. Vom bloßen Zuschauen! „Nicht drängeln!“ ruft der, der alles kontrolliert von der Mitte des Kreises mit viel zu kleinem Radius. Auch ein Luftballon in etwa vier Meter Entfernung würde es fertig bringen die Ponys zu stören, „so schnell wie möglich weg mit dem Luftballon“ höre ich ihn brüllen. Er ruft in die Richtung des Luftballons; der Luftballon muss weg oder zumindest soll der Besitzer des Luftballons mitsamt dem Luftballon so schnell wie möglich aus der Nähe des Häuschens der Ponys verschwinden. Bitte – Danke!   Ich habe die Runden mitgezählt, es waren sieben und auch als ich das nächste Mal mitzähle, verhält es sich ähnlich: die maximal gedrehte Rundenanzahl beläuft sich auf acht. Während der Wechsel ergibt sich eine Pause von ein paar Minuten und das war’s. Die nächsten Kinder sitzen schon wieder wie Legofiguren auf den Rücken der Ponys. Verkrampft und steif. Fast wie hypnotisiert… entweder von den Zurufen der Eltern oder aber, und das scheint wahrscheinlicher, von dem monotonen Schritt, da die Ponys im Kreis marschieren und dabei klaglos funktionieren wie ein Uhrwerk.   Die Ponys, es sind zwischen fünf und sechs, bewegen sich in einem Häuschen, das einen Durchmesser von circa sechs Metern hat. Die Eltern stehen mitsamt ihren Kindern, die sie auf den Rücken der Ponys sehen wollen, Schlange. Die Ponys traben...

In der ZWISCHEN-Zeit

Innsbrucks Stadtbild verändert sich rasant: Neue Wahrzeichen entstehen, manche Gebäude verschwinden, um für andere Bauwerke Platz zu schaffen. Innerhalb eines Menschenlebens verändert sich die Stadt zwar nicht vollständig, aber viele Plätze und Straßenzüge sehen jetzt schon ganz anders aus als in meiner Kindheit.   Fotos wie das vom alten Sillpark (am 1. September 1981 als Interspar eröffnet) faszinieren mich. Ich habe noch lebhafte Erinnerungen an damals, als ich meine Eltern zum Einkaufen begleiten durfte und eine aus der Perspektive des Kleinkindes fast endlose Rolltreppe raufgefahren bin. Wie das Kaufhaus von außen aussah? Daran konnte ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern – unser Gedächtnis ist selektiv und spielt uns gerne Streiche.   Veränderung ist gut und eine lebendige Stadt muss sich verändern. Mindestens ebenso wichtig ist es aber, sich zu erinnern und der eigenen Geschichte bewusst zu werden. Wir alle leben in einer Zwischen-Zeit und bauen auf dem Bestehenden auf, was wir künftigen Generationen hinterlassen. Wenn es gelingt, Tradition und Veränderung sinnvoll zu verbinden, dann wird eine Stadt zum Lebensraum voller Möglichkeiten.   Für diese und viele weitere interessante Fotografien bedanke ich mich bei Schwarz Weiß – hier geht es zu seiner Facebook-Profilseite....

Denk mal, Innsbruck: SALTO VITALE...

Das Kunstwerk Salto Vitale zählt zu den eher unbekannteren Denkmälern Innsbrucks. Vielleicht weil es sich so harmonisch in seine Umgebung fügt, dass es von Vorübereilenden leicht übersehen werden kann. Die Skulptur steht inmitten der Grünfläche der Franz-Gschnitzer-Promenade hinter dem alten Gebäude der Chemie.   Der Salto Vitale wurde vom Künstler Freedrich Drago Valentini gestaltet. Dieses Werk thematisiert „die Reflektion der Vergangenheit in die noch zu gestaltende Zukunft und den diesbezüglichen notwendigen, respektvollen Umgang mit der Natur der Gegenwart.“ So steht es auf dem Hinweisschild – Neugierige erfahren hier noch weitere interessante Details.   Für mich ist Salto Vitale ein im wahrsten Sinne des Wortes „zugängliches“ und organisches Kunstwerk. Es wird von echtem Gras bewachsen und wird damit zu einer lebendigen Skulptur, die ihre Form stets verändert. Damit verbindet sich das Artifizielle mit dem Organischen und eröffnet vielfältige Interpretationen: Wie lebendig ist Kunst? Ist ein Leben ganz ohne Kunst überhaupt lebenswert? Und was bedeuten mir persönlich Leben und Kunst?   Wer sich mit solchen und ähnlich tiefschürfenden Fragen beschäftigen mag, kann den Salto Vitale täglich rund um die Uhr besuchen und sanft über seine Gräser streicheln. Manchmal kann uns ein einzelner Grashalm mehr vom Leben erzählen als alle Museen dieser Welt....

Alltag ist Kunst & umgekehrt # 1...

 „Wo Licht spielt, wirft Theater Schatten“, sinnierte die Muse, hielt inne und meldete Bewegung an.     ...

Weihnachten tritt zurück – ein Vorblick...

Alles Jahre wieder … nein, kommt nicht das Christuskind, kommt die Weihnachtsdepression – einmal meteorologisch heuer sogar ganz pünktlich – und die psychologische folgt ihr auf den Fuß oder geht ihr sogar voran, wie man’s nimmt. Jedenfalls leiden an diesen Tagen viele Menschen an Einsamkeit, an Zweisamkeit, Dreisamkeit … Es wird gelitten und gestritten, getrunken und manchmal auch von Weihnachtsfürzen fürchterlich gestunken. Mit einem Wort: ein ziemliches Desaster! Und das alles wegen einem Kind, das vor annähernd 2.012 Jahren in Bethlehem geboren worden sein soll. Und dem man alles Gutsein der Welt hinaufgepresst hat, auf dass die Welt schöner, frommer und klüger werde. Oder wie auch immer. Genug jedenfalls der theologischen Spitzfindigkeiten, die da schon jahrhundertelang allerorten und in verschiedensten Kreisen angestellt worden sind, und etwa in der Frage gipfelten, wie viele Engel wohl auf einer Nadelspitze Platz haben mögen. Und – vielleicht für uns heute noch eher nachvollziehbar – hatte Jesus nun eine menschliche und eine göttliche Natur in seinem Körper, und wenn ja, wie vertrugen diese sich miteinander. Womit wir wieder beim Streit wären. Worüber streiten sich zu Weihnachten die Menschen, die Paare, die Eltern, die Kinder? Und mit wem streitet sich der Einzelne? Eben doch mit seinem zweiten Selbst, seiner zweiten Natur in sich? Soll er jetzt seinen Christbaum um 19 Uhr zum Stille Nacht, heilige Nacht auf Ö1 anzünden, oder doch erst später, bei Stermann und Grissemann auf FM4? Ich behaupte jetzt mal, es ist schön, auch an diesem Tag allein zu sein, durch fast menschenleere Straßen zu gehen, in fast menschenleeren Zügen zu fahren, und über die Menschen, die man trotzdem sieht, nachzudenken, was sie an diesem Tag bewegt. Meinen alljährlichen meistens am Ende des 24. Dezembers gefassten Vorsatz, nächstes Jahr etwa nach Sevilla zu fliegen und dort auf...

KOSCHUH tritt zurück: Ein Rückblick...

Traditionen sind nicht nur zumeist lachhaft, manchmal sind sie auch zum Lachen: Zum bereits vierten Mal tritt Markus Koschuh aus jahresperspektivischen Gründen einen Schritt und mit zwei Portionen Humor auf ein abgelaufenes Jahr zurück. Wer glaubt, nach den vielen Jahresrückblicken in Funk und Fernsehen von 2012 aber wirklich genug zu haben, der oder die sollte sich jedenfalls noch einmal aufraffen. Denn beim „Jahrmarkt der Heiterkeiten“, einer lieb gewonnenen Tradition zum Jahresabschluss, bereitet Koschuh ein ganzes Jahr so auf, dass man es nicht für möglich halten würde: Nicht nur was tatsächlich passiert ist wird humoristisch aufbereitet, auch das, was Alles nicht passiert ist, anders passieren hätte können oder sollen. Und schließlich wagt der seit seinem Gassenhauer „Agrargemein“ in aller Munde Seiende auch noch einen Ausblick auf das kommende Jahr. Fazit: wer das verpasst, ist entweder über die Feiertage verreist oder schlicht selbst schuld. Die (Rest)Karten für Spätenentschlossene gibt es am besten online via www.treibhaus.at, ab 27.12. wieder im Treibhaus-Café oder für auf-Nummer-sicher-gehen-Wollende via 0650/9403009. Markus Koschuhs „Jahrmarkt der Heiterkeiten“: 28./29. Dezember, 20:30 Uhr im Treibhaus....

Magische Zahl

Die jetzt schon über einen Monat die Geschäftsstraßen Innsbrucks erhellende Weihnachtsbeleuchtung hat heuer eine kleine Besonderheit, die wahrscheinlich noch niemandem aufgefallen ist. Diese besteht darin, dass – im Gegensatz etwa zu den früheren Jahren – heuer der Schriftzug Prosit 2013 fehlt. Ein Schelm, der hier Böses denkt und  im Fehlen eben dieses Prosit … einen immer noch in unseren Gehirnen rudimentär vorhandenen Aberglauben vermutet, der zum Beispiel in Amerika immer bei Hotelzimmern oder Fahrstühlen die Nummer 13 auslässt und mit 12a oder gleich 14 fortfahren lässt.  Triskaidekaphobie nennt man das. Eben die Angst vor der Zahl 13. Es kann natürlich auch ganz andere Gründe haben, etwa solche der Energieersparnis. Sind die Weihnachtsbeleuchtungen in den Großstädten doch auch groß Energiefresser, was meistens in der Euphorie über ihren unsere Kindheitserinnerungen wiederbelebenden Lichterglanz übersehen wird. Und brennen ein paar Lämpchen weniger, sind das am Ende doch ein paar Kilowatt weniger. Also, wie auch immer: Nachdem wir den medial weidlich ausgeschlachteten und am Ende dann doch nicht eingetroffenen Weltuntergang mehr oder weniger heil überstanden haben, so werden wir mit etwas Glück und Fantasie wohl auch das kommende Jahr mit der dräuenden Zahl 13 überstehen, und dieses wird uns mit nicht mehr aber wahrscheinlich auch nicht weniger Katastrophen, seien sie naturgegeben und viele betreffend oder uns nur“ persönlich und individuell berührend,  über uns hinweggehen. So wollen wir es zumindest hoffen. Immerhin ein neuer – erst 2011 entdeckter – Komet wird uns ab Mitte März besuchen und am Himmel zu sehen sein. Panstarr heißt er und wird uns neugierig und fasziniert zum Himmel blicken...

Il Barbiere di Siviglia im Tiroler Landestheater...

Betrübt ging ich ins Theater, sah das zuckerlrosa und babyblaue Bühnenbild und war schon besser aufgelegt. Alles kam federleicht daher, die wunderschöne Musik gespielt von einem großartigen Orchester, die gänsehauterzeugenden Stimmen und plötzlich kam sogar der Barbiere mit dem Rad fahrend quer durch den Zuschauerraum singend auf die Bühne. Ein Gag, der super zur ganzen Aufführung passte.   Das Stück handelt von der uralten Geschichte vom Alten der ein viel zu junges Mädchen heiraten will. Die Uraufführung von Rossinis komischer Oper in Rom 1816 war von viel unfreiwilliger Situationskomik begleitet. Dr. Bartolo blieb bei seinem Auftritt an einer Latte hängen, fiel der Länge nach hin, das Blut lief ihm über sein Gesicht und durch den Tumult vor und hinter der Bühne verlor eine Katze die Nerven und zeigte den verzückten Zusehern das ganze Repertoire ihrer wilden Sprünge.   Davon war leider am Landestheater nichts zu sehen, dafür kam eben der Barbiere quer durch das Publikum per Rad singend auf die Bühne – wenn schon kein Blut oder Katze, das war einfach sehenswert. Es war echt ein super Erlebnis, schaut`s Euch an: Ihr werdet es nicht bereuen.    Im Tiroler Landestheater nächste Aufführung am 29. Dezember, letzte Aufführung am 19. Mai 2013.   Text von Ilona Wiesinger Foto...

… und alle, die wollen, bleiben hier!...

Seit fünf Jahren setzt sich die Plattform Bleiberecht für die Rechte von Flüchtlingen,  Migrant_innen und Illegalisierten ein. Wir haben gemeinsam mit vielen aktiven Menschen,  "Betroffenen" und Organisationen daran gearbeitet, eine Öffentlichkeit zu diesem Thema herzustellen, die nicht von einer rassistischen oder "bemitleidenden" Perspektive her argumentiert.   Wir konnten gemeinsam mit solidarischen Unterstützer_innen drohende Abschiebungenverhindern, viel öfter aber haben wir erst im Nachhinein von einer solchen erfahren; oder als es für politische, rechtliche und aktivistische Interventionen schon zu spät war.   Aber die Zahl der Menschen, die dieses Unrecht nicht länger akzeptieren wollen, steigt ständig an. Daran ändern auch Versuche von bestimmten Polizeikreisen, die Bleiberechtsbewegung zu kriminalisieren & einzuschüchtern nichts!   "Was bringt schon eine Unterschrift?" werden wir oft gefragt. In der Tat, eine Unterschrift für den Verbleib eines oder mehrerer Menschen in Österreich macht noch keine_n Held_in. Und trotzdem war es in den letzten Jahren eine große Unterstützung für diese Menschen. Sie haben gemerkt, dass es nicht allen hier in Tirol/Österreich egal ist, wie mit Flüchtlingen umgegangen wird.   Die Freude und Erleichterung über einen positiven Asylbescheid, den Status als subsidiär Schutzberechtige_r oder eine Aufenthaltsgenehmigung ("humanitäres Bleiberecht") nach jahrelangen Warten und staatlich verordneten de-facto Arbeitsverbot ist immer sehr groß und bestärkt uns in unserem Engagement.   Eine Unterschrift ersetzt aber nicht andere Formen des Protests.  Ab und zu ist es auch notwendig, mit den Füßen abzustimmen und gegen Abschiebungen einzustehen. Wir kämpfen auch im neuen Jahr weiter:   Gegen Schubhaft und Abschiebung! Für gleiche Rechte und globale Bewegungsfreiheit ALLER Menschen! Macht mit! Eine schöne Winterzeit wünscht Euch die Plattform...

Die Apokalypse der Popkultur...

Der für den 21. Dezember 2012 anberaumte Weltuntergang kommt uns in Gestalt einer Apokalypse der Popkultur entgegen, die die Maschinerie des Konsums ankurbeln soll. Im Jargon der Zeit formuliert: saufen, fressen und ficken, denn morgen sind wir alle tot!   Oder wie dies einst der Heilige Paulus sagte: «Lasst euch nicht irreführen! Schlechter Umgang verdirbt gute Sitten! Werdet nüchtern, wie es sich gehört und sündigt nicht!»   Nein, lieber Paulus, wir lassen uns nicht in die Irre führen und unser Umgang wird uns auch nicht verderben.Nüchtern werden wir dem Ende entgegenblicken. Denn: das Ende ist gewiss – der Vorhang wird fallen: Über dieser Bühne, diesem Haus, dieser Stadt und unserem Geschick. Enthüllt sind die Kräfte Entfesselt die Stromschnellen, die Katarakte, des katastrophalen Kurses im Weltgeschehen.   Ein Leben lang lebe ich inmitten dieses Kurrent. Das hat mich nicht zum Sturz in einer pessimistischen Weltanschauung, Wohl aber zur Erkenntnis gebracht Welcher Courage zum Leben, zum Sein nötig ist, Um wachen Auges und offenen Sinnes In diesem Strom der Zeit bestehen zu können.   Wie stark Da-Sein im Glauben begründet sein muss. Unser Ende wird ein technisch produziertes Ende sein. Nun sei auch dieses Ende produziert: Und der Weltuntergang eingeleitet.   Ein Text von Marco Russo   Und für alle, die den Weltuntergang lieber kulturell begehen möchte, gibt es die Einladung zur CLOSING NIGHT & DAS STAFFEL-FINIALE VON HASTA LA VISTA, BABY! Vergesst alles was ihr noch tun wolltet, bevor die Lichter ausgehen. Schluss mit Meditation, Kontemplation, Transzendation (ääähhhhhmmmmm, naja-egal:-) JETZT wird jeder einzelne Untergang der letzten drei Wochen gefeiert. SCHLUSS mit Festival, und allem anderen auch…Tja!   Im Freien Theater Innsbruck Wilhelm-Greil-Straße 23, 6020 Innsbruck am Freitag, den 21.12.2012 circa 21.00 Uhr Hasta la vista, baby 5! (Finale) Regie: Joseph Holzknecht Text:...